Direkt zum Inhalt
Urig: ein typischer Heuriger-Gastgarten in Wien.

Hoffnungsträger Gastgarten

10.06.2020

Neustart unter freiem Himmel: Schanigärten könnten die Gastronomie wieder ankurbeln. Weil es aber keine ­bundesweiten Regelungen gibt, herrscht Unsicherheit unter den Gastronomen.

Der Biergarten des Restaurants „Kleine Steiermark“ im Schweizergarten.

Als 1750 der erste Schanigarten Österreichs auf dem Wiener Graben eröffnete, war die Freude genauso groß wie zur Wiedereröffnung der Gastronomie nach dem Covid-19-Lockdown – 2020 zumindest bei jedem zweiten Österreicher. 52 Prozent gaben bei einer „Falstaff“-Umfrage an, nach der Wiedereröffnung ins Lieblingslokal zu gehen. Bleiben allerdings 48 Prozent, die abwarten. Eine Branche, deren Umsatzzahlen von rund 8,56 Milliarden Euro im Jahr 2013 auf fast 11 Milliarden Euro im Jahr 2018 anstiegen, kämpft ums Überleben. Zu groß ist noch die Angst vor einer Ansteckung in geschlossenen Räumen.

Hoffnungsträger sind Gastgärten, wo Luft und Wind gefährlichen Aerosolen den Garaus machen. „Gastgärten bieten großes Potenzial. Aktuell steigen die Gästezahlen in entsprechenden Lagen naturgemäß, da mehr Menschen unterwegs sind. Auch das Mittagsgeschäft zieht an, nachdem die Leute vom Homeoffice ins Büro wechseln“, sagt Mario Pulker, Obmann des Fachverbandes Gastronomie der Wirtschaftskammer Österreich. 

Logischer Schluss: In der Krise brauchen Wirte mehr Platz für ihre Gastgärten. Das Problem: Es gibt keine bundesweiten Verordnungen. „Die Bewilligung von Gastgärten liegt in der Kompetenz der Gemeinden und ist aufgrund der verfassungsrechtlichen Kompetenzaufteilung eine kommunale Angelegenheit“, so Pulker. Für viele Gastronomen kann die Vergrößerung des Außenbereichs jedoch betriebsrettend sein. Doch was erlaubt die Praxis? „Wenden Sie sich an die jeweilige Fachgruppe Gastronomie in Ihrem Bundesland. Hier sitzen die Spezialisten für Betriebsanlagenrecht, und es besteht eine enge regionale Verflechtung.“ An welche Auflagen man sich halten muss oder ob bei einer temporären Vergrößerung die Anzahl der Verabreichungsplätze steigen darf, kommt wieder auf die Kommune an. „Eine Vergrößerung, die Sitzplätze umfasst, ist nicht ausgeschlossen.“

Schanigartengebühr 

Exakte Zahlen zur Anzahl der österreichischen Gastgärten liegen nicht vor. Pulker schätzt, dass mehr als zwei Drittel der Betriebe über irgendeine Form eines Außenbereiches verfügen. Das Beispiel Wien zeigt, wie kompliziert die neue Realität ist: In 3.500 Wiener Schanigärten könnten mit den derzeit geltenden Sicherheitsmaßnahmen in einem durchschnittlichen Schanigarten gerade einmal zwölf Gäste bewirtet werden. Weil sich das wirtschaftlich keinesfalls rechnen kann, insistierte die grüne Vizebürgermeisterin Birgit Hebein: Sie schlug vor, es den Wirten zu ermöglichen, größere Schanigärten aufzustellen. Andere Länder Europas sind schon weiter, Städte wie Berlin und Rotterdam wollen Straßen für Autos sperren, um der Gastronomie Platz zu machen. Eine Idee für Österreich? „Alles, was den Betrieben hilft, ist grundsätzlich zu begrüßen“, so Pulker, Ideen diesbezüglich gibt es allerdings nicht. Aber: „Praktisch überall besteht Bereitschaft, Betrieben in irgendeiner Form entgegenzukommen, sei es durch Erlass/Rückzahlung der Gebühr oder Gebrauchsabgabe, Möglichkeit zur Erweiterung etc.“

Szenarien 

In Wien wurde dies bereits beschlossen. „Die Gastronomie ist von Corona besonders betroffen, daher werden wir sie bei der Schanigartengebühr unbürokratisch unterstützen und diese herabsetzen oder gänzlich erlassen“, so Finanzstadtrat Peter Hanke. Beim Blick auf die Bundesländer finden sich unterschiedliche Szenarien: Städte wie Innsbruck oder Hallein erlassen den Gastronomen für das ganze Jahr die Miete des Gastgartens, wenn dieser sich auf öffentlichem Grund befindet. In Villach gilt dies bis Ende August, dafür ist eine Vergrößerung des Außenbereichs möglich – allerdings ohne Erhöhung der Verabreichungsplätze.

Autor/in:
Jasmin Kreulitsch
Werbung

Weiterführende Themen

Lebensmittel aus der Region: Metro setzt auf lokale Partnerschaften.
Gastronomie
08.07.2021

Der Gastro-Großhändler weitet die Kooperation mit dem Direktvermarkter-Netzwerk AbHof weiter aus. Die Ware stammt aus Betrieben im Umkreis von maximal 200 Kilometern.

Gastronomie
08.07.2021

Das Best-of der burgenländischen Landesweinprämierung gibt es am 14. Juli in der Nationalbibliothek in Wien zu verkosten. Jetzt anmelden!

Braumeister Andreas Urban, Conrad Seidl, Gabriela Maria Straka (Director Corporate Affairs und CSR der Brau Union) und Jan-Anton Wünschek von der Wünschek-Dreher’schen Gutsverwaltung Gutenhof.
Gastronomie
08.07.2021

Der Bierstil "Wiener Lager" wurde 1841 erstmals in Schwechat gebraut - von Anton Dreher. Heute liefert ein Dreher-Nachfahre einen der wichtigsten Rohstoffe fürs Bierbrauen nach Schwechat: die ...

Auf ein Bier einladen (lassen): Was gibt es Schöneres?
Gastronomie
08.07.2021

Unterstützung für die Gastronomie: Die Wiener Brauerei digitalisiert das Einladen auf einen Drink - via Web-App.

Die Nachtgastro darf wieder Gäste empfangen. Und auch Messeveranstalter atmen auf.
Gastronomie
01.07.2021

Schlag Mitternacht öffneten viele Clubs wieder ihre Tore. Auch Messeveranstalter atmen auf: Ab sofort gibt es kaum noch Einschränkungen. Nur Wien tanzt aus der Reihe. Wir haben alle Details.

Werbung