Direkt zum Inhalt

Finanzkrise lässt die Preise purzeln

01.10.2008

Ölpreise auf Rekordniveau trieben die Kosten für Langstreckenflüge in der Economy-Klasse im ersten Quartal 2008 noch in die Höhe. Aufgrund des nachlassenden Wirtschaftswachstums sank jedoch im zweitenQuartal die Nachfrage – und mit ihr fielen auch die Flugpreise. Auch imHotelgewerbe sind die Zeiten starker Preiserhöhungen vorerst vorbei.

Wegen des schwachen US-Dollar und der Finanzkrise geben die Übernachtungspreise in Städten wie London, Paris oder Rom bereits deutlich nach. Dies geht aus dem „American Express Business Travel Monitor“ hervor. Die Analyse von Flug- und Hotelpreisen zeigt Trends und Entwicklungen auf den Geschäftsreisemärkten in Europa, dem Nahen Osten sowie Afrika auf.

Trendwende nach der Preissteigerung

Die wirtschaftliche Entwicklung im ersten Halbjahr 2008 sorgte im unteren Preissegment des europäischen Flugmarktes für starke Ausschläge. Die Ticketpreise in der Economy-Klasse zogen im ersten Quartal 2008 aufgrund des teuren Kerosins um 7,1 Prozent an. Treibstoffintensive Flüge nach Südamerika und in die Karibik verteuerten sich sogar um 29,2 Prozent, Reisen nach Nordamerika um 15,5 Prozent. Dagegen blieben die Preise für Flüge innerhalb Europas sowie Inlandsflüge weitgehend stabil. Ausgelöst durch eine niedrigere Nachfrage nach Flugtickets in der Economy-Klasse gab es im zweiten Quartal eine Trendwende: Gegenüber dem vorhergehenden Vierteljahr ermäßigten sich die Preise um 12,5 Prozent; betroffen waren Inlandsflüge mit Abschlägen von 11,5 Prozent, Kurzstrecken (-11,7 Prozent) und Langstrecken nach Südamerika und in die Karibik (-26,6 Prozent). In den Segmenten oberhalb der Economy-Klasse waren die Preisveränderungen weitaus geringer.

Der Flugmarkt ist angespannt

„Die schwächere Konjunktur zieht die Fluggesellschaften in Mitleidenschaft, da die Nachfrage in vielen Segmenten des Flugreisemarktes bröckelt. Auch das Open-Skies-Abkommen, das den Flugverkehr zwischen den USA und Europa liberalisiert, erhöht den Wettbewerbsdruck und verschärft die Probleme verschiedener Anbieter. Die Rettungsaktion für die staatliche italienische Gesellschaft Alitalia oder das Bekanntwerden von Fusionen und Übernahmen sind Zeichen der angespannten Lage“, sagt Silvia Steinacher, Direktor Corporate Card American Express Österreich. Im ersten Halbjahr
2008 meldeten weltweit 24 Fluggesellschaften Konkurs an – knapp die Hälfte davon stammte aus Europa.

Preiseinbruch bei Economy-Tickets in Deutschland

Für den deutschen Flugmarkt bestätigt der „American Express Business Travel Monitor“ die europäischen Ergebnisse weitgehend. Während es in den höheren Buchungsklassen wie der Business-Klasse im ersten Quartal 2008 nur geringe Preisschwankungen gab, verteuerten sich die Tickets in der Economy-Klasse um 11,9 Prozent. Verantwortlich hierfür waren deutliche Aufschläge bei Inlandsflügen (+19,2 Prozent) sowie zweistellige
Teuerungsraten bei einigen Langstreckenzielen. Im Economy-Segment brachen die Preise im zweiten Quartal 2008 um 23,6 Prozent ein – deutlich stärker als im europäischen Durchschnitt (-12,5 Prozent). Die Preise in der Economy-Klasse halbierten sich bei Inlandsflügen (-49,1 Prozent) und reduzierten sich auch auf Kurzstrecken (-20,5 Prozent), Langstrecken nach Japan, die asiatisch-pazifische Region, Australien (-23,6 Prozent) sowie nach Südamerika und die Karibik (-20,3 Prozent).

