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Finanzierungsmodelle für Einrichtungen

25.03.2004

Dr. Edgar Mosser informierte beim diesjährigen Gastrobizz über innovative Finanzierungsmodelle für Gastro-Projekte. Der Zinssatz an sich ist, so Mosser, nicht so wichtig, wie man vielleicht glaubt.

Mit teilweise überraschenden Statements ließ der Vorarlberger Finanzierungsberater Dr. Edgar Mosser beim diesjährigen Gastrobizz in München aufhorchen. Trotzdem sind ihm seriöse Informationen natürlich wichtiger als plakative, aber wenig aussagekräftige Ansagen.

Keine simplen Patentrezepte
Bei Finanzierungen gibt es für Mosser kein Patentrezept. „Das Modell richtet sich nach den Anforderungen des jeweiligen Betriebs. Das Wichtigste ist jedoch bei jeder Finanzierung, dass die laufende Liquidität immer erhalten bleibt. Das ist wesentlich wichtiger als der eine oder andere Zehntelprozentpunkt beim Zinssatz“, so Mosser.
Wenn beim ersten wirtschaftlichen Wellental Liquiditätsprobleme auftauchen, ist man nicht mehr in der Lage, die Konditionen mit der Bank zu verhandeln. „Dann muss man sich als selb-ständiger Unternehmer von Bankbeamten vorschreiben lassen, wie man seinen Betrieb zu führen hat, und das ist wirklich nicht lustig“, schildert Mosser bildhaft, worauf es bei Finanzierungsmodellen ankommt.
„Was ist der Kredit für einen Kreditnehmer?“, fragte Mosser das Publikum und lieferte gleich die Antwort: „Ein Vertrag. Und für die Bank: Eine Absichtserklärung!“
Natürlich braucht man – vor allem wenn größere Investitionen anstehen – einen verlässlichen Bankpartner. Nur sollte man sich seiner Rolle bewusst sein und auch die Rolle des Bankdirektors verstehen: „Wenn einem der Bankdirektor auf die Schultern klopft, müssten eigentlich alle Alarmglocken läuten. Er ist ein Angestellter, der für den Gewinn seines Hauses verantwortlich ist und für nichts anderes. Er hat nichts zu verschenken!“
Gleichzeitig will eine Bank natürlich ein Geschäft machen, und im optimalen Fall ist es ein Geschäft, mit dem beide Seiten, sprich: Bank und Gastronom, zufrieden sind.

Gute Vorbereitung entscheidet
Viel zu viele Gastronomen orientieren sich an den vermeintlichen „Spitzenkonditionen“, von denen der Nachbarwirt so gerne erzählt, anstatt sich darüber den Kopf zu zerbrechen, was sie eigentlich brauchen.
Damit ein Betrieb langfristig erfolgreich bleibt, muss der Unternehmer für eine fortlaufende Liquidität Sorge tragen.
Natürlich kann man den künftigen Geschäftsgang nicht genau vorhersagen, gewisse Prognosen lassen sich vernünftigerweise aber schon treffen.
Dr. Mosser hatte einmal für zwei Betriebe – ein Café und ein Gasthaus – in der gleichen Stadt und praktisch identer Lage Finanzierungsmodelle durchgerechnet. Ein Blick auf die Umsätze der vergangenen Jahre hatte gezeigt, dass das Cafe zwar niedrigere Umsätze hatte, diese aber kaum konjunkturellen oder jahreszeitlichen Schwankungen unterlegen waren. Das Gasthaus hatte zwar höhere Umsätze, diese waren jedoch deutlich stärkeren Schwankungen unterworfen.
Für die Finanzierung bedeutete das, dass man beim Café für die Rückzahlung vergleichsweise höhere monatliche Beträge und eine kürzere Laufzeit wählen konnte als beim, auf den ersten Blick eigentlich umsatzstärkeren, Gasthaus.
Entscheidend ist, sich einmal darüber klar zu werden, was man wirklich braucht. Ein Finanzberater kann dann dabei helfen, am Kapitalmarkt die optimale Lösung zu finden.

Abhängigkeiten verringern
Kreditkosten senken heißt nicht, wegen Details bei den Konditionen die Bank zu wechseln, sondern sein wirtschaftliches Umfeld zu beurteilen. „Der teuerste Kredit ist der, den man eigentlich nicht gebraucht hat. Der billigste Kredit ist der, der auf die eigenen Bedürfnisse maßgeschneidert ist. Was das genau bedeutet, unterscheidet sich von Fall zu Fall“, so Mosser.
Über dies, wie auch über Fragen, ob und wann welcher Fremdwährungskredit empfehlenswert ist, wollte Dr. Mosser seriöserweise keine Aussagen treffen.
„Dies ist ja der Inhalt von Finanzierungsberatungen, wie auch ich sie anbiete“, schloss Mosser schmunzelnd seinen Vortrag.
Zur Person
Dr. Edgar Mosser war u. a. zehn Jahre lang Vorstandsdirektor der Sparkasse Bregenz. Sein Beratungsschwerpunkt liegt auf Fremdwährungskrediten, dem Zinsmanagement und der liquididätsfördenden Finanzstruktur. Finanzservice Dr. Mosser, Vorklostergasse 37, 6900 Bregenz; Tel.: 05574/46 029, 0699/ 111 01546; mosser@gmx.at

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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