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Die Kombattanten unserer Rosé-Verkostung inklusiver dreier Rosé-Sekte.

Fifty Shades of Rosé

06.06.2017

Von wegen „Nebenprodukt“ – immer mehr rote Rebsorten werden zum Rosé verarbeitet. Die Nachfrage nach dem gastronomischen Sommerhit beflügelt auch die Winzer-Experimente.

Roland Graf, Franz Haslinger, Erhard Ruthner und Hausherr Wolfgang Prechtl beim Verkosten im Café Einfahrt am Karmelitermarkt.
Das Koster-Quartett

Wie kommen die umseitig stehenden Bewertungen zustande? Die ÖGZ lud Österreichs Winzer und Importeure ein, kostenpflichtig ihre Muster einzureichen. Diesmal geht es um Roséweine und Rosésekte sowie heimische und internationale Wodkas. Dieser Querschnitt durch den Markt wurde in aufsteigender Reihenfolge nach Alkohol und Gruppen aufgeteilt verkostet, um die jeweils Besten der Kategorie zu ermitteln.

Gemeinsam mit ÖGZ-Autor ­Roland Graf (2. v. r. oben im Bild) verkosteten für diese Ausgabe am Karmelitermarkt in Wien im „Café Einfahrt“ der Hausherr Wolfgang Prechtl (2. v. l.), Franz Haslinger („Weinschenke“, l.) und Erhard Ruthner (http://raise-your-spirits.at/). Alle Proben wurden selbstverständlich verdeckt eingeschenkt und unabhängig bewertet. Die Summe dieser vier individuellen Einschätzungen ergab die jeweiligen Kategorie-Sieger und damit die Träger des ÖGZ-Gütesiegels 2017 in Gold.

Es hat länger gedauert, so lange, dass viele vom herbeigeschriebenen Trend unkten. Doch mittlerweile scheint die Beliebtheit des Rosés nicht mehr zu stoppen zu sein. Der „zugängliche, leicht konsumierbare Wein für junge Kunden“, wie es Guillaume Deglise nennt, wird sogar noch weiter zulegen. Laut Untersuchungen des Direktors der weltgrößten Wein-Messe „Vinexpo“ in Bordeaux sind es satte sechs Prozent Wachstum, die für den rosafarbenen Wein bis 2020 weltweit erwartet werden. Und dieser Trend gilt auch in Österreich. Hier wuchs der Rosé-Anteil im Lebensmittelhandel allein in den letzten fünf Jahren um satte zehn Prozent. Was also ist dran an den lachsrosa Weinen?

Zunächst einmal hat sich der Zugang der Winzer selbst geändert. Denn klassischerweise war der Rosé hierzulande ein Nebenprodukt, in manchen Jahren sogar so etwas wie ein Notprogramm für Rotwein-Erzeuger. Anders als in den französischen Rosé-Hochburgen wie der Provence gab es den Wein in Österreich oft nur dann, wenn der Jahrgang nicht mitspielte. Statt in regnerisch-kühlen Jahren einen physiologisch nicht reifen Rotwein abzufüllen, entschied man sich dann für den Rosé. 

Den Rotwein zur Ader lassen

Wobei es auch für dieses Nebenprodukt zwei Varianten gibt. Entweder vergärt man blaue Trauben wie einen Weißwein und laugt nur wenig Farbe bei kurzer Maischestandzeit aus, was mehr und mehr auch in Österreich gemacht wird. Aus diesem Grund sprach man früher auch vom „Gleichgepressten“, da der Wein schon nach kurzer Zeit auf der Maische abgepresst wurde. Noch heller wäre allenfalls ein „Weißgepresster“, also ein Wein aus roten Trauben, der überhaupt keine rötliche Farbauslaugung mitbringt. Auch das wurde in den letzten Jahren wieder häufiger gesehen. Zumal Leichtigkeit und Würze des zarten Gerbstoffs sich zur sommerlichen Küche in dieser Variante gut machen. 

