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Franchise, die Alternative?

18.07.2006

Dass sich Franchising und Selbständigkeit insbesondere in der Kaffeebranche als Erfolg versprechende Modelle empfehlen, zeigen bekannte Beispiele wie Segafredo, Testa Rossa caffè und die Schärf Coffeeshop Company. Sie alle bieten hochwertige Kaffee-Gesamtkonzepte für die Gastronomie und sehen sich als Ergänzung zum klassischen Kaffeehaus.

Der schnelle Kaffee zwischendurch liegt seit einigen Jahren auch hierzulande voll im Trend, der Markt der Kaffebars und Coffee-to-go-Shops ist dementsprechend heiß umkämpft. Ist Franchise die Alternative für den Cafetier von morgen?
„Franchise ist für die Zukunft ein sehr wichtiger Markt, denn der Kaffeemarkt ist so universell geworden, dass nur die guten überleben werden. Das kann der Franchisenehmer sein oder der gute Cafetier, denn beide haben ihre Berechtigung: Bei dem einen steckt mehr die Tradition dahinter, beim anderen das System“, meint Leopold Wedl jun., Geschäftsbereichsleiter und verantwortlich für die Marken Wedl Kaffee und Testa Rossa caffè. Um den Sprung in die Selbständigkeit als Cafetier zu wagen kann ein Franchisekonzept der richtige Anfang sein, aber Fachkompetenz braucht der Cafetier in jedem Fall.
Wirtschaftliche Verantwortung
Lothar Petzold, Testa Rossa caffé: „Immer öfter hört man, dass jeder Franchisenehmer werden kann. Ich bin da anderer Meinung, denn es braucht Disziplin und die Fähigkeit, sich einem System unterzuordnen, dem System zu folgen und keine eigenen Gewichtungen anzustreben. Der Franchisenehmer muss Unternehmer sein, das heißt, er trägt Verantwortung für Menschen - auf der eine Seite für seine Mitarbeiter, auf der anderen für seine Kunden - und er möchte etwas verdienen. Er hat eine betriebswirtschaftliche Verantwortung. Ein Franchiseunternehmen zu leiten hört sich leichter an, als es tatsächlich ist.“
Für Reinhold Schärf von der Coffeeshop Company ist Franchise eine der innovativsten Initiativen von gleich gesinnten Menschen, die Synergien zusammenfließen lassen und einen gemeinsamen Weg beschreiten wollen. „Das Franchisekonzept ist wie eine große Familie - der Franchisegeber muss genauso sorgfältig seine Franchisenehmer auswählen, wie der Franchisenehmer sich informieren muss, mit welcher Gruppe er seinen Weg gehen will. Dies gibt uns allen die Möglichkeit, gegen Konzernriesen aufzutreten“, meint Reinhold Schärf, der viele Klein- und Mittelbetriebe mit seinem Kaffee und dem dazugehörenden Konzept beliefert. Der Kleinbetrieb hat einen Nachteil, wie Schärf meint: „Er kann nicht die Werbung umsetzen wie ein Großkonzern, wo das Geld im Mittelpunkt steht, aber nicht immer die Qualität.“
Kundenbetreuung
Christina Hummel war von 2001 bis 2003 Store Managerin bei Austrian Star Gastronomie, kurz Starbucks, und ist seit fast einem Jahr Inhaberin des Cafè Hummel. Sie vergleicht nun die beiden Unternehmen: „Ich hatte das Vergnügen drei Jahre bei Starbucks als Filialleiterin arbeiten zu dürfen, und ich selbst hatte viele Schulungen, ebenso wie meine Mitarbeiter. Das haben die traditionellen Kaffeehäuser jahrelang verschlafen. Ich bin mit Leib und Seele Kaffeesiederin und könnte mir nicht vorstellen, eines Tages Franchisepartnerin zu werden. Ich bin eine innovative Person, und meine Ideen kann ich nur in meinem Kaffeehaus, das ich in dritter Generation führe, umsetzen. Als Unternehmer muss ich immer für Neues offen sein. So werde ich die Meinl Kaffeeakademie nutzen und auch mein Personal hinschicken.

Als Kaffeesieder darf ich mich nicht darauf ausruhen, dass es mich schon so lange auf dem Markt gibt. Ich muss immer mit einem Ohr beim Gast sein, was seine Wünsche anbelangt, dies ist auch notwendig als Franchisenehmer bzw. für den Franchisegeber, um auf Kundenwünsche und Marktlage reagieren zu können“, ist Christina Hummel überzeugt.
Kurz geliebäugelt mit einem Franchise-Konzept hat auch Johanna Wechselberger, aber dann war ihr Drang, die eigenen Ideen zu verwirklichen, doch größer. „Ich bin der kreative Mensch, der alle paar Wochen eine neue Idee hat und diese auch umzusetzen versucht. Ich kann mich in meinem Kaffeehaus ausleben, kann ständig neue Kaffeesorten ausprobieren, erfinde neue Rezepte, ich mache mir meine Lable - Etiketten selber. Würde mir dies von oberer Stelle vorgegeben werden, würde mich dies unglücklich machen“, so Johanna Wechselberger vom Mocca Club in Wien. Um mit einem Ohr bei seinen Franchisenehmern zu sein, lädt Leopold Wedl seine Kaffee-Partner einmal jährlich zu einem Meeting, bei dem Wünsche und Anregungen betreffend dem Testa Rossa caffèbar-Konzept diskutiert werden. „Dies stärkt das System ungemein“, meint Leopold Wedl.
„Es gibt Menschen mit verschiedenen Bedürfnissen und Zielrichtungen: Für den Individuellen, der seine eigenen Ideen verwirklichen will, eignet sich das eigene Kaffeehaus, die Bäckerei oder Konditorei. Aber es gibt auch eine Zielgruppe von Menschen, die individuell mehrere Geschäfte als System leiten können, weil sie über Managementqualitäten verfügen“, weiß Reinhold Schärf und freut sich, dass es in der heutigen Zeit viele verschiedene Kaffeeangebotssysteme gibt.
Der Personalaufwand wird für beide Gastronomieformen etwa gleich sein, meint Lothar Petzold. „Im Franchisesystem hat der Franchisenehmer die Möglichkeit, nicht geschulte Mitarbeiter einzustellen und diese systematisch zu schulen“, so Petzold. Hingegen steht im Cafè Hummel der Mensch, der Kellner, im Vordergrund. „Wir haben 80 Prozent Stammpublikum und der Gast schätzt den direkten Kontakt zum Kellner. Somit spielt der Kellner eine wichtige Rolle und ist eine Art Sub-Unternehmer. Bei Starbucks habe ich damals Teilzeitkräfte und Studenten als Mitarbeiter gehabt. Bei Starbucks steht das Abenteuer Kaffee im Vordergrund, hingegen im Kaffeehaus ist es der grantige oder auch freundliche Kellner“, ist Christina Hummel überzeugt.
„Wer sich nicht mit den ganzen Nebengeräuschen eines Kaffeehausbetriebes herumschlagen will, dem empfehle, ich sich ein Franchisekonzept anzusehen, denn es beschränkt sich auf ein Standardprogramm“, erklärt Reinhold Schärf.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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