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Gerald Tschida: Der Vielseitige

07.04.2010
Gerald Tschida

In der Nationalparkgemeinde Apetlon, im burgenländischen Seewinkel liegt das mittlerweile 14 Hektar große Weingut Gerald Tschida. Ein in der Region recht verbreiteter Name, der für außergewöhnliche Weine steht – jene von Gerald sind am geradlinigen „T“ in Silber auf Blau auf den ersten Blick erkennbar. „Witzig finde ich, dass Christian Tschida – heute ebenfalls erfolgreicher Winzer – in seinem früheren Hauptberuf als Grafiker mein Logo entwickelt hat,“ erzählte uns der 40-Jährige.

Wein und zurück
Sein eigener beruflicher Werdegang ist jedenfalls mehr als bemerkenswert. Im Weinbau der Eltern aufgewachsen – damals noch viel kleiner und als gemischte Landwirtschaft geführt – , wollte Tschida nach der Weinbauschule etwas ganz anderes machen und nicht gleich in den Betrieb einsteigen. Und so wurde er erst einmal Fahrdienstleiter bei der Bahn. Das war für anderthalb Jahre eine tolle Erfahrung, ebenso wie die Ausbildung zum Filialleiter im Lebensmitteleinzelhandel. „Schon damals faszinierte mich der Umgang mit Menschen, ebenso wie wirtschaftliche Zusammenhänge, zum Beispiel Logistik, Vertrieb und Verkauf. Später studierte ich Wirtschaftspädagogik und arbeitete sieben Jahre als Lehrer an der Vino-HAK in Neusiedl. Viele der heutigen jungen ‚Starwinzer‘ waren meine Schüler.

Wir haben auch heute einen guten Kontakt, und der Austausch mit den Kollegen, das Dazulernen ist für mich immer noch sehr wichtig“, erklärt der vielseitige Winzer. Eines war für ihn immer klar: Irgendwann wollte er zurück zu den Wurzeln, zum Wein – und in seine Seelenlandschaft, den Seewinkel. In der westlichsten Salzsteppe Eurasiens, im vom Neusiedler See und von den Lacken genannten Steppenseen geprägten Weinbaugebiet macht Gerald Tschida seit einigen Jahren Weine, die auffallen, Weine, die eines sicher nicht sind: Lacken oder Pfützen.

Die sensationellen Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe von „Österreichs beste Rotweine“ waren ein guter Grund für einen Besuch. Kleiner Hinweis: Bei der Anfahrt sollte man nicht die Rebschule Tschida mit dem Weingut Tschida in der Rebschulgasse verwechseln …

Besonders beeindruckt waren wir von den tollen Ergebnissen bei Rot- und Süßwein, und waren neugierig. Auch die tolle Mineralik in den Weinen faszinierte uns, wir wollten herausfinden, woher diese auf den meist besonders fruchtbaren Schwarzerdeböden kommen mochte. Früher meinte man ja über den Weinbau in der Ebene im Allgemeinen und im Seewinkel im Besonderen: „Wo ein Pflug kann gehen, soll kein Rebstock stehen.“ Eine etwas undifferenzierte Betrachtungsweise, wie sich zeigen sollte. Denn die Salzlacken heißen nicht nur so, sie haben auch einen recht hohen Salzgehalt, und der Unterboden wird teilweise von Schwemmkegeln aus Schotter gebildet. Wenn der Winzer über die Eigenheiten des Terrains Bescheid weiß, kann er auch hier im Seewinkel das ideale Terroir finden. Q. E. D.


Immer wieder Tschida
Trotz leichter Verspätung empfingen uns Gerald und sein Vater Rudolf sehr herzlich. Der Zweckbau aus den Siebzigern wartet in seinem Inneren mit echten Schätzen auf, dazu gehören auch drei nette Ferienwohnungen – nicht nur für Freunde der Stockenten, Krickenten und Säbelschnäbler, sondern vor allem für Weinfreunde. Am Barriquekeller zeigte sich der Tüftler – Fässer verschiedener Tonnellerien, aus Frankreich und Österreich, aber auch aus Bulgarien (sehr würzig mit Teenote, wie wir bei der Fassverkostung feststellten) sind das Rüstzeug des Winzers, um jedem Wein das individuelle „Rückgrat“ zu verleihen. Gerald Tschida baut seine Weine entweder im Stahl oder im Barrique aus, neu und gebraucht, großes Holz wird nicht verwendet.

Wir verkosteten die 2010-Weißweine vom Tank bzw. Fass, und es zeigte sich wieder: Tschida kann auch weiß. Natürlich kommt der Jahrgang den burgenländischen Weißweinen, wenn schon nicht mengenmäßig, so doch mit seiner frischen Säure im Geschmacksbild zugute: fruchtig  frisch der Welschriesling, fein nussig und mit rassiger Säure der Weißburgunder, der Sauvignon Blanc vom Roten Stein (die einzige Lage im Weingut, die nicht an eine Lacke grenzt und daher etwas kühler) mineralisch mit perfekter Stütze vom Holz. Chardonnay liegt Gerald besonders am Herzen, er baut ihn klassisch (Steppin, eine Wortschöpfung aus Steppe und alpin), mit einem Anteil gebrauchtem Holz (Holabern, 13,5 % Alk., 7,1 g Säure und 6,1 g Restzucker ergeben eine tolle Harmonie) und in internationaler Stilistik aus (Hof, 50 % neues, 50 % gebrauchtes Barriques). Dass seine Rot- und Süßweine durchaus in der „Bundesliga“, vielleicht sogar in der „Champions League“ mitspielen, war uns ja schon bewusst.
www.tschida-wein.at

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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