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Die Gastronomie: Sicherer als jedes Wohnzimmer, wenn es um Infektionen geht.

Gastronomie sicherer als jedes Wohnzimmer

24.06.2021

Aerosolforscher: Sechs effektive Maßnahmen zur Reduktion des Infektionsrisikos in Innenräumen. Und warum Plexiglasscheiben eher schaden.

Aerosolforscher Gerhard Scheuch: "Draußen Masken zu tragen, ist absolut unnötig!"
Der Experte

Biophysiker Gerhard Scheuch ist ein international anerkannter Wissenschaftler und berät seit Beginn der Covid 19-Pandemie zahlreiche Institutionen, darunter auch das Robert Koch Institut (RKI).

"Ausgehungerte" Gäste sorgen in der Gastronomie nach dem Re-Start wieder für Umsätze - mal bessere, mal weniger gute. Aber was passiert im Herbst? Wie werden sich da die Zahlen entwickeln? Und wie kann man einen neuerlichen Lockdown verhindern?

antworten darauf kennt Aerosolforscher Gerhard Scheuch. Sein Fazit in aller Kürze: Nur möglichst reine Luft kann Menschen vor einer Infektion schützen. Beim Freitagsgespräch des FCSI Deutschland-Österreich erklärte der renommierte Wissenschaftler, mit welchen Maßnahmen das am besten gelingt.

6 Maßnahmen, ohne Plexiglas

Scheuch nannte sechs von der Gesellschaft für Aerosolforschung ausgearbeitete Maßnahmen, mit denen eine riskante Konzentration von möglicherweise virenbelasteten Aerosolen in Innenräumen effektiv vermieden werden kann. Es reiche, in Gaststätten und bei Veranstaltungen zwei bis drei dieser
Maßnahmen konsequent zu kombinieren, um das Risiko für eine SARSCoV-2-Übertragung deutlich zu minimieren, so Scheuch. Plexiglasscheiben sind seiner Meinung nach dagegen eher kontraproduktiv: „Eine amerikanische Studie legt sogar nahe, dass sie schaden und die Infektionsrate erhöhen, da die Luftzirkulation gebremst wird. Je weniger Gegenstände den Luftaustausch im Raum behindern, desto besser!“

1. Reduktion der Personenzahl

„Eine der wichtigsten Entscheidungen zu Beginn der Pandemie war das Verbot von Großveranstaltungen in Innenräumen“, sagte Scheuch. Grund: „Je mehr Menschen zusammenkommen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass eine infizierte Person darunter ist und die anderen ansteckt.“

2. Verkürzung von Zusammenkünften

Scheuch: „Der Faktor Zeit ist entscheidend! Je länger ein möglicherweise ansteckender Mensch sich in einem Raum aufhält, desto höher die Virenlast, die er an die Luft abgibt. Halten Sie Treffen deshalb möglichst kurz!“

3. Die Größe des Raumes

„Das ist eine einfache Rechnung“, erklärte Scheuch. „Je größer der Raum, desto geringer die Virenkonzentration in der Luft. Noch besser ist es allerdings, die Veranstaltung nach draußen zu verlegen!“

4. Lüften, lüften, lüften!

Statt der AHA-Regel sei vielmehr eine ALA-Regel – Abstand, Lüften, Alltagsmaske – sinnvoll: „Es handelt sich um eine Aerosol-Übertragung, also müssen wir die Aerosole bekämpfen. Je mehr Frischluft wir in einen Raum lassen, umso besser!“

5. Raumluftfilter

„Insbesondere in Alten- und Pflegeheimen, in denen Menschen zusammen unter einem Dach leben, ohne dass die Fenster ständig geöffnet sind, spielen Raumluftfilter eine extrem wichtige Rolle“, betonte Scheuch. Entscheidend für die Wirksamkeit von Luftfiltern sei die Umwälzrate, sprich: wie oft die Luft im Raum pro Stunde ausgetauscht wird.

6. Wirksame Masken tragen

„Masken senken das Infektionsrisiko in Innenräumen um 14 Prozent“, berichtete Scheuch. Aber: „Draußen Masken zu tragen, ist absolut unnötig!“

Kein Shutdown im Herbst

Einer erneuten Schließung der Gastronomie und Hotellerie im Falle einer möglichen „Vierten Welle“ im Herbst erteilte Scheuch eine deutliche Absage: „Ich hätte die Gastronomie zu keinem Zeitpunkt geschlossen. Was wir brauchen, sind Hygienekonzepte aus den oben genannten Maßnahmen, die bereits in vielen Restaurants und Hotels längst im Einsatz sind. Diese müssen kontrolliert sowie zertifiziert werden. Somit kann die Gastronomie geöffnet bleiben, denn eines ist klar: Dort herrscht ein deutlich geringeres Risiko, sich mit Covid-19 zu infizieren als in jedem privaten Wohnzimmer, da hier die meisten Ansteckungen passieren.“

Der FCSI Deutschland-Österreich stellt der Branche das vollständige Gespräch mit Dr. Gerhard Scheuch als Podcast über Soundcloud zur Verfügung. Die Freitagsgespräche gehen weiter: Interessierte erhalten via e-Mail an info@fcsi.de den Zugangslink.

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