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Neuanfang: Gastwirt Kurt Fritzer stand vor den Trümmern seiner Existenz.

Gastwirt trotzt Naturgewalten

27.06.2019

Murenabgang: So bewältigte der Wirt der Jausenstation Galitzenkamm in Osttirol den Wiederaufbau und rettete seine Existenz.

 

Der Wasserschaupfad Galitzenklamm bei Lienz in Osttirol lockt viele Touristen an und nährt den Wirt der gleichnamigen Jausenstation gut. Doch eine Mure hätte vergangenen Herbst bald alles zerstört. Am 29. Oktober 2018 brach der Galitzenbach aus und nahm Unmengen von Material mit. Der Schaupfad des Tourismusverbandes wurde fast gänzlich vernichtet, aber auch die Jausenstation wurde mannshoch vermurt. 

„Alle Räume im Erdgeschoß waren betroffen und teils komplett verschüttet“, berichtet Gastwirt Kurt Fritzer: „Jetzt muss ich halt zehn Jahre länger arbeiten, bis ich es mir leisten kann, in Pension zu gehen“, meint der 60-Jährige.

Arg erwischt

Dabei hat es die Familie Fritzer diesmal wirklich arg erwischt. Nicht nur das Lokal, sondern auch ihr Wohnhaus, ein historisches Bauernhaus, wurde bis zum ersten Stock komplett vermurt. Dazu kommt, dass Fritzer schon 1996 einen, wenn auch etwas geringeren, aber dennoch gravierenden Murenschaden überstehen musste. „Damals wurde uns eine Betonmauer und eine Schutztüre vorgeschrieben“, berichtet der Gastwirt. Diese aufgenötigte Maßnahme habe diesmal seine Gastwirtschaft vor der völligen Zerstörung gerettet.

Dennoch war der Schaden enorm. Das gesamte Inventar, Einrichtungsgegenstände und Küchengeräte waren zerstört. Zuvor mussten Schlamm und das Gestein aus dem Räumen händisch herausgeschöpft und rausgekarrt werden. 200 Mann des Bundesheeres haben mit Pickel und Schaufel rund um die Uhr gearbeitet, die freiwillige Feuerwehr der Gemeinde Amlach die finale Aufräumarbeit übernommen. Danach musste man mit Trocknungsgeräten die Feuchtigkeit aus den Räumen kriegen. Erst nach drei Monaten Vorarbeit konnte mit der eigentlichen Renovierung begonnen werden. Allein zehn Tage hat es gedauert, bis der Schutt weg war. „Wir sind zwar gegen Muren versichert, aber das endet bei einem Maximalbetrag von 35.000 Euro, dabei hat allein die Entsorgung der zerstörten Einrichtung 25.000 Euro gekostet“, berichtet der Wirt. Auch die Betriebsausfall-Versicherung greift bei Katastrophenschäden nicht. Es gab zwar die volle Unterstützung des Tiroler Katastrophenfonds, aber auch die ist auf 50 Prozent der Schadenssumme begrenzt. Zudem kommt noch hinzu, dass bei Maschinen nur der Zeitwert ersetzt wird. 

Den geschätzten Neuwert-Schaden – knapp eine Million Euro – hätte die Familie Fritzer wohl nie stemmen können. Doch die Solidarität in Osttirol war groß. Es gab ein Spendenkonto und viele freiwillige Helfer beim Wiederaufbau. Handwerker und Lieferanten standen der Familie zur Seite, und ein befreundeter Monteur einer Küchenbaufirma konnte viele der zerstörten Geräte wieder in Gang bringen. Am 17. April wurde die Jausenstation wiedereröffnet – mit zusätzlichen Schutzmaßnahmen. Schließlich will Kurt Fritzer sein Ausflugslokal für die nächste Generation erhalten. Einen Vorteil hat das Unglück: Das Ausflugslokal ist nun ganzjährig eröffnet. 

Text: Dieter Mayr-Hassler

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