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Familienfreundlichkeit auf dem Prüfstand

19.08.2009

Mit seinem vielseitigen landschaftlichen und kulturellen Angebot punktet Österreich als attraktives Familienurlaubsland für jeden Geschmack. Österreichische Touristiker verkaufen jedoch viel zu oft durchschnittliches Service als familienfreundliches Spezialangebot.

"Familienfreundlichkeit umfasst zahlreiche Aspekte wie Sicherheit,
die ausgezeichnete, flächendeckende ärztliche Versorgung, dem Alter
entsprechende kurze Anreisedauer, kindgerechte Ausstattung der
Betriebe, wie Aufwärmmöglichkeiten von Babynahrung oder
Babysitterservice - um nur einige zu nennen" so Susanne Forsthuber,
Familienspezialistin der con.os tourismus.consulting. "Österreich hat
bereits einiges unternommen um sich als Familienurlaubsland zu
präsentieren. Es besteht dennoch deutlicher Handlungsbedarf, die
Tourismus- und Freizeitunternehmen müssen noch stärker auf die
unterschiedlichen Bedürfnisse der kleinen Gäste eingehen."

Auf die richtige Umsetzung kommt es an

"Einige Betriebe haben sich auf gesunde Ernährung spezialisiert
und achten ganz besonders auf die kulinarischen Bedürfnisse der
Kinder", so Forsthuber. Vor allem die relativ kurze An- und
Abreisedauer ist perfekt für Familien mit Kindern, die meisten
Urlaubsorte sind auch bequem mit der Bahn erreichbar.
Kinderwagengerechte Spazierwege, Erlebnisspielplätze, speziell auf
Kinder zugeschnittene Führungen mit entsprechend geschultem Personal
werden in Österreich immer öfter angeboten. Der Museumsbesuch mit
Kindern muss nicht mit Nörgeln, Quengeln und Gejammer verbunden sein.
Internationale Beispiele wie das Vasa Museum in Stockholm oder das
Jüdische Museum Amsterdam beweisen den Erfolg kindergerecht
konzipierter Ausstellungen und Erlebnisbereiche. Dennoch sollten sich
familienfreundliche Destinationen überlegen, welche konkreten
Angebote hinter Begriffen wie familienfreundliche Skigebiete,
Familienradwege und Familienwanderungen stecken. Forsthuber: "Viele
touristische Angebote und Freizeiteinrichtungen beanspruchen für sich
familienfreundlich zu sein, dabei fehlt oft die professionelle
Auseinandersetzung mit der Thematik."

Größeres Augenmerk auf heimische Gäste legen

"Alleinerziehende Elternteile würden gerne ihren Urlaub in
Österreich verbringen" so Forsthuber. Der Fokus hinsichtlich
Marketing- und Werbeaktivitäten liegt nach wie vor sehr stark auf den
internationalen Märkten, die heimischen Gäste werden oft vergessen.
Forsthuber: "Touristiker sollten eine authentische, thematische
Leitfigur aufbauen, familienfreundliche Problemlösungen bis in Detail
überlegen und zielgruppengerechte Packages entwickeln." Vermischungen
der Zielgruppen, All-Extra-Angebote und fehlende Rückzugsbereiche für
die Eltern der Kinder sollten endlich der Vergangenheit angehören.

Tipps für erfolgreiche Familiendestinationen

Um die professionelle Auseinandersetzung mit dem Thema
Familienfreundlichkeit zu erleichtern, liefert der unten stehende
Schnell-Check einen ersten Einstieg.

Erfolgsregeln:
- Aufbau einer thematische Leit- bzw. Begleitfigur, die einen
authentischen Bezug zum Betrieb oder zum Ausflugsziel herstellt.
- Familienfreundliche Problemlösungen bis in Details überlegen und
sowohl im Software als auch Hardwarebereich anbieten. Dazu zählen
u.a. auf Kinder geschultes Personal, Wickeltische auch mit
Feuchttüchern und geruchsresistenten Mülleimern, als Betthupferl
keine "Gummibärchen" sondern "Gute-Nacht-Geschichten-Heft etc.
- Entwicklung zielgruppengerechter Packages wie z.B. Angebote für
Single-Eltern, Oma-Opa-Urlaub etc.
- Versprechungen einhalten!

Vermeiden Sie:
- Vermischen der Zielgruppen: ein Bikerhotel mit zahlreichen
Motorradfahrern als Gästen kann nicht gleichzeitig
familienfreundlich sein!
- All extra: Familien erwarten sich gewisse Angebote "all inclusive"
- Kinder in allen Bereichen integrieren - Eltern/Erwachsene
wünschen auch Rückzugs- & Ruhebereiche (genauso wie Kinder)

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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