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Hoteliers verlieren Kontrolle über die Preisgestaltung

25.03.2010

ÖHV. Durch die Veröffentlichung von so nicht vereinbarten Verkaufspreisen im Internet durch einige Reiseveranstalter geraten viele Betriebe in Schwierigkeiten. Denn um das annerkannte Qualitätsniveau auch in schwierigen Zeiten zu halten, braucht es ein angemessenes Preisniveau.

Die Trümpfe Österreichs im internationalen Wettbewerb sind Land und Leute sowie ein anerkannt hohes Qualitätsniveau, das auch in schwierigen Zeiten nicht zurückgeschraubt wurde. Dieses zu halten, setzt allerdings ein angemessenes Preisniveau voraus, das den Hoteliers weitere Investitionen in die Qualität des Angebots erlaubt. Problematische Preisfestsetzungen mancher Vetriebspartner bereiten jetzt vielen Betrieben neue Schwierigkeiten. Verständlich, dass dies der Branche in Hinblick auf die sicher nicht einfache Sommersaison 2010 zusätzliche Sorgen bereitet.


Verwirrung auf allen Seiten

Konkret geht es darum, dass manche Reiseveranstalter via Internet Verkaufspreise veröffentlichen, die so nie vereinbart wurden. Nettopreise, die ausschließlich für den Großhandel vorgesehen waren, werden in diesen Fällen mit geringen Aufschlägen im Internet online (im Fachjargon „Mark Up“ genannt) an den Gast weitergegeben. Dies sorgt für Ärger in der Branche und für Verwirrung bei den Konsumenten, die sich plötzlich – je nach Vertriebsweg – unterschiedlichen Preisen für ein und dasselbe Angebot gegenübersehen.


Keine Chance auf Ratenparität

Bisher konnte der Hotelier davon ausgehen, dass die unterschiedlichen Vertriebspartner die Produkte am Markt so positionieren, dass der Endpreis vergleichbar war, da sie diese selbst im Extranet der Vertriebspartner einpflegten. Jetzt kommt es vor, dass die Nettopreise für Wholesaler, die nie für den Direktvertrieb vereinbart wurden, dem Gast mit nur geringen Mark Ups direkt angeboten werden. Das heißt, die günstigen Angebote im Internet  sind immer häufiger Arrangements, die nicht vom Hotelier gesteuert wurden, da es die Kalkulationsbasis für den Reiseveranstalter (plus Markup) ist. Dadurch wird die mit Online-Buchungsplattformen vereinbarte „Ratenparität“ gestört.  Der Hotelier ist nicht mehr in der Lage, seine Raten (Preise) zu kontrollieren, was ihm einen Vertrauensverlust sowohl beim Online-Vertriebspartner als auch beim Gast und letztlich einen Wettbewerbsnachteil einbringt. Um gegenüber Gästen vertrauenswürdig zu sein, sollte ein Zimmer zum selben Zeitpunkt und zu denselben Bedingungen immer gleich viel kosten – gleich, über welchen Kanal es gebucht wurde.


Absolut divergierende Interessen

Neue Vertriebswege ermöglichen den Hoteliers, mehr Gäste anzusprechen. Andererseits haben die Hoteliers in dem geschilderten Modell keinen Einfluss mehr auf die Preisgestaltung. Das „Pricing“ kommt dadurch unter die Kontrolle von Vertriebsmittlern, die ganz andere Interessen haben als die Hoteliers und die Destination. „Noch dazu werden von den unkontrolliert sinkenden Preisen hohe Margen für die Vertriebsmittler abgezogen“, befürchtet ÖHV-Generalsekretär   Thomas Reisenzahn gravierende Auswirkungen auf die kommende Sommersaison.


Mögliche Auswege aus dieser Situation, welche die Betriebe einem zusätzlichen Preisdruck aussetzt, könnten nach Meinung von Thomas Reisenzahn Änderungen in den Verträgen sein:

1. Ausschluss des Online-Vertriebsweges im Veranstaltervertrag, also nur traditioneller Veranstalter-Vertriebsweg möglich.
2. Vertragliche Fixierung von Mindestraten, unter denen im Internet nichts angeboten werden darf.
3. Vertragliche Bindung der Online-Raten an die offiziellen Endverbraucher-Raten des Reiseveranstalters. Die Online-Angebote sind somit dem Katalogpreis des Veranstalters angepasst.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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