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Fische in Seenot

21.08.2007

Fischer Fritz fängt viele frische Fische. Zu viele Fische, wenn man Tierschutzorganisationen wie Greenpeace oder dem World Wide Fund for Nature (WWF) Glauben schenken darf.

Auch der Rote Thunfisch gehört zu den gefährdeten Spezies

Seit Beginn der industriellen Fischerei Anfang der 50er-Jahre ist ihr Gesamtbestand in den Weltmeeren um 90 Prozent zurückgegangen. Fische wie Heilbutt, Kabeljau oder der Europäische Flussaal (der Bestand schrumpfte laut Greenpeace binnen 20 Jahren um 99 Prozent!), um nur drei Beispiele zu nennen, sind akut vom Aussterben bedroht. Bei anderen Arten wie etwa Shrimps verursachen die riesigen Aqua-Kulturen verheerende Umweltfolgen.
Die Gründe für diese Problematik sind mannigfaltig. An erster Stelle steht die immer ausgefeiltere Fischereitechnik, so Charles Clover, der in seinem Buch „The end of the line“ die dramatische Lage beschreibt und mit zahlreichen Beispielen belegt. Bei der Jagd mit Schleppnetzen werden etwa für jedes Kilo Scholle, das gefangen wird, 16 Kilo andere Meereslebewesen umgebracht. Diese Methode ist höchst effektiv, denn Eisenketten graben sich in den Boden und scheuchen so alle Schollen ins Netz. Nur einige kleinere Schollen können entkommen. Krustentiere, die am Meeresboden leben, dagegen nicht. Das gesamte Ökosystem wird zerstört. Außerdem werden jahrhundertealte Korallenriffs, artenreiche Unterwasserparadiese, gnadenlos geschliffen.

Fisch als Luxusprodukt
Die Auswirkungen dieser Methoden sind in der Gastronomie schon längst zu spüren. „Qualitativ hochwertiger Fisch ist längst zum Luxusprodukt geworden. In 20 bis 30 Jahren wird es wahrscheinlich kaum mehr Speisefische geben“, befürchtet etwa Reni Urm vom Fisch-Restaurant „Landhaus Winter“ am Stadtrand von Wien. „Wir fragen bei der Bestellung sehr wohl nach, woher unsere Fische kommen und können auch auf das Herkunftsgebiet Einfluss nehmen. Und auf dem Lieferschein ist der Herkunftsort auch vermerkt.“ Dass es aber heute etwa schon Engpässe beim Zander gibt, wäre vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen. Urm: „Zander war wie Brot für uns.“ Und auch die Gäste seien teilweise schon sensibilisiert, würden zumindest bei manchen Fischen wie etwa Seezungen nachfragen, woher die kommen.
Auch Spitzengastronom Heinz Hanner aus Mayerling achtet inzwischen darauf, dass die Fische, die er seinen Gästen serviert, klassisch mit Leinen und nicht mit Schleppnetzen gefangen werden. Hanner: „Außerdem gibt’s bei mir immer Fische, die gerade nicht ‚modern‘ sind, also etwa Glattbutt statt Steinbutt, denn am gefährdetsten sind immer die Arten, auf die sich alle stürzen. Ich sag nur ‚Branzino‘. Thunfisch verwende ich praktisch auch keinen, da der ebenfalls extrem überfischt ist und sehr viel Beifang verursacht.“

Nachhaltigkeit wichtig
„Nachhaltigkeit in der Fischerei ist selbstverständlich wichtig“, erklärt Christoph Kastner vom Großhandelshaus Kastner. Das Problem sei nur, dass international gesehen der österreichische Markt sehr klein sei und die Firmengruppe Kastner wieder nur ein kleiner Teil dieses kleinen Marktes. Kastner: „Da haben wir nicht viel Spielraum und Einfluss auf Fanggebiete und Methoden.“ Natürlich bemühe man sich trotzdem, den Kunden ein unbedenkliches Sortiment anzubieten, es kursierten nur zur Zeit mehrere Listen von Umwelt- und Marineorganisationen, welche Fische bedenkenlos genießbar seien. Zudem sei es oft ein großes Problem nachzuvollziehen, woher ein Fisch genau käme, dafür gäbe es in der Fischindustrie zu viele Zwischenstationen und Händler. Kastner: „Wir sind hier leider oft von den Informationen abgeschnitten. Wir haben aber das Gespräch mit Greenpeace gesucht. Da kommen dann aber plötzlich Vorschläge, wie dass wir etwa einen bestimmten Fisch nicht aus dem Atlantik, sondern aus dem Pazifik bestellen sollen. Und da frag ich mich schon, ob die Transportwege, der CO2-Ausstoß völlig egal sind. Wir haben auch bereits im Februar 2007 eine Liste mit unserem Fisch-Gesamtsortiment an Greenpeace geschickt mit der Bitte, uns zu sagen, was davon unbedenklich ist und was nicht. Trotz mehrmaliger Erinnerung kam aber bis jetzt keine Antwort.“ Natürlich bemühe man sich auch bei den Lieferanten um Bekanntgabe der Fanggebiete und Methoden, aber auch die wüssten aufgrund ständig wechselnder Bedingungen nicht immer Bescheid. „Und wo der Mitsubishi-Konzern seine Fangflotte für den Dosen-Thunfisch hinschickt, kann ich schon gar nicht kontrollieren“, so Christoph Kastner weiter.

Kooperation mit WWF
Auch bei C&C Pfeiffer ist man sich der Problematik des Raubbaues an den Meerestieren bewusst: „Wir haben im Vorjahr eine Kooperation mit dem WWF begonnen, unser ge-samtes Fisch-Sortiment nach einer WWF-Checkliste analysiert und die bedenklichen Produkte wie Rochen, Hai, Hoki oder Schwertfisch ausgelistet. Außerdem achten wir darauf, dass unser Angebot nur aus Regionen mit gesicherten Beständen kommt, verkaufen keine Jungfische mehr, um den Artenbestand nicht zu gefährden und forcieren da, wo es geht, MSC-zertifizierte Fische“, erklärt Michael Vogl von C&C Pfeiffer. „Außerdem starten wir gerade eine große Schulungskampagne für alle relevanten Mitarbeiter in Zusammenarbeit mit dem WWF, um die Leute zu sensibilisieren und ihnen die Problematik aufzuzeigen.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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