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Gesundheitsfaktor Alpen

13.07.2005

Beim ersten Zukunftsforum in Lech referierten und diskutierten hochrangige Vertreter aus den Bereichen Medizin, Wissenschaft, Technik und Wirtschaft.

Gleichgültig ob die Referentin aus Sicht der Sozialmedizin Fakten erläuterte, der Referent sich als profilierter Unternehmensstratege einbrachte, den Lifestyle der Menschen über Fünfzig vertrat, auf gesundheitswissenschaftlicher Basis das Thema anging oder die Vermarktungsseite ins Kalkül zog – der Tenor war stets derselbe: Urlaub in den Bergen ist Präventivmedizin und ein ernstzunehmendes Thema für die Zukunft der alpenländischen Tourismusbetriebe. Das geht auch konform mit den Forschungsergebnissen von Univ.-Prof. Dr. Egon Humpeler, der seit 1995 die AMAS-Höhenstudie leitet, und die Forumsmitglieder aus drei Nationen – Österreich, Deutschland, Schweiz – und Repräsentanten aus allen in diese Thematik involvierten Gruppen eingeladen hat.

Anti-Aging
Umfangreiche Studien der AMAS beweisen, dass Wandern in den Bergen beschleunigte Alterungsvorgänge auf ein Normalmaß hinuntereduzieren kann. Ein Resultat der jahrelangen AMAS-Studien ist Welltain® – eine Marke für Tourismusbetriebe in den Alpen von Univ.-Prof. Dr. Humpeler. Der Name Welltain® leitet ab von „Wellbeing in the mountain“ – „Ich fühle mich wohl in den Bergen“ – und ist ein Programm, das derzeit in Lech und Zürs angeboten wird. Kompetenz und Seriosität des Programms werden über die sportwissenschaftliche Seite durch Coaches gewährleistet.

Gegen Managerkrankheiten
Laut Prof. Dr. Fredmund Malik, Verwaltungsratspräsident am Management Zentrum St. Gallen/Schweiz und Verfasser zahlreicher Bücher, zählen Manager zu den größten „Selbstschädigern“. Urlaub in den Bergen schaffe nicht nur den Ausgleich vom Dauerstress, sondern sei gleichzeitig ein hilfreiches Lernprogramm für einen der wichtigsten Berufe in der heutigen Gesellschaft. Als bevorzugte präventivmedizinische Maßnahme gegen das metabolische Syndrom sieht Univ.-Prof. Dr. Anita Rieder ebenfalls Bewegung in den Bergen. Die als Stoffwechselentgleisung definierte Krankheit der letzten Jahre tritt am häufigsten im mittleren Management auf.

Corporate Activity
Dr. Rolf A. Hanssen, ehemaliger Generaldirektor von Daimler-Benz, präsentiert „Corporate Activity“, ein Leitbild neuer deutscher Unternehmenskultur, dem namhafte Großkonzerne wie Daimler, Siemens, BASF, Bertelsmann, BMW, Bosch, Deutsche Bank, O2 GmbH angehören. Ein Arbeitskreis aus den beteiligten Großunternehmen soll den Betriebssport weiterentwickeln und neue Maßstäbe setzen. Dazu gehört auch, dass Führungskräfte und Mitarbeiter bereit sind, in ihrer Freizeit und im Urlaub gesundheitsfördernde Aktivitäten mit einzubauen. Hier ergeben sich interessante Ansatzpunkte für den Tourismus.
Über die Unternehmen können wichtige Impulse in Richtung gesundheitlicher Eigenverantwortung in der Freizeit – sprich auch Urlaub – gegeben werden. Wichtig für die Tourismuswirtschaft in diesem Zusammenhang wäre auch das Zusammenspiel der politisch Verantwortlichen bezüglich Ferienordnung und Verkehrsregelung.
Dir. Mag. Dr. Martin Rieder von der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft unterstreicht diesen Trend mit der jüngsten Aktion „Gesundheitshunderter“ für gesundheitsbewusste Unternehmer und der Gesundheitswoche für Unternehmer unter dem Motto „Handeln statt Behandeln“.

Die Marke
Das Thema habe das Potenzial, ein wichtiger Bestandteil im österreichischen Sommertourismus zu werden, sieht Dr. Arthur Oberascher, Geschäftsführer der Österreich-Werbung, das Alpenwanderprojekt. Er weist auf die Gefahren in der Vermarktung hin. Besonders der Gesundheitsmarkt sei anfällig für eine überholte produktionsorientierte Denkweise. Die Kundenorientierung mit einem Qualitätsangebot, das in die Tiefe gehe, sei das Gebot der Stunde. In einem Gespräch mit verantwortlichen Marketingstrategen aus Frankreich, Spanien und Italien über internationale Konkurrenz, hätten diese erklärt, so der ETC-Präsident: „Wir definieren Qualitätsstandards und nehmen nur noch die Besten!“

Wearable computing
Ausblicke in die Zukunft für das „gewisse Extra“ schenkte Prof. Dr. Paul Lukowicz von der UMIT. Machbar wären bereits Sensoren und Elektroden in Schuhen, T-Shirts, Gürtel oder Rucksackriemen, unauffällig eingebaut in Knopfgröße oder im Gewebe, um Muskelbewegungen zu erfassen, Gehweisen zu dokumentieren und analysieren. Über Brillen-Display oder Headset können Tipps zur Schrittlänge und so weiter gegeben werden. Erste Erfolge haben neueste Forschungen in der Ernährungsüberwachung gebracht: Mit einer Art Hörgerät können über die erfassten Kaugeräusche Rückschlüsse auf die richtige oder falsche Nahrungsaufnahme gezogen werden.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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