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Spannend: passende Biergläser sind für beinahe jeden zweiten Gast ein Kriterium bei der Lokalwahl.

Hopfenbomben im Kommen

06.06.2017

Wie stark hat die Craft-Beer-Bewegung den Markt verändert? Mit „Bierbusiness“ liegen dafür fundierte Daten vor, vor allem auch für die heimische Gastronomie.

 

„Bierbusiness“, medianet Verlag (2017),  162 Seiten, ISBN: 978-3902843876

Während man beim Titel des von „Bierpapst“ Conrad Seidl und Werner Beutelmeyer (Market-Institut) vorgelegten Werks noch an einen BWL-Behelf für Brauer denkt, macht der Untertitel den Inhalt klar: „Was die Branche denkt“, zusammengefasst auf 162 Seiten. Tatsächlich basiert das Kompendium des medianet Verlags (24,90 Euro) auf den Aussagen von rund 1.700 Biermarkt-Kennern. Allein 475 Braumeister fanden sich im Panel, dazu 256 Gastronomen. Umso wertvoller sind die Erkenntnisse, etwa jene, die sich mit den Eigenschaften „eines wirklich guten Biers“ beschäftigen. Das muss für 88 % nämlich „erfrischend und durstlöschend“ sein. Dass sich die Vorlieben verändern, zeigt aber der Vergleich mit Daten des Market-Instituts aus dem Jahr 1997. Während ein Duft nach Hopfen damals gerade von jedem Fünften als positiv gesehen wurde, hat sich dieser Wert 2017 auf 86 % erhöht!
Es gibt also offenbar einen „IPA-Effekt“. Doch schlägt sich dieser im Konsum nieder? Dazu findet sich in dem Band die Frage nach der Unübersichtlichkeit des Angebots. Demnach hält ein Drittel den „Craft Beer“-Sektor für verwirrend, wobei dieses Unbehagen klar der Altersstufe folgt. Während die Hälfte der über 70-Jährigen den Eindruck der Unübersichtlichkeit hatte, verneinen dies explizit 57 % der 30- bis 39-Jährigen. Dass „Craft Beer“ eine vorrübergehende Mode darstellt, finden lediglich 16 % der Österreicher. Dafür gilt es als interessantes Angebot für weibliche Kunden (so 58 %) und wesentliche Differenzierungsmöglichkeit für die Gastronomie (82 %).

Dabei haben auch die Gastronomen den Besuch (oder sein Ausbleiben) in der Hand. Unter der Überschrift „Horrortrip“ haben Seidl/Beutelmeyer nämlich Faktoren gelistet, die Gäste stören. Das größte Hemmnis eines Wiederbesuchs stellt dabei der Toilettengeruch im Lokal (von 54 % genannt) dar, gefolgt von unfreundlicher Bedienung (50 %), unsauberen Toiletten (45 %) oder Gläsern (44 %). Deutlich toleranter sind Biertrinker bei Wartezeiten (35 %) oder der Zapfqualität, die nur 26 % von weiteren Besuchen abhält. Auf der „Bierbusiness“-Wunschliste für das ideale Lokal stehen saubere Toiletten (76 %) vor freundlicher Bedienung (75 %). Ebenfalls wichtig: gut gekühltes Bier (69 %). Spannendes Detail: Die passenden Biergläser sind für 48 % wichtiger für die Lokalwahl als solche für Wein (35 % Zustimmung), ja sogar als die Fassbier-Auswahl (die 31 % als „Muss“ definierten)!

Ja zu Gläsern, Nein zu Bio

Wie sich der Markt entwickeln wird, hat die Autoren besonders interessiert, hier konnten auch die überraschendsten Aussagen gefunden werden. Die höchste Zustimmung bei den von Erzeugern geplanten Maßnahmen fanden individuelle Biergläser. 85 % wollen das vielleicht oder sicher in der näheren Zukunft machen. Der Konsument darf sich auch auf mehr historische Braurezepte (80 %), neue Hopfenzüchtungen (78 %) und vor allem über zu Biersommeliers ausgebildete Mitarbeiter (76 %) freuen. Überraschend klar ist die Ablehnung der Bio-Zertifizierung der Brauereien: Während nur 5 %
dies in den nächsten Jahren „sicher machen“ wollen, lehnen 46 % das ab. 

Und was wird aus dem „Märzen“, Österreichs beliebtestem Bierstil? Nur 9 % glauben, dass seine Bedeutung steigen wird, für 76 % wird es bleiben, was es ist. Zulegen werden IPA (69 % sehen den Plafond nicht erreicht), alkoholfreies Weizen und Pale Ale (je 68 %)
sowie holzfassgereiftes Bier (66 %).

Autor/in:
Roland Graf
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