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Höchstarbeitszeiten in der EU

Höhere Tageshöchstarbeitszeiten bringen mehr Flexibilität, nicht mehr Arbeit

18.06.2018

Michaela Reitterer, Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), begrüßt den Antrag die Entwürfe der Regierungsparteien für Arbeitszeit- und Arbeitsruhegesetz: „Sie orientieren sich an der Praxis. Viele freut das, andere irritiert es ein wenig. Aber auch sie werden als Gäste schätzen, was viele Mitarbeiter seit Jahren fordern.“ Die Angst vor längeren Arbeitszeiten sei unbegründet: „Die Jahresarbeitszeit sinkt seit Jahren kontinuierlich. Kein Gesetz kehrt diesen Megatrend um“, ist die Branchensprecherin überzeugt. Auch von Seirten der WKÖ wird der Antrag der regierung begrüßt.

Mitarbeiter sitzt am längeren Ast

Das neue Gesetz bietet mehr Möglichkeiten, speziell Saisonbetrieben mit der flexibleren Handhabe der Nachtruhe: „Und fällt sie einmal kürzer aus, wird sie später ausgeglichen.“ Das sei kein Grund für Panikmache: „Gerade im Tourismus können Mitarbeiter zwischen so vielen Arbeitgebern wählen. Punkten wird, wer den Bedarf im Betrieb und die Wünsche der Mitarbeiter gut in Einklang bringt.“ 

Spielraum wird selten voll genutzt

Durchschnittlich arbeiten Österreicher 1.601 Stunden im Jahr, im Europa-Vergleich Durchschnitt, verweist Reitterer auf OECD-Zahlen für 2015. Die gewinnen noch an Aussagekraft, werden ihnen die Tageshöchstarbeitszeiten gegenübergestellt: „Dann zeigt sich, mehr Flexibilität bedingt nicht mehr Arbeit.“ Die Arbeit wird besser eingeteilt: „Wochenarbeitszeit und Arbeitsaufwand ändern sich ja nicht: Es kommt kein Gast mehr, weil wir das Gesetz ändern“, plädiert Reitterer für mehr Fakten und weniger Emotionen in der Debatte.

Eine Grafik von Agenda Austria zeigt, dass Österreich EU-weit mit 12 Stunden Höchstarbeitszeit im Durchschnitt liegt.

Satte Mehrheit für 12-Stunden-Tag

Gerade Pendlerinnen und Alleinerzieherinnen äußern den Wunsch nach mehr Flexibilität: „Um sich die Zeit besser einteilen zu können. Der 8-Stunden-Tag erweist sich da oft als zu starr.“ Laut einer market-Umfrage wollen über 70 % der Österreicher den 12-Stunden-Tag, wenn sie im Gegenzug dafür länger frei haben.

In Hotels wären schon jetzt 12 Stunden Arbeit pro Tag möglich, aber nur in Betrieben mit Betriebsrat. Den gründen die Mitarbeiter aber nur selten: „Weil der direkte Draht zum Chef gut klappt“, so Reitterer. Was bleibt, ist die Hoffnung auf eine Novelle des Arbeitszeitgesetzes: „Wenn Chirurgen 25 Stunden im Einsatz sind und Piloten bis zu 16, kann es nur wenige stichhaltige Argumente gegen fallweise 12-Stunden in der Rezeption geben.“

WKÖ begrüßt Änderungen

„Seitens des Tourismus freut uns natürlich, dass in vielen Punkten unseren Vorschlägen gefolgt wurde“, begrüßt Petra Nocker-Schwarzenbacher, Obfrau Tourismus und Freizeitwirtschaft und selbst Hoteliere,  die wesentlichsten positiven Punkte des Entwurfes für die Branche:

* Bei erhöhtem Arbeitsbedarf ist die Ausdehnung der Höchstarbeitszeit auf 12 Stunden täglich und 60 Stunden wöchentlich einfach möglich.

* Positiv zu werten ist auch die Ausnahme von nahen Angehörigen aus dem Arbeitszeit- und Arbeitsruhegesetz.

* Die Verkürzung der täglichen Ruhezeit auf 8 Stunden war bisher nur für Vollzeitbeschäftigte in Saisonbetrieben mit Kollektivvertrag möglich. Dies wird nun auf alle Mitarbeiter in Küche und Service mit geteilten Diensten per Gesetz möglich. Somit können auch Teilzeitkräfte und Mitarbeiter in Jahresbetrieben einbezogen werden.

* Eine administrative Erleichterung ist der Wegfall der gesetzlichen Verpflichtung zur Führung eines separaten Kontos über die Ruhezeitenverkürzungen und deren Ausgleich.

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