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Essen und nicht rauchen

13.09.2004

Der Fachverband Gastronomie trifft mit dem Gesundheitsministerium eine freiwillige Vereinbarung zur schrittweisen Einführung von Nichtraucher- und Raucherbereichen in Speiselokalen.

Gesetzliche Zwangsregelungen oder überhaupt generelle Rauchverbote wie in Irland, Norwegen oder Schweden halten wir für nicht zielführend und wollen solche daher unbedingt vermeiden“, sagt Komm.-Rat Helmut Hinterleitner, Obmann des Fachverbands Gastronomie.
Um den Kampf gegen das Rauchen dennoch zu unterstützen, hat die Interessenvertretung nach einem freiwilligen Modell gesucht. Dazu wurden zunächst die Hauptbetroffenen selbst, nämlich die Gäste der Gastronomie, im Rahmen einer Studie über ihre Wünsche in Sachen Rauchen oder Nichtrauchen befragt. Dabei haben sich folgende Kernaussagen heraus kristallisiert:
Im Schnitt fühlt sich ein Drittel der Gäste durch verrauchte Luft sehr stark gestört, das gilt selbst für 11,2 Prozent der Raucher. Andererseits geben nur 18,4 Prozent der befragten Gäste an, dass sie sich durch das Rauchen anderer Personen im Lokal stark gestört fühlen. Die Beeinträchtigung durch Tabakgeruch steht zudem in engem Zusammenhang mit dem Lokaltyp. So wird das Rauchen mit Abstand am störendsten in Speiselokalen empfunden. Befragt nach Möglichkeiten zur Abhilfe, sehen nur 5,3 Prozent der Befragten in einem totalen Rauchverbot den richtigen Ansatz. Viel besser eingestuft wird die Schaffung von Nichtraucherbereichen sowie eine funktionierende Lüftung.
Ausgerüstet mit diesen statistischen Resultaten suchte der Fachverband das Gespräch mit Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat. Mit ihr wurde eine freiwillige Selbstverpflichtung der Branche vereinbart. Demnach sollen in drei Stufen bis Ende 2006 in 90 Prozent aller Speiselokale Nichtraucherbereiche in Form von Nichtraucherzonen bzw. – je nach räumlicher Möglichkeit – auch getrennte Nichtraucherräume geschaffen werden. Kleine Betriebe mit einem Speisebereich von unter 75 m2 sind davon ausgenommen, da hier eine Abtrennung nicht zum gewünschten Ergebnis führt. Bei derzeit rund 55.000 Gastronomie-Konzessionen bleiben damit ca. 26.000 Betriebe von der Branchenregelung ausgenommen.
Für die übrigen wird der Fachverband im Herbst mit einer Kampagne zur verstärkten Einrichtung von Nichtraucherbereichen beginnen.
Rauchfreie Zone
Ein ganzes Maßnahmenbündel soll zur Einrichtung von separaten Nichtraucherbereichen führen:
• Aufklärung der Mitgliedsbetriebe – Identifizierung von best-practice-Modellen – Erklärung der Vorteile des Systems einer freiwilligen Selbstbeschränkung
• Entwickeln und Implementieren von effektiven Belüftungsstandards
• Organisieren von Beratungsaktionen für die Betriebe
• Schaffung eines standardisierten Beschilderungssystems, Zurverfügungstellung von Beschilderungsmaterial
• Entwicklung von praktischen Leitfäden und Arbeitsbehelfen für die Betriebe
Die Einrichtung eines Nichtraucherbereichs soll in allen Speisebetrieben (das sind Gasthäuser, Gasthöfe, Restaurants, Bahnhofsgaststätten, Café-Restaurants, Café-Konditoreien mit Gastgewerbeberechtigung und Eisbetriebe, jeweils mit mehr als 75 m2 Gastraum) erfolgen und mindestens 40 Prozent der für die Verabreichung von Speisen vorgesehenen Sitzplätze betragen.
Von Seiten des Gesundheitsministeriums wird auf eine gesetzliche Reglementierung des Nichtraucherschutzes im Gastgewerbe verzichtet, sofern auf freiwilliger Basis zumindest folgende Schwellenwerte erreicht werden:
30 Prozent bis zum 31.12.04
60 Prozent bis zum 31.12.05
90 Prozent bis zum 31.12.06
Der Fachverband wird zu den Stichtagen im Rahmen seiner Strukturdatenerhebung eine Abfrage bei seinen Mitgiedsbetrieben durchführen.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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