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Ganzjahresmodell für Tourismus-Mitarbeiter

26.01.2005

Der ÖHV-Kongress 2005 in Galtür stand unter dem Motto „Ganz oder gar nicht“.

Die Österreichische Hoteliervereinigung (ÖHV) hat dieser Tage ihren alljährlichen Kongress abgehalten. Austragungsort war diesmal der Tiroler Ort Galtür und das Thema lautete „Ganz oder gar nicht – endlich weg vom schlichten Mittelmaß“.
Wichtigstes Thema des ersten Tages war die Forderung der beiden ÖHV-Präsidenten Peter Peer und Sepp Schellhorn nach einer Ganzjahresbeschäftigung für Tourismusmitarbeiter, mit der die Arbeitslosigkeit in der Branche um 20 Prozent gesenkt werden könnte. Das ÖHV-Modell, das für Betriebe mit Schließungszeiten gedacht ist, soll zu einer Saisonverlängerung trotz saisonaler Betriebsschließung und zum Ganzjahrestourismus mit Ganzjahresbeschäftigung führen. Der Hotelier stellt trotz Betriebsschließung eine gewisse Anzahl seiner Mitarbeiter ganzjährig an und erhöht vom Arbeitsmarktservice (AMS) über ein Rückerstattungsverfahren das Arbeitslosengeld quasi als „betriebliche Beihilfe zur Beschäftigung“. Der Hotelier gleicht dann für den Mitarbeiter die Differenz zwischen Arbeitslosengeld und Bruttolohn aus. Das Modell funktioniere aber nur, wenn im Zuge einer Flexibilisierung der Arbeitszeit die wöchentliche Höchstarbeitszeit und der Durchrechnungszeitraum bei Überstunden von derzeit 13 Wochen auf ein Jahr ausgeweitet würden, betonte Peer. Betriebe sollten dieses Modell – als Starthilfe für den Ganzjahrestourismus – rund vier bis fünf Jahre nützen können, dann sollte die Unterstützung durch das AMS wegfallen.
„Wir müssen weg von dieser Zigeunerbranche mit ihrer hohen Mitarbeiterfluktuation“, betonte Peer. Der Mitarbeiter bekäme dadurch ein höheres Bruttogehalt, auch die Anrechnungszeit für die Pension werde verlängert, die Zufriedenheit mit dem Job und der Branche würde steigen, führte Peer die Vorteile des Modells aus.

Der Hotelier erziele damit eine Kostensenkung bei der Akquirierung von Mitarbeitern. Der Nutzen für die Volkswirtschaft wäre eine Einsparung in der Verwaltung, die Arbeitslosigkeit würde außerdem sinken. Zudem würde das Image der Branche steigen.

„Falsche Anreize“
Eine Absage an dieses Modell kam allerdings umgehend von Wirtschaftsminister Martin Bartenstein. Das Modell sei verfassungsmäßig und europarechtsmäßig zumindest bedenklich und stelle die Gefahr der Mitnahmeeffekte. Damit würde man „Anreize in die falsche Richtung“ schaffen, zumal dieses Modell, wenn schon, allen Tourismusmitarbeitern zur Verfügung gestellt werden müsste und daher auch von Betrieben genützt würde, die keine Saisonbetriebe sind: „Das würde zu viel Geld kosten“, so Bartenstein.

Hoffnungsmarkt Osteuropa
Die neuen EU-Mitgliedsländer in Osteuropa sind für Österreichs Tourismus vor allem im Bereich Wintersport ein großer Hoffnungs- und Wachstumsmarkt, die Alpenrepublik hat im Vergleich zu anderen Ländern überdurchschnittlich gute Chancen auf neue Gäste aus dem Osten. Zu diesem Schluss kam Heidi Fritzsche von IPK International in München. Österreich stehe bei den Osteuropäern unter den Reisedestinationen in Westeuropa nach Deutschland und Italien bereits auf dem dritten Platz, noch vor Frankreich. Die größten Hoffnungsmärkte für den österreichischen Tourismus sind dabei Tschechien, Slowenien, die Slowakei und Polen. Die bevorzugten Urlaubsarten bei den Osteuropäern seien Badeurlaube, Rundreisen, Städtereisen und Wintersporturlaube.

Zukunft Gesundheitstourismus
Tirols Landeshauptmann Herwig van Staa sprach am nächsten Tag über Zukunftsperspektiven für den Tourismus im Alpenraum. „Wir müssen unsere Stärken absichern“, betonte van Staa. Im Wintertourismus hätte Tirol mit den Regionen Arlberg, Silvretta, Innsbruck, Zillertal, Kitzbühel und etlichen anderen eine feste Stellung. Gleichzeitig mache ihm aber der Sommer große Sorgen. Eine Zukunft sehe er dafür im Gesundheitstourismus, abseits der reinen Kuren, der immer mehr Konsumenten anspreche. Wobei er das Potential an Thermen in Tirol auf zwei große Anlagen beschränkt sehe. „Zu einem funktionierenden Tourismus gehört jedenfalls auch eine funktionierende Landwirtschaft und eine funktionierende Verkehrspolitik – Stichwort Brennerbasistunnel“, bewertete van Staa den Tourismus als gesamtheitliche Agenda. „Die Tourismusgesinnung muss im ganzen Land stimmen“, so seine Forderung.

Age of Cheap
Die „Geiz ist geil“-Mentalität war Thema von Daniel Staib vom Gottlieb Duttweiler Institut in Zürich. So ist die Forderung der US-Handelskette Wal-Mart „Want more for less“ mittlerweile zum Credo großer Bevölkerungsschichten auch in Europa geworden. Billig werde längst nicht mehr mit schlecht gleichgesetzt, sondern sei vielmehr eine Grundvoraussetzung in der Kundenerwartung.
Die Jagd nach dem Billigen sei zur dominanten Mentalität in erfolgsgesättigten Volkswirtschaften geworden. Sie ergreife Menschen, die schon alles gesehen, erlebt und ausprobiert haben. Der Trend erfasst aber nicht nur den Einzelhandel, sondern auch andere Bereiche wie Reisen, Versicherungen oder Telekommunikation. Kleidung von H&M oder Zara gilt heute als Kult und vor den Aldi-Märkten parken heute Porsche & Co. Der hybride Konsument taucht dabei als neuer Konsumententyp auf. Er kombiniert Billiges und Teures, Edles und Einfaches. „Der Trend zum Billigen hat eben erst begonnen und wird in Zukunft weitere Bereiche der Wirtschaft erfassen“, so Staib. Dabei sei das Internet der Preiskiller der Zukunft.

Kein Mittelmaß mehr
Dass die Mitte tot ist und sich Anbieter daher zwischen Discount oder Luxus entscheiden müssen, erklärte auch der deutsche Unternehmensberater Claudius Schmitz. Hotels müssten sich daher unverwechselbar, zu einer Marke machen. Bei einer Marke spielten der Preis oder selbst kleinere Probleme keine große Rolle. „No-Names sind konjunkturabhängig, Marken haben ihre eigene Konjunktur“, erklärte Schmitz. Um neben den Discountjägern den Teil der Gäste zu bekommen, die in Zukunft noch bereit wären, Geld für ihren Urlaub auszugeben, müsste man diese Gäste über die Sinne und ein exzellentes Service begeistern und sie in eine andere Welt entführen. Schmitz: „Wer sich abheben will, soll auch abgehobene Ideen nicht scheuen. Was spricht etwa gegen ein Schneehotel auf den Bergen oder ein Hotel auf Stelzen im See?"

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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