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Ferien für Millionen

15.04.2004

2005 werden zu den Semesterferien 22 Millionen Deutsche, zahlreiche Holländer und Belgier sowie der Osten Österreichs gemeinsam urlauben. Der Tourismuswirtschaft entgehen dadurch aber Millionen an Euro.

Die Ferienregelung für Ostösterreich soll laut Meinung der zuständigen Landesschulräte aufrecht bleiben. Wie es aussieht, werden somit in der zweiten Februarwoche deutsche, holländische, belgische, niederösterreichische und Wiener (Schi-)Urlauber um die heimischen Quartiere rittern.
Dagegen formiert sich immer größerer Widerstand von Seiten der Tourismuswirtschaft, die einen Millionenverlust befürchtet, ganz zu schweigen vom langfristigen Imageschaden, der unserem Land dadurch ins Haus stehen würde.
„Unsere Betriebe stehen bereits jetzt vor dem massiven Problem, dass sie entweder Gästen aus Deutschland oder aus Wien und Niederösterreich für Februar 2005 absagen müssen und diese damit nachhaltig verärgern“, meint dazu ÖHV-Präsident Sepp Schellhorn.

Skigebiet amade rechnet mit Millionenverlust
Der Präsident des Skigebiets amade, Bernd Bürgl, rechnet mit einem Umsatzverlust von fünf Millionen Euro, die allein die 270 Seilbahngesellschaften zu tragen hätten. „Für die Beherbergungsbetriebe unserer Region macht dieser Verlust 30 Millionen Euro aus“, prophezeite Bürgl: „Von vier starken Februarwochen verlieren wir eine.“ Die Zimmervermieter stünden jetzt vor dem Problem, aufgrund des geballten Gästeansturms Stammkunden wieder ausladen zu müssen. Die Folge: „Verärgerte Urlauber werden ins Ausland ausweichen“, meinte der Präsident. Der negative Effekt, der daraus entstehe, würde der Gastronomie im Skigebiet amade in den nächsten fünf Jahren „in Summe einen Verlust von 60 Millionen Euro bringen, den Bergbahnen von amade 10 Millionen Euro“, schätzte Bürgl.
Durch die Ferienordnung würde der Tourismus, der 30 Prozent des Brutto-Inlandsproduktes ausmache, im nächsten Winter in Salzburg einen Wertschöpfungsverlust von 1,2 Prozent erleiden. Dadurch ginge allein schon der Effekt der Steuerreform verloren, betonte Bürgl. Die Impulsprogramme der Salzburger Landesregierung würden weniger ins Gewicht fallen als diese Ferienordnung. Bürgl appellierte an die Politiker, diese Regelung noch einmal zu überdenken.

Johann Schenner, Bundesspartenobmann für Tourismus und Freizeitwirtschaft in der WKO, gibt zu Bedenken, dass außer dem Schaden für die Tourismuswirtschaft auch noch ein weiterer volkswirtschaftlicher dazu kommen könnte: „Gehen in Mitteleuropa so viele Menschen gleichzeitig auf Urlaub, ist damit zu rechnen, dass aufgrund des Quartiermangels massiv ins Ausland ausgewichen wird. Die typischen Winter-Flugdestinationen, wie die Kanarischen, griechischen und türkischen Inseln, werden durch die gesteigerte Nachfrage zu Hauptsaisonpreisen anbieten“, Viel mehr Geld würde somit ins Ausland fließen. Schenner möchte daher dieses Thema auch bei der nächsten Landeshauptleutekonferenz auf die Tagesordnung bringen.

Einbußen bei der Urlaubsqualität sind unvermeidbar
Die Konzentration der Urlaubszeiten wird einen Verkehrskollaps bei der An- und Abreise sowie überfüllte Freizeit- und touristische Einrichtungen (wie Pisten, Liftanlagen oder Schischulen) in den Urlaubsregionen mit sich bringen. Die einzelnen touristischen Anbieter werden aufgrund des geballten Ansturms ihre gewohnte Servicequalität nicht halten können, der Erholungswert für die Familien wird dadurch stark beeinträchtigt. „Wir möchten, dass sich unsere Gäste wohlfühlen und abschalten können, was bei einer so hohen Urlauberkonzentration schwierig wird“, so ÖHV-Präsident Sepp Schellhorn. „Die Schüler, die sich diese Ferien verdient haben und die Zeit mit ihren Eltern verbringen möchten, werden durch eine kurzsichtige Aktion bestraft.“ Neben Einbußen bei Urlaubsqualität und Erholung drohe nämlich die Situation, dass viele potenzielle Gäste gar nicht auf Urlaub fahren können. „Weil sie schlicht und einfach kein Quartier bekommen“, sagt Schellhorn. Die Kapazitäten seien beschränkt und für einen derartigen Urlauberansturm nicht ausreichend: „Man nimmt einerseits vielen Familien die Möglichkeit der Erholung, andererseits uns Hoteliers ohne erkennbaren Grund eine Woche Umsätze weg, und das im Februar, wo uns das doppelt schmerzt.“ Schließlich trägt dieser Monat zum gesamten Winterergebnis rund 25 Prozent bei.
Die ÖHV hat die zuständige Bildungsministerin bereits vor einiger Zeit auf diesen Umstand aufmerksam gemacht. Zusätzlich hat sich der überwiegende Teil der 1.000 ÖHV-Mitgliedsbetriebe mit einem Schreiben an die Ministerin gewandt, um zu unterstreichen, wie drängend das Problem für die heimische Hotellerie ist. „Wir hoffen, dass die stichhaltigen Argumente der Betriebe, die um das mühevoll aufgebaute Image Österreichs als Qualitätsurlaubsland fürchten, noch Berücksichtigung finden“, sagt der ÖHV-Präsident.

Ruf nach einheitlicher Ferienordnung
„Ob im letzten Sommer oder diesen Winter – wir hier in Österreich haben schon einen Vorgeschmack darauf bekommen, was es bedeutet, wenn Teile Österreichs, mehrere deutsche Bundesländer und andere europäische Staaten zeitgleich Ferien haben“, erklärt der Vorsitzende der Gewerkschaft Hotel, Gastgewerbe, Persönlicher Dienst (HGPD), Rudolf Kaske. Kaske weiter: „Staus auf allen Autobahnen und überfüllte Hotels sind die Folge. Eine Woche später stehen dann oft ganze Tourismusbetriebe fast leer.“ Bei einem Treffen österreichischer, Schweizer und Deutscher Tourismusgewerkschafter wurde auch die aktuelle Ferienordnung in den einzelnen Ländern heftig diskutiert und kritisiert.
„Eine koordinierte Vorgangsweise ist notwendig, damit wir nicht alle unter der erhöhten Umweltbelastung durch Staus auf den Anreiserouten und überlasteten Tourismuszentren leiden“, fordert Kaske und freut sich, dass auch SPD-Tourismussprecherin Brunhilde Irber und der Generalsekretär der europäischen Tourismusgewerkschaft, Harald Wiedenhofer, ihre Unterstützung zugesagt haben. Die Bundestagsabgeordnete Irber versprach demnächst mit ihren französischen Amtskollegen und Wiedenhofer auch in Brüssel aktiv zu werden. HGPD-Vorsitzender Kaske dazu: „Nur wenn wir hier alle in der EU an einem Strang ziehen, können wir vermeiden, dass die Urlauber künftig entnervt von Stau und Chaos Erholung und Urlaub in anderen Regionen suchen.“

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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