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Fipronil-Eier: Herkunftskennzeichnungsverpflichtung würde Problem nicht lösen

24.08.2017

Nach dem Skandal um Fipronil-Eier kommt (nicht zum ersten Mal) der Ruf nach einer Herkunftsangabe von verarbeiteten Lebensmitteln. Zurecht? Die Forderung gehe am Problem vorbei, meint Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbandes der Lebensmittelindustrie.

Kann eine Kennzeichnungspflicht das Auftauchen von sprichwörtlich faulen Eiern verhindern?

Fast täglich werden europaweit und auch in Österreich mit dem Insektengift Fipronil belastete Eier – genauer Eiprodukte wie Flüssigei – gefunden, die fast ausschließlich in der Gastronomie zum Einsatz kommen. Eine Herkunftsangabe würde das Problem nicht lösen, sondern nur die Verantwortung weiterschieben, argumentiert der Fachverband der Lebensmittelindustrie. Geschäftsführerin Katharina Koßdorff: „Lebensmittelsicherheit ist oberstes Gebot und von allen Teilnehmern entlang der Lebensmittelkette, also vom Stall bis zum Teller, einzuhalten. Nur wenn sich alle an die Gesetze halten, können Vorfälle wie Fipronil verhindert werden. Leider haben sich bei Fipronil nicht alle Landwirte daran gehalten und es verbotenerweise zur Reinigung der Ställe eingesetzt. Wenn jetzt versucht wird, die Verantwortung an die nächsten Partner in der Verarbeitung abzuschieben, ist das wohl dem Wahlkampf geschuldet. Dagegen verwehren wir uns.“

Herkunft ist nicht gleich Sicherheit

„In der Diskussion werden die Sicherheit von Lebensmitteln und ihre Herkunft vermischt. Das eine hat aber mit dem anderen zwangsläufig nichts zu tun“, kritisiert Koßdorff.  Eine Kennzeichnung von verarbeiteten Eiern allein schaffe nämlich nicht mehr Sicherheit, weil sie die sorgfältige und gesetzeskonforme Herstellung von Lebensmitteln nicht ersetzen könne. Vielmehr müsse jedes Lebensmittel sicher sein, egal, woher es kommt.

Eine verpflichtende Kennzeichnung von verarbeiteten Eiern auf der Verpackung eines Lebensmittels würde die Weiterverarbeiter von Eiern einiges kosten. Ein Beispiel: wenn die Eier mangels Qualität oder Menge kurzfristig nicht verfügbar sind und der Hersteller auf einen anderen Lieferanten ausweichen muss. Dann wäre die Herkunftsangabe der Eier schlichtweg falsch und von der Behörde zu beanstanden. Vor einiger Zeit mussten heimische Hersteller Verpackungen im Wert von mehreren 100.000 Euro vernichten, da sie freiwillig auf österreichische Freilandeier hingewiesen hatten, diese aber wegen der Vogelgrippe und der verordneten Stallpflicht in Österreich nicht mehr verfügbar waren.

Auf Ei-Importe angewiesen

Fakt ist auch, dass Österreich auf den Import von Eiern angewiesen ist. Der Selbstversorgungsgrad von Eiern aus Österreich liegt nur bei knapp über 80 Prozent. Die heimische Produktion geht Großteils in den Markt von Frischeiern. Importe von Eiern sind also für die Versorgung in Österreich unumgänglich. Letztlich gehe es darum, dass die Rechtsvorschriften für die Lebensmittelsicherheit von allen Partnern in der Lebensmittelkette, egal welcher Herkunft, eingehalten und kontrolliert würden, argumentiert Koßdorf.

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