Anstelle dieser Variante wäre aber auch ein Rosé möglich, der per „Aderlass“ gewonnen wird, wie man den französischen Fachbegriff „Saignée“ übersetzen kann. Dabei wird ein 10- bis 15%-iger Anteil der Rotweinmaische abgepumpt, was ursprünglich dem verbleibenden Wein helfen sollte. Denn das größere Verhältnis von Beerenanteil zu Flüssigkeit konzentrierte neben der Farbe auch den Geschmack des späteren Roten. Der Rosé selbst war dabei ein Nebenprodukt, das zu schade war, um es nicht auch zu trinken.

Da die Farbe des aus roten Rebsorten gewonnenen Weins aus den Pigmenten der Traubenschalen stammt, variiert auch seine Färbung von einem fast an Weißweine erinnernden hellen Rosa-Schimmer bis zu sattem Erdbeer-Rot. Am vertrautesten ist dem österreichischen Konsumenten dieses Phänomen vom Schilcher. Denn auch die steirische Spezialität stellt nichts anderes dar als einen Rosé. Er wird als (gar nicht so) blasse Version des Roten Wildbachers, wie die dahinterstehende Traube heißt, gepresst. Doch auch andere Rotwein-Sorten eignen sich bestens, wobei sich Zweigelt, Blaufränkisch, Pinot Noir oder Cabernet dann durchaus auch in Blends wiederfinden. Denn wie bei einer Cuvée bringt jede Sorte ihren Charakter ein, um einen im Idealfall würzigen, leichten und vor allem trinkfreudigen Rosé zu erhalten.

Die neue Beliebtheit der hellen Rotweine hat auch eine gewisse Experimentierfreudigkeit bei den Winzern entstehen lassen. Im Holzfass gereifter und mit entsprechender Reife erst später lancierter Rosé ist eine neue Entwicklung. Allerdings eine, die mit der Domäne Wachau (NÖ), der RoSée-Winery aus Jois (Burgenland) und dem Newcomer Domaine Kilger (Steiermark) – um nur einige zu nennen – an Bedeutung gewinnt. „Abseits üblicher fröhlich-lustiger Sommer-Rosés“ wollte sich etwa Roman Horvath bewusst positionieren, als im Vorjahr erstmalig der im 500-Liter-Fass-gereifte „1805“ von der Domäne Wachau gefüllt wurde.

Auch in prickelnder Form

Dennoch stellt die warme Jahreszeit die wesentliche Saison dar, in der man „rosa“ trinkt. Das Vorbild ist dabei Südfrankreich, das nicht nur die älteste Herkunftsbezeichnung für Rosé – Tavel ist seit 1936 AOC-Gebiet – besitzt, sondern auch kulinarisch stilbildend war. Nach dem Vorbild der Côte d’Azur wird der leichte Rote zu den sommerlichen Gerichten aufgetragen. Rosé-Namen wie „Corail“ (Côtes de Provence) spielen sogar auf die ideale Speisebegleitung zu Meeresfrüchten wie Garnelen, Langostinos oder Jakobsmuscheln an.

Nur eines ist hierzulande nicht zulässig: Die Mischung von weißem und rotem Wein, mitunter immer noch fälschlich für die „Quelle“ des Rosés gehalten. Diese Kombination bleibt der Champagner-Methode vorbehalten. Und Rosé-Schaumweine waren es ja auch, die viele Konsumenten auf den „rosa“ Geschmack gebracht haben. Die Farbe spielt natürlich eine Rolle als Kaufargument, wobei auch die fruchtigen Sorten, die im Schaumwein Verwendung finden (die Beeren-Note des Pinot Noir!), viele Fans gefunden haben. Und das ganz unabhängig vom Geschlecht des Gastes. Denn Frauenwein ist der Rosé ebenso wenig wie eine vernachlässigbare Größe. Welche heimischen Tropfen das Zeug zum Sommerhit haben, erkostete diesmal das ÖGZ-Quartett – die Sieger im „rosa Trikot“ finden Sie auf den folgenden Seiten.  Weiter auf Seite 19

Autor/in:
Roland Graf
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