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Explodierende Preise

04.04.2008

Der Tourismus leidet unter einer Kostenlawine – Sparten-Obmann Hans Schenner: „Hotel- und Gastgewerbe sind von den jüngsten Teuerungen besonders stark betroffen“.

Die Umsatzzahlen in Gastronomie und Tourismus sind in letzter Zeit zwar erfreulich, doch trotz dieser positiven Meldungen gibt es Anlass zur Sorge. Denn „Umsatz ist nicht gleich Gewinn“, wie der Obmann der Bundessparte Tourismus der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) jüngst im Zuge eines Pressegespräches ausführte. Grund für diese Skepsis sind die jüngst stark gestiegenen Kosten, die vor allem die Tourismusbetriebe schwer belasten.
Eine von der WKÖ beim Institut für Höhere Studien in Auftrag gegebene Studie hat jetzt konkrete Zahlen zu diesem Problem geliefert: „Während die Preise für touristische Leistungen wie Nächtigung, Speisen oder Getränke von 2005 bis 2007 im Schnitt um 4,9 Prozent linear gestiegen sind, wurden unsere Betriebe im selben Zeitraum durch eine überproportionale Preissteigerung von durchschnittlich 7,1 Prozent belastet“, klagte Schenner.

Schere geht auseinander
Betrachtet man die Werte im Jänner 2008, so seien die Unterschiede zwischen Kosten und Preisen im Hotel- und Gastgewerbe noch größer geworden. Denn während sich die Preise im Vergleich zu 2005 um 7,3 Prozent erhöht hätten, stieg im gleichen Zeitraum der Gesamtkostenindex der Vorleistungen plus Investitionen um 11,9 Prozent und der Index aus den vier wichtigsten Teilindices (Landwirtschaft, Nahrungsmittel und Getränke; sonstige Dienstleistungen; Bauarbeiten; Heizkosten) gar um 15,67 Prozent.
Auch dürfe man nicht außer Acht lassen, dass die Tourismusbranche stark von Investitionen abhängig und daher von Zinssteigerungen (plus 1,5 Prozent seit 2005) besonders betroffen sei. Schenner: „Jeder zusätzliche Prozentpunkt an Zinsen bedeutet eine Zusatzbelastung von 100 Millionen Euro für die Branche.“

Gastronomen im Dilemma
Die von der Teuerungswelle betroffenen Gastronomen sieht der Spartenobmann in einer Zwickmühle. Denn die Preiserhöhungen 1:1 weiterzugeben, sei in vielen Fällen nur schwer möglich. Er selber traue sich etwa nicht, den Preis für ein Krügel Bier über die magische Drei-Euro-Schwelle anzuheben. Und auch in der klassischen Ferienhotellerie hätten viele Hoteliers aus Angst vor verärgerten Gästen bereits seit Jahren ihre Preise nicht erhöht. Schenner: „Idealerweise wird man versuchen, Einsparungsmöglichkeiten zu finden.“ Gerade auf dem Energiesektor seien derzeit bei vielen Betrieben diesbezügliche Möglichkeiten vorhanden.

Steigende Lohnkosten
Ein weiterer, nicht zu vernachlässigender Punkt seien die steigenden Lohnkosten. Immerhin seien die Löhne in der Hotellerie für rund 30 Prozent der Kosten verantwortlich, in der Gastronomie schätzte Schenner den Antail gar auf bis zu 50 Prozent. „Natürlich haben sich auch unsere Mitarbeiter eine Lohnerhöhung verdient, aber realistischerweise ist es nötig, die demnächst anstehenden Kollektivertrags-Verhandlungen im Licht dieser jüngsten Entwicklung zu sehen“, meinte Schenner an die Adresse von Gewerkschaftsboss Rudolf Kaske. „Eine Erhöhung von drei Prozent oder mehr kann ich mir im Moment beim besten Willen nicht vorstellen. Sobald eine ‚2‘ vor dem Komma steht, schließen wir sofort ab.“

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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