Sinkende Preise auf dem europäischen Hotelmarkt

Auf dem Hotelmarkt ist nach jahrelangen Preissteigerungen ein neues Zeitalter
angebrochen. An vielen Destinationen verbilligten sich Übernachtungen bereits. Dieser Trend zeichnete sich klar im ersten und zweiten Quartal 2008 ab. In 41 von 48 Städten, deren Hotelpreise American Express ausgewertet hat, stieg der Preis pro Übernachtung zwischen Januar und März im Schnitt noch um 6,9 Prozent im Einjahres-Vergleich. In der anschließenden Dreimonats-Periode lagen die Preise bereits 3,6 Prozent unter dem
entsprechenden Vorjahres-Quartal. Paris erlebte den größten Preissturz (-37 Prozent).
Auch in Rom ermäßigten sich Übernachtungen um rund ein Drittel. Beide Metropolen bekommen damit die abnehmende Reiselust amerikanischer Touristen aufgrund des schwachen Dollar-Kurses zu spüren.
Die Finanzkrise ließ bereits die Hotelpreise in Frankfurt, Genf, London und Edinburgh sowie Paris sinken. Die britische Hauptstadt ist den Problemen auf den Kapitalmärkten besonders stark ausgesetzt und erlebte nach einem leichten Preisanstieg im ersten Quartal einen Rückgang um 7,7 Prozent im zweiten Quartal 2008. Höhere Preise konnten dagegen Hotels an Industriestandorten durchsetzen. In Deutschland waren dies Hotels in
Düsseldorf, Köln und Hannover. Im norwegischen Stavanger verteuerten sich
Übernachtungen um 26,3 Prozent – Rekordwert in Europa. „Der europäische Hotelmarkt durchlebt nach dem Boom der vergangenen Jahre nun eine
schwierige Phase mit sinkenden Preisen. Wie unsere Analyse zeigt, sind bereits viele bedeutende Destinationen in Europa hiervon betroffen. Die Kapitalmarktkrise hinterlässt vor allem Spuren in den Büchern der Hoteliers in den Finanzmetropolen London, Paris und Frankfurt, aber auch in Genf und Edinburgh“, so Steinacher.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
Werbung

Weiterführende Themen

In manchen Betrieben betragen die Vertriebskosten bereits 15 Prozent des Umsatzes.
Hotellerie
19.05.2016

Der Wegfall der Bestpreisklausel wird sich positiv auf die Hotelbetriebsergebnisse auswirken, sagt Daniel Orasche von Kohl & Partner. Allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen.

Die Wyndham Gruppe (im Bild das Ramada Hotel auf Vanuatu) gibt sich als weltweit größte Hotelgruppe in seiner Expansion zurückhaltend. "Nur" 80 Projekte befinden sich derzeit in Bau.
Hotellerie
09.03.2016

Wachstum, Wachstum, Wachstum: Das sind die Hotelgruppen mit den meisten Neubauprojekten. 

Tourismus
01.12.2015

50 Millionen Euro an zinsgünstigen Krediten für Tourismusbranche: Das hat heute (1.12.) der Ministerrat beschlossen. Insgesamt stehen aus den ERP(European Recovery Program) Fonds 600 Mio Euro an ...

In Europa ist insgesamt gesehen die Reiselust ungebrochen, daran sollte sich auch 2014 nichts ändern.
Tourismus
06.03.2014

Berlin. Anlässlich der ITB Berlin stellte IPK International im Rahmen der World Travel Monitor-Präsentation die „Weltweiten Reisetrends 2013/2014“ vor. Das Ergebnis: Sowohl die Reisen, als auch ...

Werbung