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Fachkräfte: Ob sie auch kommen, die Russen?

24.01.2018

Mit der Regionalisierung der Mangelberufsliste soll das Dauerproblem Fachkräftemangel gelöst werden. Gut. Aber sind wrklich so viele qualifizierte Kräfte in Drittstaaten zu rekrutieren? Die Antwort heißt: keine Ahnung! 

Endlich kommt sie also, die Regionalisierung der Mangelberufsliste! Sprich, Nicht-EU-Ausländer sollen in Westösterreich die Lücke von Köchen oder Kellnern füllen. Sind mit der Erfüllung dieser langen Forderung der Branche nun alle Personalprobleme mit einem Schlag gelöst? Ich habe meine Zweifel.  

Dazu eine Anekdote. Ich war noch klassischer Wirtschaftsjournalist, als mich die ÖGZ vor rund fünf Jahren bat, eine Reportage aus Spanien zu schreiben. Zum Höhepunkt der Krise herrschte dort Massenarbeitslosigkeit. Auf Initiative der Hogast machte sich also eine Gruppe Hoteliers auf nach Barcelona, um dort Fachkräfte für den Winter zu rekrutieren. Das damalige Ergebnis: ernüchternd. Kaum Bewerber, und jenen, die kamen, fehlte es oft an Qualifikationen – in erster Linie Sprachkenntnissen. 

Ich stelle mir also die Frage: Wie viele geeignete und mobile Köche oder Kellner gibt es denn in Russland oder der Türkei für den heimischen Markt? Was sagen die Experten des AMS? Sie können mir ebenso wenig eine Einschätzung geben wie der Fachverband der Wirtschaftskammer. Man hoffe, dass die Arbeitskräfte ebenso zahlreich kommen wie zuletzt die Touristen, sagt man dort. Das klingt eher nach Kaffeesud oder Wunschträumen. Gut, noch eine Chance. Die Freiheitliche Wirtschaft warf per Aussendung der Gewerkschaft und SPÖ „Realitätsverweigerung“ vor. Die müssen doch zumindest über eine Prognose der künftigen Realität verfügen? Doch auch hier: Fehlanzeige.

 Um am Arbeitsmarkt das Ruder rumzureißen, braucht es letztlich mehr als neue Listen – auch wenn diese ein bisschen was bringen werden. Die Gewerkschaft hat recht damit, dass die Arbeitsumfelder attraktiver werden müssen. Zur SPÖ: Die verheddert sich gerade. Die Warnung vor einer Massenmigration auf dem Jobmarkt scheint ideologisch fragwürdig und faktisch nicht haltbar. Es werden keine 150.000 Menschen kommen. Und man hatte sogar den Eindruck, dass der ehemalige Konzernmanager Christian Kern nicht recht an seine Worte glaubte, als er im ZiB-Studio vor der Arbeitsmarkt-Überflutung warnte.  

Autor/in:
Daniel Nutz
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