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Die Gartensuite im Moserhof

Für die Zukunft gerüstet

19.04.2018

Ein Kärntner Familienbetrieb feiert 50. Geburtstag. Aus einem Gasthof am Millstätter See wurde der Moserhof, ein Vier-Sterne-Vorzeigebetrieb, der sich auch in der regionalen Hotelkooperation engagiert 

Saunen und Relaxen mit Panorama
Der alte Gasthof, aus dem der Moserhof entstand.

Eigentlich ist Gerhard Winkler Gärtner. Seine Familie betreibt eine große Baumschule in Seeboden. Seine berufliche Zukunft schien vorgezeichnet. Doch dann verliebte er sich in die Nachbarstochter Franziska Moser. Damit hatte die Hotelierstochter in spe den Partner gefunden, mit dem sie sich zutraute, den gut eingeführten elterlichen Betrieb mit 100 Betten zu übernehmen. Seit 2010 führen sie nun gemeinsam den Moserhof. „Der Übergang ist reibungslos und fließend vonstatten gegangen“, sagt Winkler. „Mit vielen neuen Ideen. Und der Erlaubnis, dass auch mal was schiefgehen kann.“
Schwiegervater Robert Moser hatte 1968 ein Traditionsgasthaus mit Kellerbar übernommen. „Damals war bei uns Halligalli mit Casino, Nachtbars und eigenem Flughafen!“, sagt Gerhard Winkler. Daraus wurde bald ein kleines Hotel, das man nach einem Brand 1977 noch einmal errichten musste. 1985 erwarb man das Nachbargrundstück und erweiterte das Hotel mit einer Pizzeria. In den 1990ern investierte man in den Spa-Bereich und baute weiter aus.

Kontinuierlich investiert

Die örtliche Raiffeisen Bank stand den Mosers immer zur Seite, in den letzten Jahren sind auch Förderungen und Kredite über die Österreichische Hotel- und Tourismusbank hinzugekommen. 2014 ist die Wellnesszone in den obersten Stock umgezogen, wo man beim Saunieren und Entspannen einen prächtigen Panoramablick hat. Man lagert auf bequemen Sandsäcken und kann sich auch auf Polster in großen Fensternischen zurückziehen. Beim modernen und eher zurückhalten Design spürt man die Handschrift der Seniorchefin in vielen ungewöhnlichen Details. 
Im Moserhof hat man sich immer nach der Decke gestreckt. Anders ginge es auch nicht, wenn man am Millstätter See nur noch ein Drittel der Gäste von damals verzeichnet. Man muss neue Märkte ansprechen. Im Winter hat der Moserhof heute viele polnische Gäste, man arbeitet erfolgreich mit polnischen Reiseveranstaltern zusammen. 
Gleichzeitig muss Gerhard Winkler vermeiden, in eine Preisspirale nach unten zu geraten: „Manche Vier-Sterne­-Betriebe verschleudern bei uns die Halbpension für 30 Euro, da will und kann ich nicht mit.“ Und er darf auch nicht die Stammgäste verprellen. Das klappt. Der Moserhof ist auch auf exklusiven Plattformen wie Secret Escapes vertreten. Man konnte sich auch als Seminarhotel positionieren, was auch im Frühjahr und Herbst die Betten füllt. 

365 Tage geöffnet

Heuer hat man das erste Mal an wirklich jedem Tag geöffnet. Im April und November bleibt das Restaurant geschlossen, dann gibt es nur Frühstück. Einige Angestellte nutzen diese Zeit für ihren Urlaub oder gehen stempeln. Der Rest wird ohnehin gebraucht. Auch die Lehrlinge, von denen derzeit sechs im Betrieb arbeiten. Chefkoch Lee Wielstra bleibt ganzjährig angestellt. Dem gebürtigen Ostfriesen hat Winkler viel zu verdanken: Als dessen Vorgänger Anfang Dezember 2012 nach nur einer (!) Woche das Handtuch warf, sprang der 23-jährige Jungkoch aus dem Nachbarbetrieb ein und bekochte schon am zweiten Tag eine Weihnachtsfeier mit 85 Personen. Seine frische Küche ist bodenständig-raffiniert. Es gibt auch ein À-la-carte-Angebot. Auf Glutamat wird komplett verzichtet.

Lokal und authentisch

Wielstras Küche ist mit vielen regionalen Produkten zentraler Pfeiler im Konzept „Lebe Genuss“. „So ein Claim ist notwendig zur Orientierung für alle. Dann fällt es leichter zu entscheiden, was zu uns passt und was nicht.“ Brot, Wurst, Eier, Käse und Fisch kommen von lokalen Anbietern aus Seeboden, das Rindfleisch liefert zu 80 Prozent Bernd Moser, der Bruder von Franziska, der die Landwirtschaft vom Opa übernommen hat und neben Rindern auch Pferde züchtet. 
Zweite Säule des Genusskonzepts ist der Spa-Bereich inklusive Badeteich. Und die 50 Zimmer, die in den letzten Jahren Schritt für Schritt renoviert wurden. „Da haben wir auch ordentlich Geld in die Hand genommen und auf Qualität gesetzt, damit wir sie doppelt so lange verkaufen können.“ 

Kooperation statt Konkurrenz

Doch alleine kann das alles keine noch so engagierte Großfamilie stemmen. Deshalb ist der Moserhof seit 1998 Mitglied in der Millstätter Hotelkooperation und Gerhard Winkler deren Geschäftsführer. Mit elf Leitbetrieben möchte man keine Marketingplattform sein, sondern eher eine Betriebsplattform. Man tauscht sich untereinander aus, auch die Lehrlinge und sogar die Bilanzen. Die insgesamt 300 Mitarbeiter werden in einer eigenen Akademie aus- und weitergebildet und bekommen eine Card, mit der sie regionale Angebote kostenlos nutzen können. Aktuell denkt man über einen gemeinsamen Server nach, damit die Daten nicht irgendwo liegen, sondern in einem Rechenzentrum in der Nähe. 
„Unser Motto ist: Scheuklappen weg und mit den Kollegen reden!“ Man betreibt gemeinsam Employer-Branding, ist auf Lehrlingsmessen präsent. Das zahlt sich aus: „Seit drei Jahren steigt die Nachfrage nach unseren Lehrstellen und Jobangeboten. Viele unserer Mitarbeiter kommen aus der Region. Wir bieten ihnen Wertschätzung und Weiterbildung – und wo immer möglich eine Fünf-Tage-Woche.“
So ist der Moserhof für die Zukunft gerüstet. Neue Märkte werden erschlossen. Der Businessplan geht auf. Kontinuierliche Investitionen sind möglich. Man bleibt offen für Neues und macht nicht jede Mode mit: Zum Beispiel bekommen die Gäste noch die guten alten Zimmerschlüssel, die sie an der Rezeption abgeben. „So bleiben wir mit ihnen in Kontakt. Das ist uns ganz wichtig!“, sagt Gerhard Winkler.

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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