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Willi Balanjuk (l.) mit Diskussionsrunde (v. l.): Alwin Jurtschitsch, Armin Tement, Franz Weninger, Kurt Feiler-Artinger  und Heinz Velich.

Frisch-fruchtig?

21.04.2016

Vom Schwefel bis zur Authentizität: Was macht den österreichischen Weinstil aus, und wohin entwickelt er sich? Die Weinbranche diskutierte im Burgenland.

Moderator und Weinjournalist Willi Balanjuk brachte es in seinen Einleitungsworten beim Weinforum Burgenland auf den Punkt: Für den österreichischen Konsumenten ist die Frucht beim Wein das Höchste. Die Fachtagung für Winzer und Gastronomie, die zum dritten Mal in der Vila Vita Pannonia in Pamhagen stattfand, ging unter dem Titel „Frisch-fruchtig – reicht das?“ der Frage nach, wohin sich der österreichische Weinstil entwickeln soll. Zu diesem Thema fanden sich Experten der Weinbranche sowie 200 Teilnehmer ein. Erich Leitner von der TU Graz referierte über die Vielfalt der Weinaromen und ihre Stabilisierung. „Viele Inhaltsstoffe im Wein sind anfällig für Oxidation und können dadurch unerwünschte Produktveränderungen hervorrufen“, so der Fachmann. Der Einsatz von Schwefel verhindere diese Reaktionen. Es gibt bereits Studien, die sich mit Schwefel-Alternativen beschäftigen, doch würden Daten über die Veränderung bei der Lagerung fehlen. In der anschließenden Diskussionsrunde berichteten die Winzer Rainer Christ und John Nittnaus, dass sich der Einsatz von Schwefel in ihren Betrieben deutlich eingeschränkt habe. Nittnaus: „Ganz auf Schwefel zu verzichten wäre für mich eine Fahrt ins Ungewisse.“ Auch Leitner betonte, dass es eine Frage der Menge sei.

„Weg vom Standard!“

Der Wissenschaftler Georg Meißner betrachtete den Schwefel aus der Sicht des bio-dynamischen Weinbaus. „Braucht es hier wirklich eine Lagerbildung?“, wirft Meißner in den Raum. Seine Gedanken, die auf dem anthroposophischen Ansatz basieren, treffen seiner Meinung nach nicht nur auf die Landwirtschaft zu. Der souveräne Landwirt (aber auch Gastwirt) solle selbstständig, permanent und kreativ hinterfragen, wissen wollen und nicht hinnehmen. Nichtpolarisierendes Prozessdenken sei ebenso gefragt wie Verantwortung zu übernehmen. Meißner ruft auf: „Habt Geduld und Mut, Fehler zu machen. Geht weg vom Standard!“ Eine passende Einleitung für den nächsten Redner, Heinz Reitbauer sen., der über die Entwicklung von Österreich zur Gourmet-Nation sprach. Diesem kurzweiligen Rück- und Ausblick wird in der nächsten ÖGZ ein eigener Bericht gewidmet. 

Alwin Jurtschitsch, Armin Tement, Heinz Velich, Kurt Feiler-Artinger und Franz Weninger diskutierten den Wandel des Weinstils der letzten Jahre. Dabei gewährten sie Einblicke in ihren Zugang zu Bodenbearbeitung, Vinifikation, Pflanzenschutz, Verarbeitungstechnik und Einsatz von Schwefel. Conclusio der Diskussionsrunde: Wein darf nicht austauschbar sein, sondern soll möglichst viel Typizität aufweisen. Der Trend geht in Richtung Struktur, Leichtigkeit (Alkohol) und eigenständige Stilistik. Für Weinautor Stuart Pigott gibt es aus internationaler Sicht keine österreichische Weinstilistik. Doch genau diese Vielfalt sei auch der Grund für den Erfolg. Die Weinszene, so Pigott, redet über Wein, das breite Publikum trinkt ihn. Und: „Das Wichtigste ist Qualität.“ Mario Morandell erörterte den Erfolgsfaktor „Weinstil“ aus Sicht des Handels und der Gastronomie. Der Weinkenner, so Morandell, erwarte vielschichtige Aromen und eine individuelle Interpretation der Rebsorte und der Herkunft.

Fazit der Veranstaltung: Bio, Bio-Dynamie, Natural und Orange Wines werden Winzer und deren Weinstil beeinflussen. Diese Weine finden ihre (interessierten) Abnehmer. Demgegenüber, so die Branchenkenner, wird aber die Mehrheit der Konsumenten bei „frisch-fruchtig“ bleiben.

 

Autor/in:
Bernadette Altenburger
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