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Gesetzliches Rauchverbot schadet dem Umsatz

19.01.2007

Ob ein Rauchverbots-Gesetz kommt oder nicht, liegt beim Wirt. Denn sollte sich herausstellen, dass die Zielvereinbarung über die Einrichtung von Nichtraucherbereichen in der Gastronomie nicht umgesetzt wurde, obwohl 18.000 Gastronomen die Vereinbarung unterschrieben und rauchfreie Zonen geschaffen haben, droht ein gesetzliches Rauchverbot. Das Gesundheitsministerium schickt nun seine Kontrollore aus. „Ein Nichtraucher-Kärtchen am Tisch alleine genügt nicht“, so die Ex-Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat.

Eine aktuelle OGM-Umfrage zeigt, dass 70 Prozent der Österreicher für die Einrichtung von Raucher- und Nichtraucherbereichen in der Gastronomie sind. Nur 21 Prozent sind für ein generelles Rauchverbot. Damit ist bestätigt, dass die Österreicher den Weg des Miteinander und der Gemütlichkeit gehen wollen. Sollte ein Rauchverbot kommen, hätte dies Auswirkungen auf das Ausgehverhalten. Neun Prozent der Nichtraucher würden häufiger ausgehen, aber 35 Prozent der Raucher würden seltener ausgehen.
Vereinbarung evaluieren
Im Rahmen der Koalitionsverhandlungen ging es plötzlich auch um das Thema „Rauchverbot in der Gastronomie“, obwohl noch vor der Wahl versprochen wurde, dass man an kein Rauchverbots-Gesetz denkt. „Aktiver Nichtraucherschutz hat oberste Priorität. Nichraucher sollen von Rauchern nicht belästigt werden“, erklärt Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat, die bereits 2004 ein Fünf-Punkte-Nichtraucher-Schutzprogramm präsentierte.
Um ein generelles gesetzliches Rauchverbot in der Gastronomie zu vermeiden, wurde mit der Fachgruppe Gastronomie und Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat eine Zielvereinbarung über die Einrichtung von Nichtraucherbereichen in der Speisengastronomie getroffen. „Ob nun die Gastronomiebetriebe mit über 75m2 Lokalfläche für zumindest 40 Prozent der Sitzplätze Nichtraucherzonen oder Nichtraucherräume anbieten, muss überprüft werden. Wir werden stichprobenartige Kontrollen durchführen, denn ein Nichtraucher-Kärtchen auf einzelne Tische zu stellen genügt nicht. Wir werden sehen, ob sich die Wirte an die freiwillige Selbstverpflichtung halten, und wenn nicht, muss es zu einer Evaluierung der Vereinbarung kommen“, betont Rauch-Kallat und votiert für eine österreichweite Lösung.
„Wir haben in den letzten Monaten noch einmal eine Nichtraucher-Kampagne gestartet und können nun mit Sicherheit sagen, dass die freiwillige Selbstverpflichtung zur Errichtung von Nichtraucher-Bereichen in der Speisengastronomie zu 90 Prozent umgesetzt wurde. Rund 18.000 Betriebe haben die Vereinbarung unterschrieben und dies soll und muss die Politik respektieren. Daher lehnen wir ein absolutes Rauchverbot in der Gastronomie ab“, erklärt WK Obmann der Fachgruppe Gastronomie Helmut Hinterleitner.
Räumliche Trennung
Der Gesundheitsministerin genügt aber nicht nur ein „Nichtraucher-Kärtchen“ am Tisch. Sie fordert eine sichtbare und räumliche Trennung. „Man muss ja nicht alles neu erfinden“, meint Berufsgruppenobmann der Wiener Kaffeehäuser Maximilian K. Platzer, denn Rauchverbote gab es schon immer und verweist gleichzeitig auf die historischen Rauchsalons. „In den Hotels der Jahrhundertwende gab es Rauchsalons, in den gutbürgerlichen Häusern gingen die Herren in die Bibliothek rauchen und die Damen in den Salon auf einen Kaffee.“
Umsatzrückgang
Sollte ein Rauchverbot kommen, so befürchtet die heimische Gastronomie Umsatzeinbrüche. „Nun hat sich auch wirtschaftlich bestätigt, was wir schon lange befürchtet haben: Rauchen schadet dem Umsatz. Obwohl uns immer wieder Italien und Irland als positive Beispiele vorgestellt werden, gibt es nun bereits Zahlen, die belegen, dass es in der Unterhaltungs- und Eventgastronomie Umsatzrückgänge von bis zu 30 Prozent gibt“, erklärt der Fachgruppenobmann der Wiener Kaffeehäuser, Günter Ferstl. „In manchen Betriebsformen wird es zu Umsatzeinbrüchen kommen“, ist auch Helmut Hinterleitner überzeugt; und sollte das derzeit von SPÖ und ÖVP angedachte generelle Rauchverbot kommen, sieht er darin nicht nur einen klaren Bruch der Vereinbarung, sondern auch die Bedrohung des Kulturguts Wirtshaus und Kaffeehaus. „Natürlich ist die Ideallösung ein Nichtraucher-Lokal. Aber es sollte zumindest einen rauchfreien Raum geben. Es gibt auch Leute, die gerne ins Kaffeehaus gehen und nicht rauchen. 70 Prozent der österreichischen Bevölkerung sind Nichtraucher“, so die Gesundheitsministerin und betont: „Ich möchte mit Rauchverboten keineswegs die Gastronomie schädigen. Meinen Informationen nach gab es in Italien anfangs leichte Umsatzeinbußen, aber dies hat sich bald normalisiert, und heute kommt es bereits zu Absatzsteigerungen in der rauchfreien Speisengastronomie.“
Dass es zumindest einen rauchfreien Raum beziehungsweise eine sichtbare Trennung zwischen Rauchern und Nichtrauchern geben wird, davon sind die Funktionäre der Wirtschaftskammer überzeugt. „Ich habe vor mehr als einem Jahr einen echten Nichtraucherbereich geschaffen, aber keinen Extraraum. Gleichzeitig habe ich die Lüftungs­anlage ­modernisiert. Aber da immer öfter von einer optischen Trennung zwischen ­Raucher- und Nichtraucherbereich gesprochen wird, werden wir bald Glasscheiben zwischen den beiden Bereich aufstellen ­müssen“, vermutet Maximilian Platzer. Egal was passiert, es kostet Geld. Wer die Kosten dafür trägt, ­darüber muss erst ver­handelt werden. „Ob es Steuer­erleichterungen oder Betriebsunter­stützungen gibt, kann ich nicht sagen. Dies wird Gegenstand von Verhandlungen sein und darüber ­müssen die Interessensvertreter der Gastronomie mit dem Finanzministerium verhandeln“, meint Maria Rauch-Kallat.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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