Direkt zum Inhalt
Was bedeutet die Gleichstellung von Arbeitern und Angestellten für die Hotellerie und Gastronomie?

Gleichstellung von Arbeitern: Was bedeutet das?

18.10.2017

Arbeiter/Angestellte: Gleichstellung bringt Mehrkosten. Aber Ausnahmen für Tourismusbranchen.

Kurz vor seiner Auflösung setzte der Nationalrat mit den Stimmen von SPÖ, FPÖ und Grünen die Anpassung von Arbeiter- und Angestelltenrechten um: Mit großen Auswirkungen auf die Tourismusbranche (mit rund 70 Prozent Arbeiter-Verträgen). Es gibt aber, ebenso wie für die Baubranche, Ausnahmen. Ein kurzer Überblick der Neuerungen: 

Kündigungsfristen 

Prinzipiell wird es ab 2021 einheitliche Kündigungsfristen für Arbeiter und Angestellte geben. Wobei Arbeiter auf die längeren Fristen der Angestellten angepasst werden. Für Saisonbranchen wie den Tourismus gilt hier eine Sonderregelung, die in den anstehenden KV-Verhandlungen noch definiert werden muss. Sprich, es bedarf einer Einigung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. 

Entgeltfortzahlung 

Arbeiter wie Angestellte erhalten bereits ab dem zweiten Arbeitsjahr einen Entgeltfortzahlungsanspruch im Krankenstand für acht Wochen. Neu ist auch, dass bei einer einvernehmlichen Lösung der Arbeitgeber über das Ende des Arbeitsverhältnisses hinaus die Entgeltfortzahlung zu leisten hat.
Lehrlinge erhalten nun bis zu acht Wochen die volle Lehrlingsentschädigung (bisher waren es vier Wochen), danach bis zu weiteren vier Wochen die Differenz zwischen der vollen Lehrlingsentschädigung und dem gesetzlichen Krankengeld (bisher zwei Wochen). Die Änderungen zur Entgeltfortzahlung treten bereits im Juli 2018 in Kraft. 

Dienstverhinderung

Auch für Arbeiter gilt künftig die Generalklausel „wichtiger persönlicher Grund“ für eine Dienstverhinderung. Ein Beispiel: Wenn der Flughafen des Urlaubslandes wegen Terror geschlossen wird und ein termingerechter Rückflug verhindert wird.

Das Sozialministerium beziffert die Mehrkosten für Unternehmen (aller Branchen) mit 27 Millionen Euro. Eine Schätzung, die viele Unternehmensberater als sehr gering einstufen. Vor allem bei den Kündigungsfristen steigt nicht nur der finanzielle Mehraufwand über die Entgeltfortzahlung, sondern auch der Administrationsaufwand. Für die Tourismusbranche kann man hier erst nach den oben erwähnten KV-Gesprächen eine Prognose wagen.   

Neuerungen, die für die Gastronomie und Hotellerie durchwegs positive Effekte haben, sind die Refundierung der Internatskosten für Lehrlinge aus dem Insolvenzentgeltfonds und die Streichung der Auflösungsabgabe bei der Beendigung von Dienstverhältnissen. Beide Neuerungen treten 2018 in Kraft. 

In einer Stellungnahme verweist die Hoteliervereinigung (ÖHV) auf die Wichtigkeit von konstruktiven KV-Gesprächen, welche die derzeitigen Regelungen so weiterentwickeln, dass Betriebe und Arbeitsplätze eine Zukunft haben. Eher noch im Wahlkampfmodus zeigt sich dagegen Franz Hörl, Landesobmann des Tiroler Wirtschaftsbundes und Landeslistenzweiter der ÖVP bei den Nationalratswahlen. Er fordert den Stopp aller aktuellen Kollektivvertrags-Verhandlungen.

Autor/in:
Daniel Nutz
Werbung

Weiterführende Themen

Hotellerie
25.07.2019

Geht es nach den Plänen von Wien Tourismus, dürfen Privatvermieter auf Airbnb und Co künftig nur mehr 90 Tage im Jahr anbieten. 

Gastronomie
17.07.2019

Mehr arbeitslose Kellner als offene Stellen gibt es in Salzburg und Vorarlberg. Allerdings gibt es zahlreiche Berufe mit größerem Fachkräftemangel als in der Gastronomie.

Neben Abfahrten geht es am Bike im Eggental auch gemütlich zu.
Tourismus
11.07.2019

Durch sein Mountainbike-Angebot gewinnt das Südtiroler Eggental viele neue junge Gäste. Der rechtliche Rahmen macht dabei einiges einfacher als in Österreich.

Tourismus
03.07.2019

Stadttouren durch Amsterdam werden als Hochzeit mit einem Einheimischen inszeniert.

Ein autonomes Flugtaxi im Einsatz.
Tourismus
03.07.2019

In Kärnten wird jetzt erprobt, wie man Drohnen und Flugtaxis einsetzen kann.

Werbung