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Abschlusszeremonie im Volksgarten.

Gute Idee: Europareise an einem Tag

29.05.2018

Mit einer Reise durch 15 verschiedene Länder in der Wiener Innenstadt will der preisgekrönte Event „Routes“ Europa näherbringen. Die ÖGZ war dabei und hat Whiskey gekostet, gesungen und Lego gebaut

Jack Holmes scherz über den Brexit.
80 Freiwillige sorgten dafür, dass die 700 Teilnehmer durch die Wiener Innenstadt kamen.
"Routes"

fand 2018 in Wien bereits zum dritten Mal statt. Die Intention: Europas Vielfalt erlebbar zu machen und für einen europäischen Austausch zu sorgen. Diesmal waren mit Dänemark, Bulgarien, Irland, Großbritannien, Portugal, Italien, Spanien, Frankreich, Belgien, Polen, Schweden, Finnland, Niederlande, Schweiz und Deutschland 15 Länder-Stationen dabei.

Jack Holmes schafft es, zu jedem Thema eine lustige Miene zu ziehen. Brexit? „Ich muss mir jetzt eben eine Frau suchen, um ein Arbeitsvisum zu bekommen“, scherzt der britische Comedian. Leider habe das mit den Damen schon vor dem Brexit nicht so gut funktioniert, schießt er nach. Lachen im Publikum, das sich im Keller eines klassischen Wiener Ringstraßencafés versammelt. Der Brexit ist für die Leute hier eine üble Sache. Da hilft es, sich darüber lustig zu machen.  

Die andere Führung

Was geht hier ab? Jack Holmes’ Comedy-Show, die den klassisch schwarzen Humor der Briten näherbringt, ist einer von 15 Standorten von „Routes – Die Europareise in Wien“. In dieser umgekehrten Länderreise geht es darum, unterschiedliche europäische Nationen und deren Kulturen in Wien vorzustellen. Schaffst du es nicht nach Bulgarien, kommt Bulgarien eben in Form eines kyrillischen Schreibworkshops in deine Stadt, lautet das Motto.  
„Wir alle sind Europa, die Menschen, die Länder, die Kulturen“, sagt Initiatorin Katharina Moser. Da die Idee einer gemeinsamen europäischen Kultur, einer gemeinsamen Identität, einer Öffentlichkeit schon einmal stärker ausgeprägt war, scheint es genau diese Idee zu brauchen. Das Angebot ist eine Gegenstimme in einer Zeit, in der Populisten und Nationalisten immer lauter werden und Einfluss auf den Europa-Diskurs bekommen. Vergangenen Herbst erhielt „Routes“ den Innovationspreis des Corps Touristique Austria. 

Freier Eintritt für alle

Mehr als 700 Besucher sind bei der dritten Auflage von Routes dabei. Bei freiem Eintritt. Finanziert wird das Projekt über Sponsoren. Für Moser wichtig: „Wir wollen, dass es keine Zugangsbarrieren gibt.“ Den Teilnehmern und Teilnehmerinnen stehen insgesamt sechs unterschiedliche Routen mit je drei Länder-Stationen zur Auswahl. Die ÖGZ meldet sich für die englischsprachige Tour „For English Lovers“ an. In einer rund 25-köpfigen Gruppe, bestehend aus Menschen unterschiedlicher Herkunft, schlängeln wir uns durch die aufgeheizten Gassen der Innenstadt. „I like European culture, man“, sagt ein Kalifornier. Doch Europa, was ist das? Mehr als die Summe der einzelnen Nationalstaaten? 
Neben der britischen Comedy-Show steht ein Event in der Schottenbastei auf dem Programm. Die Iren hätten es gegründet, lernt man. Interessant. Im angenehm kühlen Keller werden die Gäste sogleich mit Irish Whiskey empfangen, um sich dann gemeinsam mit einer dreiköpfigen Band um den Songwriter Shane Ó Fearghail ans Komponieren eines neuen Songs zu machen. Beeindruckend, dass die Gruppe schnell die Hemmung verliert und gemeinsam mit den Musikern munter drauflos singt. Vielleicht half auch der Whiskey, letztlich endete es in einem multikulturellen Kreativprozess. 
Je länger die Tour dauert, desto besser kommen auch die Teilnehmer untereinander ins Gespräch. Natürlich ganz im Interesse der Initiatorin. Sie wolle Menschen Europas Kulturen persönlich näherbringen und den Kontakt der Menschen stärken, erklärt Moser eines ihrer Motive hinter dem Projekt. Sie selbst habe Menschen aus anderen Ländern über ein Studienaustausch-programm kennengelernt. Wer diese Möglichkeit nicht habe, solle durch Routes zumindest einen kleinen und stets unterhaltsamen Einblick in andere Kulturen bekommen. 

Legospielen schweißt zusammen

Auf der dritten Station bekommt dann jeder ein Sackerl mit Lego-Steinen in die Hand gedrückt. Lego? Klar, Dänemark! In einem Raum der Universität Wien steht Jesper Jensen und sagt den Teilnehmern, sie sollen mittels ihrer Legosteine einen Entwurf von Europa bauen. Und dann in der Runde diskutieren. Klingt komisch, funktioniert aber gut. Kein Wunder, die Methode „Serious Lego Play“ wird in Kreativprozessen großer Unternehmen eingesetzt. Also so gesehen auch ein guter Tipp für alle Entscheider in Unternehmen. 

Wie soll es mit Routes weitergehen? An Ideen mangelt es Moser und ihrem Team – darunter 80 Freiwillige – nicht. Zunächst soll weiter am Finanzierungsmodell gearbeitet werden. Derzeit kooperiert man mit einer Vielzahl an institutionellen Partnern. Mit an Bord sind vier bis fünf Ministerien, Botschaften, Kammern oder andere Verbände. Die administrative Arbeit nimmt viele Ressourcen in Anspruch. Moser wünscht sich für die Zukunft so etwas wie einen Hauptsponsor, dann könne man auch den nächsten Schritt in der Projektentwicklung tun. 

Ideen gebe es ja einige, sagt Moser. Auch der Life Ball habe schließlich klein angefangen. Man merkt, Moser will hoch hinaus. Routes soll eine Wiener Marke für europäische Vielfalt werden. Und dann gebe es noch die Idee, das Konzept in anderen europäischen Städten umzusetzen, meint die Initiatorin. Sie wolle Partner suchen, die gemeinsam Verantwortung für den europäischen Gedanken übernehmen. Letztlich gehe es auch um die Zukunft des gemeinsamen Wirtschaftsraumes, für dessen Stärkung Unternehmen doch eintreten müssten, meint Moser. 

Mit dieser Vorstellung geht es dann zur letzten Station von Routes. Im Wiener Volksgarten befindet sich die Station „Europa“. Die Teilnehmer heften ihre Wünsche an Europa an Luftballons. Dann geht der Abend in eine Party über. Gemeinsam Europa feiern – ein passender Abschluss.

Autor/in:
Daniel Nutz
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