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Grüner Veltliner Superstar

06.07.2005

Im Jahr 1988 besuchte ich erstmals Schloss Gobelsburg und verkostete mit dem damaligen Kellermeister Pater Bertram Grüne Veltliner zurück bis 1947 – der aktuelle Jahrgang 1987 war ja nicht besonders charmant.

Als junger und manchmal missionarischer Weinimporteur hatte ich eine feste Meinung über den Veltliner, und die war bis zu diesem Erlebnis nicht besonders positiv. Die „Altweine“ glänzten mit Frucht, Frische und Feinheit, und ich war ehrlich erstaunt.

Im selben Jahr begann ein bis dahin eher als Heurigenwirt bekannter junger Winzer im südlichen Weinviertel mit einem „Tabu-Bruch“, der heute einen eigenen Veltliner-Stil darstellt: Roman Pfaffl baute als erster einen Grünen Veltliner im Barrique aus und bewies damit sein Vertrauen in die Sorte auch bei höheren Gradationen.
Zehn Jahre später war wieder ein entscheidendes Jahr für die Karriere des Grünen Veltliners. Im Botrytisjahr 1998 trat er den Beweis an, auch als hohe Prädikate große, eigenständige Weine hervorzubringen, die bei aller Opulenz immer noch die klassische Würze zeigen. Damals gab es etwa in der Wachau auf einmal auch bei den berühmten Weingütern Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen, einzig Knoll hatte in dieser Disziplin vorher einige Tradition. Man begann sich auch wieder einer Weinviertler Spezialität, dem Eiswein vom Veltliner, wohlwollend zuzuwenden. Im selben Jahr fand im Restaurant Korso eines der ersten heute so beliebten „Wein-Ländermatches“ statt.

Zu dieser Art von Degustation mag man aus fachlicher Sicht geteilter Meinung sein, fest steht jedenfalls: Nach dem Motto Chardonnay & Co. wurde von einer Runde internationaler Weinjournalisten blind verkostet. Was die Koster nicht wussten: Das Co. war der Veltliner, von dem einige „Piraten“ in die Serie „eingeschmuggelt“ wurden. Auf dem Stockerl landeten Bründlmayer, Knoll und Hirtzberger und Le Montrachet von Romanée Conti nur im Mittelfeld. Als dann Ende 2001 von der einflussreichen Weinjournalistin Jancis Robinson und ihrem Kollegen Tim Atkin im Londoner Groucho Club eine ähnliche Veranstaltung abgehalten wurde, kam endgültig der internationale Durchbruch. Grüner Veltliner – das war auf einmal ein Zauberwort.
Der GV stammt zwar nach genetischen Untersuchungen vom edlen, uralten Traminer ab, ebenso wie Sauvignon und Burgunder übrigens, kann aber selber keinen langen Stammbaum vorweisen: Erst ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts taucht die heutige Nationalsorte in den Aufzeichnungen auf. Ausgerechnet in der Steiermark wurde der Name Grüner Veltliner als Synonym für Grünen Muskateller, Manhartsrebe oder Weißgipfler erstmals erwähnt. Der Name Weißgipfler wird heute noch manchmal gebraucht; er kommt daher, weil der charakteristische Blattaustrieb von einem weißen Flaum bedeckt ist.

Damals waren im nördlichen Niederösterreich, dem heutigen Kernland der Sorte, die größten Flächen mit Braunem, Rotem und Führotem Veltliner bepflanzt. Die nicht verwandten Sorten wurden erst nach dem ersten Weltkrieg sukzessive vom Grünen Namensvetter verdrängt. Mit der Hochkultur nach Lenz Moser verbreitete sich der GV in nicht einmal einem halben Jahrhundert zur wichtigsten Sorte Österreichs und hat etwa auch im Burgenland den höchsten Anteil aller Weißweinsorten an der Rebfläche.

Im Weinviertel ist die Dominanz des Grünen Veltliners mit über 50% der Fläche überwältigend. Im größten Weinbaugebiet mit seinen kleinteiligen Strukturen, der meist nicht geschlossenen Rebfläche und der größten geologischen Vielfalt des Landes war der Veltliner lange Zeit hoffnungslos unterschätzt, Stichwort Sektgrundwein und Brünnerstraßler. So war die Einführung der ersten kontrollierten Ursprungsbezeichnung mit dem Weinviertel DAC sowohl ein Segen für die Sorte, weil ein klares Quality-Management implementiert wurde, als auch für die Region, weil damit erstmals eine Markenpolitik möglich wurde. Der Wandel im Weinviertel begann erst vor wenigen Jahren, etwa als im Jahr 1999 mit Schloss Maissau erstmals ein Produzent die Herkunft betonte. Als die Eigentümer des Schlosses die dazugehörigen fünf Hektar Veltliner in besten Berglagen verpachten wollten, taten sich der Strasser Winzer Johann Topf und Josef M. Schuster, Leiter des Weinhandels beim Wiener Spezialisten Del Fabro, zusammen. „Ich bin aus Maissau und interessiert, dass aus meiner Heimatgemeinde guter Wein kommt,“ sagte sich Veltliner-Fan Schuster. Er konnte die Schlossweine, von denen es jedes Jahr nur zwei gibt, bestens positionieren: Schloss Maissau Grüner Veltliner als idealtypisches Mittelgewicht und Schloss Maissau Grüne Veltliner Reserve, der immer erst im Folgejahr ausgeliefert wird: Ein charaktervoller, tabakiger, in der Jugend etwas ruppiger Wein, der einfach Zeit braucht und heute in den besten Restaurants zu finden ist. Hans Topf, Initiator des Kamptaler GV-Projekts, hat in Zusammenarbeit mit Prof. Helmut Redl/BOKU Wien in der Ried Wechselberg einen Versuchsweingarten angelegt, in dem 22 Klone auf vier verschiedenen Unterlagsreben wachsen. Ab 2006 wird mit jedem Klon eine Mikro-Vinifikation durchgeführt, um den idealen „Kamptaler Veltliner-Typus“ zu ermitteln.

Ernest Großauer, Kellermeister von Lenz Moser, erklärt, wie der GV zur Nr. 1 wurde: „Erforderlich sind eine ausreichende Wasserversorgung, schwere Böden und kühle Nächte zur Bildung des ausgeprägten Aromas. Dieses Zusammenspiel ist in Österreich ideal. Der Veltliner ist die Rebsorte mit dem größten genetischen Potential. Er liefert vom Landwein mit 14° bis zur TBA mit über 30° KMW ausgereiftes Traubenmaterial mit hoher physiologischer Reife. Nicht der Zucker allein bestimmt sein Potential. Und dass er das Geschmacksbild der Österreicher trifft und auch noch bestens mit unseren Lieblingsspeisen harmoniert, ist nur mehr das Tüpfelchen auf dem I. Um in der Sprache des Sports zu bleiben: Er ist der perfekte Zehnkämpfer und in der Lage, den Olymp der Weinwelt zu erobern.“

Walter Tucek

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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