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Ein Hektar Hopfen macht 1.000 Stunden Arbeit.

Grünes Gold

10.09.2015

Der Hopfen ist die Seele des Bieres, sagt man. Die ÖGZ hat sich im Waldviertel auf Spurensuche begeben und die Ernte beobachtet

Zwettler-Braumeister Heinz Wasner (r.) ist vor Ort, wenn es an die Hopfenernte geht.

Text und Fotos: Alexander Grübling

Die Alphasäure dürfte mengenmäßig geringer ausfallen, weil der Hopfenertrag heuer schlechter ist als letztes Jahr, die Hopfendolden sind deutlich kleiner", sagt Heinz Wasner, Braumeister der Zwettler Brauerei. Sorgenfalten hat er deshalb keine. Der Rekordsommer hat vielleicht Betreiber von Freibädern gefreut, aber sicher nicht die Hopfenbauern. Denn Hopfen mag es klimatisch lieber rau, er braucht auch Bodenfeuchte. Und er liebt Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht. Und davon war dieser Sommer weit entfernt. Auch im Waldviertel, wo seit 1987 Hopfen angebaut wird und das dafür ein optimales Klima bietet, war es heuer kein Hopfenjahr.

Der Bitterwert zählt

Der Hopfen, der hier im Waldviertel in der Region Zwettl geerntet wird, kommt nach Neufelden zur oberösterreichischen Hopfenbaugenossenschaft. „Dort wird der getrocknete Hopfen vermahlen, Stängel und Blätter werden aussortiert und in Pellets gepresst. Dann wird er analysiert", erklärt der Braumeister. Um also den gewünschten Bitterwert für die jeweiligen Biere zu erreichen, müsse man heuer vermutlich mehr Hopfen verwenden als etwa im Vorjahr. Der für die Brauer wichtige Inhaltsstoff ist aber das Lupulin. Nimmt man eine Hopfendolde in die Hand und hebt die Tragblätter an, so sieht man Harzkügelchen, aus denen man das gelbe Lupulin gewinnen kann. Dieses wirkt nicht nur als Geschmacksstoff, sondern auch als Konservierungsmittel (das hat seit hunderten Jahren vermutlich sehr vielen Menschen das Leben gerettet hat, Anm.).

Grundsätzlich wird zwischen Bitterhopfen- und Aromahopfensorten unterschieden. Hier in der Region Zwettl werden die Aromahopfensorten „Zwettler Perle" und „Hallertauer Tradition" angebaut, außerdem der Bitterhopfen „Magnum".

Aromahopfen hat ein deutlich geringeres Bitterungspotenzial als Bitterhopfen. Und hier kommt wieder die eingangs erwähnte Alphasäure (α-Lupulinsäure) ins Spiel: Denn diese ist im Brauprozess für die Bitterung des Bieres von Bedeutung; wohingegen die β-Lupulinsäure (Lupulon) für die Geschmacksaromen wichtig ist.

Die Qualität muss deshalb nicht gelitten haben. „Es sind heuer relativ kleine Dolden, beim Magnum sind die Dolden normalerweise doppelt so groß. So ein extremes Jahr hatten wir noch nie. Andererseits war der Schädlingsdruck praktisch nicht vorhanden, was für die Qualität sehr gut ist", sagt Hopfenbauer Franz Schmied.

Letztes Jahr fuhren die Zwettler Hopfenbauern aber eine gute Ernte ein. „Da haben wir unsere Lager aufgefüllt. Der Hopfen wird also nicht knapp, auch wenn die Ernte heuer mengenmäßig nicht so ausfallen wird wie sonst", freut sich Braumeister Wasner über seine letztjährige Einkaufsstrategie. Wird Bier teurer, fragt man sich angesichts der europaweiten Ernteeinbußen, die auch das weltweit größte, zusammenhängende Hopfenanbaugebiet in der Hallertau in Bayern betreffen? Was Zwettler Bier angeht, eher nicht. Davon geht zumindest der Brauereieigentümer aus. „Nein, wir werden 2016 unsere Preise wahrscheinlich nicht erhöhen", sagt Karl Schwarz. Das freut uns natürlich.

www.zwettler.at

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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