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Förderungen maßgeschneidert

24.09.2009

Verschenken Sie gerne Geld? Lassen Sie sich lukrative Chancen freiwillig durch die Lappen gehen?

Mag. Rudolf Siart

Wahrscheinlich nicht – und dennoch ist es Ihnen ziemlich sicher schon passiert: Unbewusst, weil Sie nicht über die österreichische Förderlandschaft informiert gewesen sind. Dieser Artikel schafft Abhilfe und bringt Ihnen dadurch bares Geld.
Förderungen lassen sich grob in zwei Kategorien einteilen: (Bar-) Förderungen/Prämien/Zuschüsse und Garantien/Haftungsübernahmen. Erstere bringen dem Geförderten einen direkten monetären Vorteil (z. B. Zuschuss von 10 %), zweitere über den Umweg der erstklassigen Bonität der haftungs­übernehmenden Institution bessere Kreditkonditionen. Unterm Strich zahlen sich beide Varianten aus!
Die Unübersichtlichkeit des „Förderdschungels“ ist ein großes Problem – wer über Förderungen nicht informiert ist, kann sie nicht wahrnehmen. Generell gilt: Bei allen Förderungen sollten die Anträge frühestmöglich eingereicht werden, d. h. VOR Projekt- oder Investitionsbeginn. Im Nachhinein abgegebene Anträge haben selten Erfolgsaussichten.

Auf geht’s!
Unternehmensgründung verlangt viel Mut, daher ist es nur gerecht, diesen auch zu belohnen. Die Jungunternehmerförderung der Austria Wirtschaftsservice (AWS) und des Wiener Wirtschaftsförderungsfonds (WWFF) tut dies: Personen, die durch die Gründung/Übernahme eines gewerblichen Klein- oder mittleren Unternehmens (KMU) erstmals selbstständig tätig werden, erhalten 13 % ihrer materiellen (z. B. Geschäftsausstattung) und immateriellen Investitionen (z. B. Marketing) ersetzt. Hier geht es um bis zu € 39.000,– (Maximalbetrag) an Förderungen!
Damit dieses Geld auch zur Verfügung steht, heißt es im Vorhinein, einen entsprechenden Kapitalstock aufzubauen. Sogar das Sparen selbst wird durch den Gründungsbonus (AWS, WWFF) gefördert. Für das in einem Zeitraum von ein bis sechs Jahren angesparte Kapital wird am Ende (zuzüglich zu den erwirtschafteten Zinsen!) ein Bonus von 14 % der Ansparleistung ausgezahlt (max. € 8.400 pro Unternehmen). Den Antrag können Sie bereits jetzt unverbindlich unter www.gruendungsbonus.at einreichen.

Neben der Gründung neuer Unternehmen zielen viele Förderungen auf den Bereich „Innovation“ ab. Hierzu zählt das Programm Unternehmensdynamik von AWS und WWFF, das KMU bei innovativen Projekten (Produkte, Dienstleistungen, Produktionsmethoden, Technologien, …) unterstützt. Die Förderung von 15 % ist für Investitionen bis zu € 750.000 p. a. verfügbar – gesamt können also max. € 112.500 wieder ins Unternehmen geholt werden. Und wenn die finanziellen Mittel einmal nicht ausreichen, um eine lukrative Gelegenheit wahrzunehmen, steht die AWS bereit, um für aufgenommene Kredite die Haftung zu übernehmen (Kosten: ab 0,6 % p. a. zuzüglich Bearbeitungsentgelt). Durch die AWS-Haftung stehen bessere Kreditkonditionen offen.

Überbrückungsfinanzierung
Hat ein selbstständiges gewerbliches KMU Schwierigkeiten, seinen laufenden Verpflichtungen nachzukommen, stellt die Überbrückungsfinanzierung der AWS einen geeigneten Ausweg dar. Die AWS übernimmt bis zu 80 % der Haftung für Betriebsmittelkredite, d. h., die aufgenommenen Mittel werden für laufende Ausgaben wie Personal- oder Materialkosten verwendet. Voraussetzung ist, dass das Unternehmen vor Ausbruch der Krise finanziell stabil war (2006–07: Eigenkapitalquote > 8 %, Schuldentilgungsdauer max. 15 Jahre). Das Haftungsentgelt liegt risikoabhängig zwischen 2 und 6 % p. a. (zzgl. 0,5 % Bearbeitungsentgelt). Die Zinsen mögen recht hoch erscheinen, doch immerhin bietet sich die Möglichkeit, frische Liquidität genau dann einzubringen, wenn sie am dringendsten benötigt wird.
Eine weitere Variante ist die Aufnahme neuer Eigenkapitalgeber, um die finanzielle Basis des Unternehmens zu stärken. Hier stehen Institutionen wie die Kapital-Beteiligungs-AG (KABAG) und der Wiener Risikokapitalfonds als Ansprechpartner zur Verfügung.

Beachten Sie bei aller Verlockung jedoch stets die goldene Investitionsregel: Eine Investition soll auch ohne Förderung betriebswirtschaftlich Sinn machen! Sie muss sich rechnen! Denn selbst wenn Sie 50 % der Kosten vom Staat ersetzt bekommen, ist die andere Hälfte bei Misserfolg trotzdem verloren! Betrachten Sie Förderungen als Zuckerl oder Zünglein an der Waage, aber niemals als alleinigen Grund, eine Investition zu tätigen.

Fazit
Das große Ausmaß förderbarer Leistungen hilft in nahezu allen wirtschaftlichen Situationen: Aufgrund (kurzfristig) ausbleibender Umsätze fällt es schwer, die Geschäfte am Laufen zu halten? Lösung: ein Betriebsmittelkredit. Es besteht die Chance auf Expansion, aber die verfügbaren Mittel reichen nicht aus? Lösung: Verbreiterung der Eigenkapitalbasis, Aufnahme neuer Darlehen (zinsgünstig dank Haftung) und Barzuschüsse. Insgesamt sechs solcher Szenarien finden Sie auf unserer Homepage unter www.siart.at/68/foerderungen.pdf ausgearbeitet.

Mag. Rudolf Siart ist Steuerberater und Wirtschaftsprüfer,
Siart + Team Treuhand GmbH,
1160 Wien, Enenkelstr. 26,
Tel.: 01/493 13 99,
siart@siart.at,
www.siart.at

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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