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Hohe Fixkosten, wenig Rendite

30.04.2014

Familienbetriebe trotzen der Krise, insgesamt gibt es erstaunlich wenige Insolvenzen. Das geht aus den Kennzahlen von 9000 Beherbergungs- und Gastronomiebetrieben hervor,  erhoben von der KMU Forschung Austria

Text: Thomas Askan Vierich

as Hauptproblem in der Branche ist und bleibt das Eigenkapital. Obwohl der Anteil der Betriebe mit positiver Eigenkapitalquote gestiegen ist. Was wiederum an der Niedrigzinspolitik liegt. Das geht aus einer Studie der KMU Forschung Austria hervor, die Institutsleiter Peter Voithofer bei einem Hintergrundgespräch vorstellte.
Der Teufelskreis ist: Hoteliers sind gezwungen, ständig in die Modernisierung ihrer Betriebe zu investieren, um steigenden Gästeansprüchen gerecht zu werden. Liquide Mittel dafür sind selten vorhanden, weil die Umsatzrentabilität so gering ist: Zuletzt lag sie bei durchschnittlich 1,3 % und damit noch tiefer als beim Bau (2,9 %), Handel (2,3 %) oder Verkehr (1,4 %). Rund die Hälfte aller Tourismusbetriebe verzeichnen gar keinen Gewinn. Also werden Schulden gemacht: 45 Prozent weisen eine negative Eigenkapitalquote aus – und das schon seit langer Zeit. Wenn die Zinsen irgendwann steigen, könnte es für viele Betriebe eng werden, glaubt Voithofer. Aber Wolfgang Kleemann, Chef der Tourismusbank ÖHT, betont: „So gut wie alle erfolgreichen Betriebe investieren."
Das Bild ist so inhomogen wie die Branche. Wer eine positive Eigenkapitalquote aufweisen kann, ist oft deutlich in den positiven Zahlen und kommt auch leicht an Fremdkapital. Wer eine negative Eigenkapitalquote aufweist und dringend neues Kapital bräuchte, bekommt es nicht. Schuld ist Basel III.

Zudem haben Tourismusbetriebe traditionell hohe Fixkosten für Infrastruktur (Abschreibungen), Fremdkapitalaufwand und Personalbereich. Andererseits ist laut Voithofer der Anteil der Betriebe mit stabilen Umsätzen sehr hoch. „Ich würde hier nicht gleich von Stagnation sprechen – obwohl natürlich die Kosten steigen." Kleemann ergänzt: „Die Tourismusbranche hat sich in Krisenzeiten als sehr stabil herausgestellt, darauf können wir stolz sein."
Was daran liegt, dass 80 Prozent in Familienbesitz sind. Die neigen dazu, den Betrieb unter allen Umständen zu retten. „Viele Hoteliersfamilien leben in ihrem Hotel", sagt Obmann Hans Schenner. „Das Hotel ist ihr Lebensmittelpunkt, da werden keine Arbeitszeitstunden gezählt. Und ein Verkauf kommt anders als in anderen Branchen nicht infrage."

Aber auch in Familienbetrieben wird der finanzielle Spielraum immer enger. Fehler werden noch weniger verziehen, eine schlechte Lage noch schlechter. „Man muss sich etwas überlegen, um die Branche langfristig abzusichern", sagt Kleemann. Seine Bank stellt jährlich 70 bis 100 Millionen Euro für Investitionen zur Verfügung und versucht, zusätzliche Fördermittel über das KMU-Fördergesetz zu akquirieren. Zudem begleitet die ÖHT jeden Kunden bei seiner Investition. „Bei uns arbeiten Branchenkenner, wir können ganz gut abschätzen, welche Investition sich lohnt und welche nicht."

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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