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Das Thema Cultured Meat steht vor der Marktreife.

Fleisch aus dem Labor: Ist das die Zukunft der Ernährung?

06.05.2021

Weltweit revolutionieren gerade Nahrungsmittelhersteller die Produktion von Fleisch. Bis Mitte des Jahrhunderts könnte mehr als die Hälfte des Fleisches oder Fisches nicht mehr von Tieren stammen.

Lachs aus dem 3-D-Drucker wird in Wien hergestellt.

Fleisch aus dem israelischen Labor

Man kann tatsächlich von einer geplanten Revolution sprechen, wenn man dem Gründer von des israelischen Start-ups „Aleph Farms“ zuhört. Didier Toubia verspricht mit seinem im Labor hergestellten Fleisch gleich zwei Probleme auf einmal zu lösen. Wie funktioniert es?

Grundlage ist das Muskelgewebe, das von einem lebenden Spendertier kommt. Anschließend werden die Stammzellen von anderen Zellen getrennt und in einem Bioreaktor mithilfe eines Nährmediums kultiviert. Laut Prognosen soll der Hunger nach Fleisch weltweit bis 2040 um mehr als ein Drittel steigen. Hinsichtlich der Klimaziele kaum vorstellbar. Das künstlich hergestellte „Cultured Meat“ soll die Lösung sein. Nicht nur, weil es einen weit geringeren Ressourcenverbrauch aufweist als richtiges Fleisch, sondern weil es auch die Frage nach dem Tierleid obsolet macht. Eigentlich nicht nachvollziehbar, dass dieses Produkt laut Umfragen bei uns noch auf große Skepsis stößt. Anders ist das Image in Asien. In Singapur präsentierte der kalifornische Mitbewerber „Eat Just“ aus dem Labor gezogene Hühnernuggets. Derzeit kostet ein Stück noch 50 Euro. Bei der nahen Markteinführung will man aber im Bereich eines Bio-Hendls liegen. 

Gedruckter Lachs aus Wien

Es sieht tatsächlich aus wie Lachs, riecht wie Lachs, ist aber rein pflanzlich. Das Wiener Start-up Revo Foods stellt Lachs tatsächlich mit einem 3-D-Drucker her. Und wie geht das? Die Druck-Masse besteht aus etwa zehn Zutaten, darunter Erbsenprotein, Algenextrakte, pflanzliche Öle und Fasern. Zugesetzt werden Vitamine und Omega-3-Fettsäuren. Im Gegensatz zum bisher bekannten Lachs-Ersatz aus Gemüse ließe sich die Struktur optimal nachbilden, sagt Gründer Robin Simsa. Rund 75 Prozent des CO2-Fußabdrucks ließen sich laut Simsa gegenüber dem herkömmlichen Zuchtlachs reduzieren. Angesichts der Tatsache, dass Lachs mit einem Verzehr von 2,5 Mio. Tonnen pro Jahr der populärste Speisefisch der Welt ist, wäre dem Klima bei einem durchschlagenden Erfolg dieser Methode sehr geholfen. 

Veganes Fleisch „macht“ Milliarden

Die ÖGZ hat es mit Profis ausprobiert. Selbst als wir vor zwei Jahren Köchen das vegane Patty von „Beyond Meat“ servierten, hielten es viele für Fleisch. Der geschmackliche Verwechslungseffekt gepaart mit einer klugen Marketingstrategie, bei der einige US-Testimonials vor den Karren gespannt wurden, verhalf dem kalifornischen Hersteller von auf Erbsenprotein basierendem Fleischersatz zu einem grandiosen Börsengang mit einer Kapitalisierung von vier Mrd. Dollar. Die Börsianer blicken schon gespannt auf den für heuer geplanten Börsengang von Konkurrent „Possible Foods“. Beide kooperieren mit großen Fast-Food-Ketten. Kleine Patties macht derzeit noch das Wiener Start-up „Rebel Meat“. Diese Laibchen bestehen zur Hälfte wie üblich aus Fleisch. Die anderen 50 Prozent bestehen aus pflanzlichen Zutaten, vor allem Edelpilzen. Auch hier steht die CO2-Reduktion im Vordergrund. Apropos: Beyond Meat weist aus, dass seine Produkte um 90 Prozent weniger Treibhausgase erzeugen als Fleischprodukte aus konventioneller Tierhaltung. 

Autor/in:
Daniel Nutz
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