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Hotel schöpft Werte

02.09.2005

Investitionen in die Hotellerie rechnen sich durchaus. Die Investionsbereitschaft in die Branche steigt.

Die medialen Reflexe haben Tradition: In Mai und Juni weist die Nächtigungsstatistik einen Rückgang von 1,5 Prozent aus. Und schon werden die Schatten einer Tourismuskrise an die Wand gemalt. „Abgerechnet wird die Sommersaison freilich erst im Oktober. Die Vorbuchungsstände geben eigentlich keinen Anlass zu einer Besorgnis.
Und abgesehen davon halte ich die vorrangige Orientierung an Nächtigungszahlen für nur wenig aussagekräftig“, kommentiert Dr. Klaus Ennemoser, neuer Fachverbandsobmann der Hotellerie die aufgeregte Stimmung in den Medien gelassen.
Die Wertschöpfung sei das eigentlich relavante – wenngleich in ihrer Komplexität medial schwierig darzustellende – Stichwort. Um diese zu beleuchten, verweist Ennemoser u. a. auf eine vom Fachverband aktuell druchgeführte Investitionsanalyse. 47% der von der Interessenvertretung Befragten bezeichneten demnach das Investitionsklima als gut, 41 Prozent als eher gut. Ein wenig spiegelt sich freilich auch hier die Nächtigungsstatistik wider, wenn die Investitionsbereitschaft in der Stadthotellerie (massives Nächtigungsplus) optimistischer eingeschätzt wird als in der Ferienhotellerie (deutliches Nächtigungsminus).
Ein spürbarer Investitionsschub seit dem Vorjahr belegt, dass bei der Stimmungslage nicht nur der Wunsch Vater des Gedanken ist. Die KMU-Foschung Austria spricht allein bei den kleinen und mittleren Beherbergungsbetrieben von einem Investionsvolumen von 665 Mio. Euro im Jahr 2003 und einer ähnlichen Dimension 2004. „Dass Östereichs Hotelbranche anziehend ist, beweisen zudem zahlreiche aktuelle Großprojekte, die ein Gesamtvolumen von 555 Mio. E erreichen“, sagt Ennemoser. Diese Mittel würden sicher nicht investiert werden, wenn man mit ordentlich geführten Beherberungsbetrieben nicht ordentliche Rendite erwirtschaften könnte. Im Vergleich zur Gesamtkapitalrentabilität, die in Österreich im Schnitt bei 4,3% liegt, kann die Hotellerie gut mithalten. Die besten 25% der Beherberger erzielen immerhin 10,7%. Auch ein Blick auf eine zentrale Benchmark, den operativen Umsatz (GOP) pro Zimmer in den Erhebungen der Tourismusbank ÖHT belegt, dass sich mit Hotels wirklich gut verdienen lässt. Im Schnitt werden hier im 4/5-Sternebereich 6.200 E, bei den TOP-Unternehmen 9.500 E erwirtschaftet. Das entspricht Renditen von sechs Prozent und deutlich mehr.

Nicht die Nächtigungszahlen an sich, vielmehr Vollbelegstage, Bettenauslastung und ähnliche Daten mehr fasst die Tourismusbank ÖHT in ihren Kennzahlen zusammen und gibt damit einen tiefen Einblick in die Verfassung der österreichischen Beherberger. ÖHT-Geschäftsführer Dr. Franz Hartl präsentiert einige zentrale Erkenntnisse aus der Bilanzanalyse:

Aktiva und Passiva
„Durch eine konsequente Fortentwicklung und Ausbautätigkeit verfügen die Unternehmen der 4/5-Sterne-Kategorie heute im Durchschnitt über 92 Betten, rund 150 Sitzplätze und halten ihren Betrieb 296 Tagen geöffnet. Die gesamte Aktiva beträgt im Durchschnitt etwa 2,3 Mio. E. Im Durchschnitt haben die Nettoinvestitionen (Investitionen über die Abschreibung hinaus) etwa 170.000 E p. a. ausgemacht, womit eine leichte Zunahme des Bilanzvermögens verbunden war. Auf der Passivseite fällt vor allem auf, dass das bislang durchwegs negative Eigenkapital 2003 sich erstmals wieder zum Positiven verändert werden konnte, ein Trend der sich offenbar auch 2004 weiter fortsetzt. In der 3-Sterne-Kategorie weisen die Betriebe allerdings noch immer eine Überschuldung von rund 22% der Aktiva auf.

Einnahmen und Ausgaben
Mit durchschnittlich rund 170 Vollbelagstagen konnte ein Umsatz von knapp 1,3 Mio. E erreicht werden. Auffällig ist, dass sich die Ausgaben für Werbung und Kommunikation im Lauf der letzten zehn Jahre fast verdoppelt haben und derzeit etwa 4,3% der Einnahmen ausmachen.
Die Zinsreduktion von 12 auf 6% innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich unmittelbar in einer Verbesserung des Cashflow niedergeschlagen, die wesentlich für die stabile Lage der Hotellerie verantwortlich ist. Sie hat letztlich sogar dazu geführt, dass in den letzten Jahren im Schnitt ein bescheidener Gewinn ausgewiesen werden konnte.“

Die wichtigsten Investitionsprojekte der Hotellerie
Dass Österreichs Hotelbranche anziehend ist, beweisen zahlreiche Großprojekte, die in der Branche derzeit bekannt sind und ein Gesamtvolumen von 555 Mio. Euro erreichen.
5-Sterne-Hotel Bad Gleichenberg, Steiermark 60 Mio. Euro
Feriendorf Biberwier, Tirol 32 Mio. Euro
Arcotel am Kaiserwasser, Wien 27,5 Mio. Euro
Kongresshotel Aspang, Wien 190 Mio. Euro
Investitionen der Thermen- und Wellnessspezialisten:
Ausbau der Thermen in Oberösterreich 115 Mio. Euro
Rogners „Seelen-Wellness“-Projekte 130 Mio. Euro

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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