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Gemeinsam sind wir stärker

19.06.2019

Kooperationen zwischen Konkurrenten? Ging lange gar nicht! Doch gerade im Tourismus ergeben sie Sinn. Und auch über die Branche hinaus gibt es Erfolgsbeispiele

Der Mitbewerber als liebster Feind. So kennt man das vielfach. Tue alles, um dem anderen zu schaden, denn es kann nur einen geben. In der Wiener Imbissszene gab es einmal den Infight zwischen Würstelkaiser und Würstelkönig. Es war wie George Foreman gegen Muhammad Ali der Lokalchronik. Letztlich gingen beide k. o. Alle Anstrengung in die Vernichtung der Konkurrenz zu stecken ist natürlich Unfug. Unbestritten ist Konkurrenz die Triebkraft der Marktlogik. Durch das Messen mit dem Mitbewerb entsteht Innovation. Doch nicht nur das. 

Eigentlich ist der Mensch ein Gemeinsschaftswesen, das erklären die Anthropologen und das lässt sich nicht in 150 Jahren Industriezeitalter austreiben. Kooperationen sind also etwas Gutes, wir müssen sie nur umsetzen. Erfolgreiche Betriebe arbeiten eng mit den Lieferanten, mit den Kunden oder sogar mit den Mitbewerbern zusammen. Vor allem im IT-Bereich sieht man immer öfter, dass Konkurrenten gemeinsam innovieren – Peer-to-Peer oder Open Source sind die Schlagworte. Doch nicht nur dort! Auch zwischen Hoteliers oder Gastronomiebetrieben können Kooperationen zwischen vermeintlichen Konkurrenten Synergien freisetzen, wie der Geschäftsführer von Kohl & Partner, Erich Liegl, erklärt. Als Berater hat er schon einige dieser Kooperationen begleitet. „Wenn ich etwas allein nicht schaffe, dann kann ich es oftmals mit dem Nachbarn umsetzen. Am Ende kommt man zu dem Schluss, dass eins plus eins gleich drei ist!“, sagt Liegl im Gespräch mit der ÖGZ. 

Wir-Kultur

Klassiker der Kooperation sind natürlich die Zusammenschlüsse in Vermarkungsgenossenschaften (wie Biohotels, Kinderhotels, Familyhotels, Genießerhotels, Schlosshotels etc.), Einkaufsgenossenschaften wie die Hogast oder Lobbyingvereine wie die ÖHV. Doch gerade in schnelllebigen Zeiten mit vielen neuen Herausforderungen reichen diese klassischen Kooperationen nicht mehr aus. Die Trendforschung spricht von einer neuen Wir-Kultur, die das Wirtschaftsleben (sowie das private) neu definiert (siehe Geschichte auf Seite 6). Offenheit ist ein Schlagwort, das uns in dieses Zeitalter begleitet. Doch Offenheit gegenüber der Konkurrenz – ist das nicht irre? 
Keineswegs, meint Unternehmensberater Liegl. Es geht letztlich um das Miteinanderlernen. „Wieso schaffst du den besseren Preis?“, fragt etwa ein Hotelier der Dolce Vita Hotels in Südtirol den anderen – und bekommt auch eine Antwort darauf. Für Liegl ein Musterbeispiel gelungener Kooperation: „Die Kooperationspartner tauschen sogar die Zahlen aus, schauen sich gegenseitig in die Zimmerpläne und entwickeln Rad- und Wanderangebote für ihre Gäste.“
Ein weiteres Beispiel: Nachdem die Elterngeneration noch harte Konkurrenz lebte, haben sich die Tophotels Obertauern zusammengeschlossen und machen nun gemeinsame Sache. 

Frage der Mentalität 

Doch worauf muss man achten, dass Kooperationen auch gutgehen? Liegl dazu: Durchhaltevermögen und Disziplin seien gefragt. Es gehe um genaue Regeln und deren Einhaltung. Störfaktoren sind Misstrauen und Passivität. Manchmal brauche es auch ein reinigendes Gewitter. 

Was wir bisher betrachtet haben, waren sogenannte horizontale Kooperationen. Also wenn sich direkte Mitbewerber zusammentun. Bei Innovationen und vor allem bei Marktexpansionen spielen die vertikalen Kooperationen eine wichtige Rolle. Hier arbeiten Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen zusammen. Die sogenannten Wirtschaftskooperationen der Österreich Werbung (ÖW) sind ein Beispiel hierfür. Rund 30 solcher Partnerschaften der Tourismusmarke Österreich mit Unternehmen und Konzernen wie ÖBB, AUA, Manner, KTM oder Schlumberger gibt es derzeit. 

Abteilungsleiter Florian Größwang: „Wir suchen nach Partnern, die zur Tourismusmarke passen und die gleichen Zielmärkte und Zielgruppen ansprechen wie wir.“ Kooperiert wird etwa in der Marktkommunikation, durch Produktsponsoring oder Wissenstransfer. 

Online-Marketingkampagne

Ein Beispiel: Zur Produkteinführung der Manner-Schnitten in einer großen niederländischen Supermarktkette gab es eine Geofencing-Kampagne. Urlauber aus 200 heimischen Skigebieten wurden mit Manner-Produkten und Werbemittel abgefangen. Dazu wurden über Geofencing und lokalem Targeting mittels Social Media die digitalen IDs gesammelt. Nachdem die Urlauber wieder zuhause waren, wurde digitale Werbung ausgespielt und die Menschen zur Teilnahme an einem Gewinnspiel motiviert. „Die ÖW sorgte für das Urlaubsgefühl und Manner für das Geschmackserlebnis“, sagt Größwang. Klingt sehr simpel. 
Grundlage einer jeden guten Kooperation sind natürlich die Offenheit und Transparenz. Letztlich ist das eine Frage der Unternehmenskultur. Und ja, Kooperation gibt es nicht nur zwischen Unternehmen. Die wichtigste Form der Kooperation fängt im Unternehmen an: zwischen den Vorgesetzten und den Mitarbeitern. Möglichst flache Hierarchien sind hier gegenüber strikt patriarchisch geformten Betrieben im Vorteil. 

Autor/in:
Daniel Nutz
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