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So soll das umgebaute und erweiterte Hotel Edelweiss aussehen (Rendering).

Es geht nur mit viel Marketing

30.01.2019

Wie wird aus einer kleinen Pension eines der am besten ausgelasteten Hotels in ganz Österreich? Die Erfolgsgeschichte des Hotels Edelweiss in Großarl.

Family-Business: Bei Peter Hettegger (l. u.) arbeitet fast die ganze Großfamilie mit.

Klein hat es angefangen damals“, erinnert sich Seniorchef Peter Hettegger. 1979 eröffnete die Familie die Pension Edelweiss in Großarl im Pongau, damals mit 14 Zimmern samt kleinem Café. Der Einstieg seiner Familie in den Tourismus sei recht schwierig gewesen, weil damals die Sommersaison stark rückläufig war, erzählt Hettegger. Viel hat sich seither getan – und die Geschichte erinnert an die Erzählung des Tellerwäschers, der es zum Millionär bringt. 

In den Jahren 1985/86 erfolgte der erste Ausbau auf damals 70 Betten, schon vier Jahre später die nächste Erweiterung auf damals 100 Betten samt Pizzeria, Restaurant und Tanzlokal. 1993 wurde das Hotel auf 140 Betten vergrößert und zur Jahrtausendwende 1999/2000 schließlich die Erweiterung auf 110 Zimmer mit rund 210 Betten samt Wellnessbereich, Hotelhalle, Seminarraum, Tiefgarage und Hallenbad. 

„Insgesamt wurden in all diesen Jahren 75.000 Kubikmeter verbaut, in Summe haben wir dafür rund 17 Millionen Euro investiert“, rechnet Peter Hettegger vor. Auch Grundstücke mussten dafür gekauft werden: „Wir hatten das Glück, dass mehrere benachbarte Grundeigentümer auch bereit waren zu verkaufen.“

65.000 Übernachtungen

Rund 65.000 Übernachtungen verzeichnete das Hotel Edelweiss zuletzt pro Jahr. Dies bedeutet bei 210 Betten beeindruckende 300 Vollbelegstage oder eine Jahresauslastung von 80 Prozent. Dieser Erfolg sei nur mit dem vollen Engagement einer ganzen Familie und erstklassiger Mitarbeiter möglich gewesen, betont Hettegger. 

Das Erfolgsrezept kling altmodisch: Allerwichtigster Gradmesser ist der zufriedene Gast, sagt Hettegger wie aus der Pistole geschossen: „Gästebeschwerden begreifen wir als Geschenk, weil sie uns wertvolle Hinweise geben und helfen, noch besser zu werden. Sie stellen die billigste Art der Marktforschung dar. Was nützen das komfortabelste Zimmer und die schönste Wellnessanlage, wenn die Rezeptionistin den Gast nicht mit der nötigen Herzlichkeit empfängt.“

Wie schafft man eine dermaßen hohe Auslastung? Ohne Marketing gehe das nicht, räumt Hettegger ein. Darum präsentiert er sein Haus seit vielen Jahren regelmäßig auf Tourismus-, Fach- und Publikumsmessen. „Pro Jahr kommen wir auf etwa 15 Messen. Dort präsentieren wir uns mit einer 300 Quadratmeter großen Almhütte und bieten vor Ort regionale Speisen an wie Schweinsbraten oder Kasnocken. So sollen Messebesucher schon vor Ort kulinarisch auf das Großarltal Gusto bekommen. Dazu präsentieren wir attraktive Angebote zum Kennenlernen unseres Hauses. Am wichtigsten ist inzwischen aber der Online-Bereich, auf den zwei Drittel unserer Werbung entfallen. Im Winter setzen wir natürlich auf Skifahrer, im Sommer hauptsächlich auf Wanderer und Familien mit kleineren Kindern.” Ergänzt wird das Angebot um einen großzügigen Wellness-Bereich im Haus. 
Bei 80 Prozent Jahresauslastung eines Vier-Sterne-Superior-Hotels drängt sich die Frage auf, ob das nicht auf Kosten des Preises geht. Hettegger winkt ab: „Die durchschnittlichen Tagesausgaben unserer Hotelgäste liegen bei 120 Euro – ohne À-la-carte-Umsätze. Der Jahresumsatz lag zuletzt bei elf Millionen Euro. Im Durchschnitt bleiben unsere Gäste 4,2 Tage.“ 

Nicht auf Kosten des Preises

Die Erfolge seien nur möglich, weil die gesamte Familie mit vollem Engagement mitarbeite, betont Peter Hettegger. „Unser Betrieb ist ein einer Dachgesellschaft organisiert. Die Mehrheit ist in Händen einer Privatstiftung mit meiner Person als Mehrheitseigentümer. Alle meine Brüder arbeiten im Betrieb mit. Ich selbst bin für die Bereiche Investitionen und Finanzierung verantwortlich.“ 

Trotz der Erfolge sieht der Großhotelier die Branche künftig noch mehr gefordert: „Beim eklatanten Personalmangel wäre es wichtig, Maturanten oder Schulabbrecher für eine Lehre in einem Tourismusberuf zu gewinnen. Aktuell ist da eine verkürzte Lehre für Maturanten geplant“, sagt Hettegger.

Einheimische Eigentümer

„Was den Winter betrifft, müssen wir verhindern, dass die kleinen, stadtnahen Skigebiete sterben. Sie sind die Basis für den Skifahrer-Nachwuchs der Zukunft. Die Eigentümerstrukturen der Tourismusbetriebe müssen mehrheitlich bei den Einheimischen bleiben. Das ist eine wesentliche Voraussetzung für eine positive Einstellung der Einheimischen zum Tourismus. Viele junge Leute stehen der Branche ohnehin kritisch gegenüber.“ 

Betrieb wird derzeit erweitert

Es wären nicht die Hetteggers, würden sie nicht schon wieder zu neuen Ufern aufbrechen: Derzeit wird das Hotel erweitert, weshalb in der laufenden Wintersaison nur Teile davon in Betrieb sind. Stolze 37 Millionen Euro werden in fünf weitere Stockwerke investiert. Kernstücke sind 35 neue Suiten, ein neuer großzügiger Spa-Bereich samt Outdoor-Sportbecken sowie ein Infinity-Pool im siebenten Stock. Geplanter Eröffnungstermin für das neue Haus ist der 4. Juli 2019. 
www.edelweiss-grossarl.com

Autor/in:
Gerhard Reiter
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