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Bedrohliche Idylle?

Euphorische Stimmung hat Dämpfer bekommen

10.01.2019

Wie steht die Branche aktuell da? Auf dem Neujahrsempfang der Bundessparte Tourismus- und Freizeitwirtschaft wurden unterschiedliche Signale ausgesendet. Das Schneechaos bleibt nicht folgenlos.

Wie jedes Jahr präsentierte David Pfarrhofer vom Market Institut seine aktuelle Umfrage zur touristischen Stimmungslage – sowohl in der Bevölkerung wie bei den Betrieben. Die Umfrage fand im Zeitraum Ende November bis Mitte Dezember statt – also noch vor Einbruch der heftigen Schneestürme.

Bevölkerung positiv gestimmt

Die Bevölkerung ist bezüglich der wirtschaftlichen Prognose für 2019 zwar weniger euphorisch als noch für 2018, das sich ja dann wirklich als ausgesprochen gutes Jahr entpuppt hat. Aber man geht mit Zweidrittelmehrheit immerhin davon aus, dass man das hohe Niveau von 2018 halten kann. Dabei wird der Tourismus von der Bevölkerung nach Handwerk und Gewerbe nach wie vor als wichtigste Triebfeder für den wirtschaftlichen Erfolg gesehen – besonders in den westlichen Bundesländern, also den (Winter-)Tourismushochburgen. Wie auch in den letzten Jahren gaben rund ein Drittel der Österreicher an, selbst einen Winterurlaub zu planen. Besonders erfreulich ist, dass Winterurlaub auch für die Unterdreißigjährigen beliebt ist. Österreich wird von der Bevölkerung als sehr attraktive Winterdestination gesehen mit schöner Landschaft, exzellenter technischer Ausstattung der Skigebiete sowie hoher Qualität bei Speisen und Getränken.

Auch die touristischen Betriebe gehen im Fünfjahresvergleich von einer positiven Entwicklung aus: Für knapp Zweidrittel ist der Tourismusstandort Österreich heute noch attraktiver als vor fünf Jahren. Pfarrhofer spricht von einer „Überholspur“, auf der sich die Betriebe nach eigener Einschätzung befänden. Und das gelte durchgehend von großen bis zu kleinen Betrieben. Der Sommer ist aus Sicht der Betriebe sehr gut gelaufen, auch die Prognose für den Winter war bis Mitte Dezember noch sehr positiv.

Kurzfristige Dämpfer

Das hat sich aber mittlerweile angesichts der Wetterkapriolen und der überwiegend kritischen, teilweise alarmistischen Berichterstattung über Lawinen und unerreichbare Tourismusorte vor allen in ausländischen Medien leider geändert. Laut Obfrau Petra Nocker-Schwarzenbacher ist es in der ersten Jännerwoche, also der für den Wintertourismus wichtigsten Woche, zu 15% Stornierungen oder Umbuchungen gekommen. „Die Situation ist herausfordernd“, sagt sie. Lawinensprengungen, Hubschraubereinsätze, gesperrte Straßen, die nur stundenweise geöffnet werden können, das ist alles einem erholsamen Urlaubserlebnis nicht eben dienlich. Andererseits bedeuteten die meterhohen Schneemassen für viele Urlauber auch ein „einmaliges Erlebnis“ und die Prognosen für die laufende Saison würden ein „perfektes Schneeerlebnis“ versprechen. Der viele Schnee sei grundsätzlich auch kein Problem, damit könnten die Seilbahngesellschaften umgehen, problematischer sei der starke Wind.

Besonders kritisch sei ein Rückgang von 50% bei den kurzfristigen Buchungsanfragen. Tagesgäste und Wochenendausflügler blieben aus. „Jeder schaut aufs Wetter – die Häuser bleiben de facto leer.“ "Die Liftbetreiber und Skihütten haben heuer sicher einen Verlust", schätzt Nocker-Schwarzenbacher. Sie rechnet mit einem Umsatzminus von 20 Prozent. "Das ist ganz schwer aufzuholen." Immerhin hätten nicht alle gleich storniert, sondern ihren Urlaub auf März oder April, manche auch aufs kommende Jahr verschoben.

Kein Nächtigungsplus mehr erwartet

Aber die Hoffnung auf ein Nächtigungsplus kann man mittlerweile wohl abschreiben. "Wenn wir gleich abschneiden wie im abgelaufenen Jahr, dann sind wir eigentlich recht zufrieden", meinte Nocker-Schwarzenbacher. Die Buchungen für den Februar und den sonst schwachen März hätten zwar in den vergangenen Tagen angezogen, aber das werde letzten Endes nicht reichen. Für das betriebliche Ergebnis werde heuer "bestimmt ein enorm herausforderndes Jahr - da sind wir sicher im Minus.“ Und die Schneefälle halten weiter an.

Schwächelnde Investitionsbereitschaft, weniger Betriebsübernahmen

Solche Unwägbarkeiten – in anderen Jahren hatten wir ja eher zu wenig Schnee oder verregnete Sommer – führen vielleicht auch dazu, dass immer weniger junge Leute sich eine Betriebsübernahme vorstellen können. Nur noch 8 Prozent der befragten Betriebe schätzen eine Betriebsübergabe bei der nachfolgenden Generation als „sehr attraktiv“ ein, jeder Zweite hält sie für „nicht attraktiv“. Gründe für die skeptische Jugend: zu viele Bürokratie, akuter Mitarbeitermangel, hohe Steuerbelastung, zu wenig Freizeit, ein ungewisser finanzieller Erfolg mit dem Familienbetrieb. Das sind alarmierende Signale. „Wir müssen unsere Rahmenbedingungen attraktiver gestalten,“ sagt Nocker-Schwarzenbacher. „Um unsere Tradition der familiengeführten Hotellerie und Gastronomie fortsetzen zu können.“

Auch die Investitionen hinken im Vergleich zur Gesamtwirtschaft im Tourismus leicht hinterher. Rund die Hälfte der Betriebe, bei kleineren Betrieben mit wenigen Angestellten sind es sogar 56 Prozent, geben an momentan nicht aktiv in die Attraktivität ihrer Betriebe zu investieren. Das sei aber in anderen Branchen genauso beziehungsweise noch weniger ausgeprägt, sagte David Pfarrhofer auf Nachfrage. Er sieht das Glas deshalb mit 50 Prozent Betrieben im Tourismus, die investieren oder investieren wollen, eindeutig „halbvoll“.

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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