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Gute Konjunktur hebt die Stimmung

06.09.2007

Die steigende Konjunktur lässt die Mundwinkel der Beschäftigten nach oben klettern: Auch im Tourismus ist der wirtschaftliche Optimismus gestiegen. Das ergibt der Arbeitsklimaindex Tourismus, der vom Institut für empirische Sozialforschung (IFES) bereits zum dritten Mal im Auftrag von AK Wien und Lebensgewerkschaft vida, früher HGPD, erstellt wurde.

„Der Tourismus ist eine klassische Frauenbranche mit hohem Teilzeit- und ArbeiterInnenanteil“, fasst IFES-Experte Georg Michenthaler die Ergebnisse der Studie zusammen. Der Frauenanteil beträgt 62 Prozent, in anderen Sektoren nur 48.

Der Experte weiter: „Mit 111 Punkten ist die Arbeitszufriedenheit in der Branche seit letztem Jahr gestiegen und liegt gleich hoch wie bei anderen Berufen.“ Allerdings seien die Tourismusbeschäftigten mit der Höhe ihres Einkommens, das deutlich unter dem Durchschnitt liegt, unzufrieden: „Gerade Teilzeitbeschäftigte, Frauen und niedrig Qualifizierte sind pessimistisch, was ihre Altersvorsorge betrifft.“

Unzufriedenheit mit dem Einkommen
Ingrid Moritz kann das verstehen: „Die Branche ist gekennzeichnet durch geringe Entlohnung, fehlende Karriereperspektiven, hohe Anteile an Saisonbeschäftigung und familienunfreundliche Arbeitszeiten.“ Die Sonderauswertung des Arbeitsklimaindex zeige, dass Frauen mit Einkommen und Karrieremöglichkeiten weniger zufrieden sind als Männer: „Doppelt so viele Frauen wie Männer sind gar nicht zufrieden mit dem Einkommen. Bei den Frauen sind es 23 Prozent, bei den Männern elf Prozent.“
Dazu kämen wenig berufliche Perspektiven und familienunfreundliche Arbeitszeiten: „Wir finden in der Branche vor allem junge Menschen ohne eigene Familie. Beschäftigte, die in Partnerschaft leben, machen im Tourismus laut IFES-Studie lediglich 54 Prozent aus, in den anderen Branchen hingegen 62 Prozent.“

Du wirst nichts,hast aber einen Job
„An Karrieren vom Tellerwäscher zum Millionär, vom Stubenmädchen zur Millionärin ist im heimischen Tourismus nicht zu denken“, schlägt vida-Vorsitzender Rudolf Kaske in eine ähnliche Kerbe: „Es gilt die Devise: Du wirst nichts, hast aber einen Job!“ Kaske erklärt daher: „Jung sein ist ein tolles Lebensgefühl, Erfahrung im Job bringt dem Betrieb aber auch wirtschaftliche Vorteile. Wir müssen die Flucht aus der Branche stoppen und sie für Arbeitnehmer wieder attraktiv machen. So viele Kolleginnen hätten die Qualifikationen in Toppositionen zu arbeiten. Nur wenn jetzt in Aus- und Weiterbildung investiert wird, können wir Tourismusweltmeister bleiben.“

Größter Lehrlingsausbildner
Postwendend kam die Antwort von WKO-Spartenobmann Johann Schenner. Denn er kann den Ergebnissen des aktuellen „Arbeitsklima-Index Tourismusbeschäftigte“ wenig abgewinnen. Gerade im Tourismus gebe es für junge Leute „exzellente Karrierechancen“.
Die Tourismus- und Freizeitwirtschaft sei mit einem Anteil von 12,2 Prozent einer der größten Lehrlingsausbildner in Österreich, so der Spartenobmann laut heutiger Pressemitteilung. „Wenn Kaske meint, der Slogan ‚Karriere mit Lehre‘ stimmt im Tourismus nicht, liegt er nicht richtig.“ Auch der Vorwurf, der Tourismus sei „die Branche mit dem geringsten Einkommen“, will Schenner relativiert wissen, ebenso wie den Begriff der „Fluchtbranche“. Es solle nicht vergessen werden, dass neben der Entlohnung, die häufig über dem Kollektivvertrag liege, oftmals freie Kost und Unterkunft geboten würden.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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