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Hotellerie in Bedrängnis

06.08.2014

Die Konkurrenz aus Deutschland und der Trend zu Privatunterkünften fordert Österreichs Tourismus.

Klaus Ennemoser, Obmann des Fachverbands Hotellerie in der WKO.

Die österreichische Hotellerie-Branche muss sich derzeit zahlreichen neuen Herausforderungen stellen. Eine davon ist laut Klaus Ennemoser, Bundesobmann des Fachverbands Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich, der deutsche Binnenmarkt. Im Rahmen einer Pressekonferenz präsentierte Ennemoser einen Rückblick auf 2013 und zog eine Zwischenbilanz über den Saisonverlauf 2014. Dass die Deutschen den Urlaub im eigenen Land immer mehr für sich entdecken, war dabei deutlich zu merken. Durch die Senkung der Mehrwertsteuer auf 7% entstanden laut Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA) knapp 25.000 neue Jobs im Beherbergungsbereich, 2.26 Milliarden Euro wurden investiert.
Als zweite Herausforderung strich Ennemoser die Internetvermarktung heraus. Mehr als eine aus fünf Nächten wurden in Europa 2013 über Online-Buchungsportale bestätigt, wie der europäische Dachverband für Hotels, Restaurants und Cafés HOTREC veröffentlichte. Die Portale Priceline, Expedia und HRS führen dabei gemeinsam fast 90 % des Markts. Um den hohen Provisionen dieser Buchungsplattformen entgehen zu können, setzt sich der Fachverband Hotellerie für eine Stärkung der hoteleigenen Webseite inklusive Buchungsmöglichkeit ein.
Der Trend zur Privatzimmervermietung ist schließlich die dritte große Herausforderung. Online-Portale für die Vermietung von Privatunterkünften wie Airbnb oder das auf dem österreichischen Markt mit 10.000 Unterkünften am stärksten vertretene 9flats haben das Konsumverhalten der Touristen verändert.

Rechtliche Grenzen

Roman Mayrhofer von der WKO kritisierte im Rahmen einer Podiumsdiskussion zum Thema digitale Herausforderungen im Tourismus, dass viele Apartments nicht registriert seien und damit auch keinen Auflagen unterliegen würden. „Wir haben dazu keine aktuellen Zahlen. Aber geschätzten 5.000 bis 10.000 privaten Appartements stehen in Wien 65.000 Betten am Markt gegenüber. Das könnte schon zu massiven Veränderungen führen“, ergänzte er. Mayrhofer fordert gleiche Bedingungen für alle. In die gleiche Kerbe schlug kürzlich der Oberste Gerichtshof, der die kurzfristige Vermietungsmöglichkeit von Wohnungseigentümern, wie diese für eine „touristische“ Nutzung typisch sei, als wohnungseigentumsrechtlich relevante Widmungsänderung qualifizierte. Es bedarf also zukünftig der Zustimmung aller Mitglieder der Eigentümergemeinschaft eines Wohnhauses, um eine Wohnung für touristische Zwecke umwidmen zu können.
Bei der Pressekonferenz gab es jedoch auch Positives zu vermelden. Ennemoser betonte die Bedeutung der Österreich Werbung, dank dieser im Vorjahr viele Österreicher im eigenen Land geurlaubt hätten. Außerdem lobte er die Erfolgsgeschichte der Hotelstars Union, eine 2009 gegründete Sternevereinigung, die mittlerweile 15 Mitgliedsländer zählt. Ihr seit 2010 geltende Kriterienkatalog zur Hotelklassifizierung wird aktuell einem weitreichenden Revisionsprozess unterzogen und den Gästebewertungen angepasst.

 

Text: Sonja Dries

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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