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Gäste auf der Homepage halten

25.10.2012
hrs

Hotelaufenthalte werden über die großen Buchungsplattformen gebucht, aber die Kaufentscheidung fällt beim Besuch der hoteleigenen Website.

Matthias Koch, GF FV Hotellerie WKO
Johann Haberl, Hotel Larimar

Die heimischen Hoteliers stöhnen unter der hohen Provisionsbelastung durch Internet-Buchungsplattformen wie Booking.com, HRS und Hotel.de. Sie haben sich bisher aber zum Teil auch zu wenig um die Selbstvermarktung im Internet gekümmert. „Die Hotellerie muss ihre Hausaufgaben im Internet machen", so der Appell von Matthias Koch, Geschäftsführer des FV Hotellerie in der WKO. Eine nationale Buchungsplattform zu fordern ist plakativ.

„Dennoch gibt es für komplexe Aufgaben selten einfache Lösungen. Erfahrungen aus dem Ausland zeigen, dass diese viel Geld kosten und nicht zu den gewünschten Ergebnissen führen", meint Koch. Tatsache ist, dass die Hotellerie ihre Hausaufgaben im Internet vernachlässigt hat. Das ermöglichte geschickten privaten Anbietern, das Geschäft an sich zu ziehen und mittlerweile an der Preisschraube zu drehen.

Attraktive Websites

„Grund dafür sind die ungesunden Wettbewerbsverhältnisse zwischen einigen wenigen Internet-Anbietern, die zunehmend Geld in Marketing- und Vertriebsaktivitäten verbrennen. Damit hat sich – ähnlich wie im Finanzsektor – das reale Produkt in eine fiktive Abwärtsspirale bewegt", so Matthias Koch. Um dem entgegenzuwirken, braucht es eine attraktive Website, ein eigenes Buchungs-Tool, interessante Inhalte und die Überlegung, wie man „Traffic" (Aufmerksamkeit) erzeugt. „Es ist für Hotels eigentlich sehr einfach, selbst mehr Direktbuchungen über positive Bewertungen zu generieren. Der Hotelier muss nur per E-Mail jeden Gast nach dessen Aufenthalt bitten, das Hotel zu bewerten.

Positive Bewertungen werden sofort veröffentlicht, auf negative folgt ein Schlichtungsprozess. Die Gästemeinungen können so sehr schnell und einfach auf der hoteleigenen Website, aber auch Partnerseiten oder Social-Media-Seiten wie Facebook oder Twitter veröffentlicht werden. So können auch kleine Häuser mit vielen positiven Bewertungen ganz vorne in den Bewertungs- und Buchungsportalen landen", weiß Remzi Zafer Aru, Geschäftsführer der Giate GmbH.

Werben mit Bewertungen

Diesen von Remzi Zafer Aru beschriebenen Weg geht Johann Haberl, Eigentümer des Hotels Larimar in Stegersbach. „Wir bewerben unsere Bewertungen, schalten Banner und Advertorials, können so eine bessere Platzierung im Dschungel der Buchungsportale erhalten und unsere hoteleigene Website wird vor booking.com und hrs.de gereiht. Bei den Advertorials bestimmen wir selbst die Inhalte und werben auf Subseiten für unsere Ayurveda- oder Tanzworkshopwochen. Via Newsletter sind wir wiederum zu den Subseiten verlinkt. Die Subseiten werden bei uns wöchentlich geändert, oft wird nur ein Wort verrückt, das Google erkennt und uns weiter vorrückt, weil auf unseren Seiten ein aktiver Prozess stattfindet", erklärt Johann Haberl. Ziel ist es, Monat für Monat mehr Besucher zu bekommen, denn die Hotels stehen im Wettbewerb mit den Buchungsmaschinen.

„Die Homepage und auch alle Subseiten müssen täglich gewartet werden; es braucht dafür mindes­tens einen internetaffinen und im Marketing geschulten Mitarbeiter. „Ohne Werbung geht gar nichts. Wir geben im Jahr rund 50.000 Euro für Online-Werbung aus, damit wir vor den großen Buchungsportalen gereiht sind. Dadurch erfolgen bei uns nur 10 Prozent der Buchungen über booking.com, ebenso viele Buchungen werden über unsere Homepage direkt online getätigt, 50 Prozent buchen via online gestelltem Buchungsformular, und 30 Prozent der Gäste rufen an, reservieren und bestätigen die Buchung per E-Mail", beschreibt Haberl das Buchungsverhalten seiner Gäste.

Themenplattformen

„Untersuchungen bezeugen, dass fast jeder Hotelgast, der über – für den Hotelier zwar teure – Buchungsplattformen seine Entscheidung trifft, zuvor die hoteleigene Internetseite besucht: Um sicher zu gehen, dass er nicht die Katze im Sack kauft. Dies ist der entscheidende Moment, in dem der Hotelier mit seiner nach wie vor bestehenden Produkthoheit das Geschäft wieder an sich ziehen kann. Der Besuch auf der hoteleigenen Seite darf nicht mehr den Abschluss über fremde Buchungsportale bestätigen, sondern sollte den Gast zur Zimmerbuchung über das Hotel selbst bringen", ist Koch überzeugt.

So gesehen hilft die an sich zu kurz greifende Forderung nach einer österreichischen, nationalen Buchungsplattform.

Denn diese zeigt den Weg in die richtige Richtung: Ein guter hoteleigener Internetauftritt braucht die Unterstützung intelligenter Destinations- und Themenplattformen wie zum Beispiel www.sternewelt.at.

Irene Stelzmüller

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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