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Gastrosophisches Gipfeltreffen

17.07.2006

Galtür präsentierte sich von 7. bis 9. Juli als perfekte Bühne für drei genussvolle Tage. Doch bei den Genusstagen ging es nicht nur um köstliches Essen und Trinken sowie Bewegung und zünftige Musik in herrlicher Landschaft, sondern auch um die intellektuelle Auseinandersetzung, was denn (kulinarischer) Genuss eigentlich beinhaltet.

Zu diesem Zweck fand am Freitag, den 7. Juni im Galtürer Alpinarium eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion statt. Fünf ausgewiesene Genießer diskutierten unter der kompetenten Moderation des Journalisten Christian Seiler über ihren persönlichen Zugang zum Thema Genuss.
Alle Diskutanten waren sich einig, dass eine intensive Auseinandersetzung mit den Produkten unerlässlich ist, um guten Gewissens genießen zu können.
Am deutlichsten brachte Werner Lampert, der Erfinder der Bio-Marke „Ja!Natürlich“ diese Problematik auf den Punkt: „Wenn ein Großteil der Bauern unter schrecklichen Bedingungen zu unzumutbaren Preisen für einen gesichtslosen Markt so genannte Lebensmittel produzieren, brauchen wir nicht von Genusskultur reden. Für ihren eigenen Konsum bauen sie sowieso anders an. Das muss jedem zu denken geben, der sich mit Lebensmitteln beschäftigt.“
In die gleiche Kerbe schlug Jörg Wörther, der seit seiner Zeit als 4-Hauben-Koch in Schloss Prie-lau den Ruf eines Produktfetischisten hat: „Gerade als Profis, die regelmäßig im großen Stil einkaufen, können wir uns ein Netzwerk an guten Lieferanten aufbauen. Oft ist das gar nicht eine Frage des Preises, denn bei guten Produkten muss ich auch weniger wegschmeißen.“
Toni Innauer hat sich bereits als junger Sportler unter Baldur Preiml intensiv mit gutem und vor allem gesundem Essen auseinander gesetzt. „Das ist kein Widerspruch. Worauf es jedoch ankommt, ist das Wissen ums Produkt. Vor dreißig Jahren wurden wir als ‚Körndlfresser‘ belächelt, heute sind biologische Vollwertprodukte in praktisch jeder Top-Küche gang und gäbe“, so Innauer. Auch beim Wein erhöht das Wissen zweifellos den Genuss, wenngleich auch Peter Morandell zugeben musste, dass teure Weine vielfach auch nur aus Sozialprestige getrunken werden.
Zum Thema „Dosierung“ war es dann ausgerechnet der als sehr lebenslustig bekannte Musiker Willi Resetarits, der der – zeitweisen – Askese das Wort redete. „Der zeitweise Verzicht erhöht den Genuss. Das gilt für Rauschmittel wie Alkohol genauso wie fürs Essen. Nach drei Wochen fasten kann schon der Gedanke an ein Butterbrot mit Schnittlauch zum Genuss werden“, so Resetarits. Im Anschluss an die Diskussion lud der Tourismusverband Paznaun zur Gala, bei der Willi Resetarits im Rahmen seiner „Weinrevue“ nicht nur gewohnt souverän musizierte, sondern auch mit Fred Loimer und Gernot Heinrich über Wein philosophierte.
www.genusstage-galtuer.com

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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