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Hotellerie wird nicht für die ÖGB-Probleme herhalten

29.03.2006

Auf die Vorwürfe von HGPD-Vorsitzenden Rudolf Kaske bezüglich unterdurchschnittlicher Bezahlung im Tourismus antwortet Sepp Schellhorn, Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung: „Kaske versucht von den eigenen Problemen im ÖGB und als Mitglied des BAWAG-Aufsichtsrates abzulenken. Die Hotellerie wird dafür nicht herhalten, dafür sind uns unsere Mitarbeiter viel zu viel wert. Das Problem ist viel mehr, dass unsere Mitarbeiter bis zum bis 30. Juni nur für den Finanzminister & Co arbeiten. Hier, bei der Senkung der Lohnnebenkosten, müssen wir ansetzen.“

„Der Tourismus hat sich 2003 als erste Branche österreichweit auf einen Mindestlohn von 1.000 Euro geeinigt“, sagt ÖHV-Präsident Sepp Schellhorn. Im Gegensatz dazu gibt es in 49 anderen Branchen noch immer Mindestlöhne unter 1.000 Euro brutto monatlich. Im Bäckergewerbe beträgt der Mindestlohn z.B. nur 800 Euro, Ordinationshilfen bei Zahnärzten und Dentisten bekommen 880 Euro und Textilreiniger 882,32 Euro.

Im Tourismus können qualifizierte Kräfte von 2.000 Euro (Oberkellner) bis weit über 3.000 Euro (Küchenchefs) pro Monat verdienen. Zum Grundgehalt kommen in vielen Fällen noch das Angebot von freier Unterkunft und Verpflegung sowie das Trinkgeld als Einkommensquelle. Dass das Durchschnittseinkommen in der Branche unter dem Niveau anderer Branchen liegt, ist einerseits auf den hohen Anteil an weniger qualifizierten Mitarbeitern und auf den hohen Anteil an Teilzeitarbeitskräften zurückzuführen. Die angebotenen Teilzeitarbeitsplätze bieten jedoch interessante und familienfreundliche Beschäftigungschancen – vor allem für Frauen, Studenten und Pensionisten. 2005 äußerten z.B. 27.000 arbeitslose Frauen den Wunsch nach einer Teilzeitbeschäftigung (Quelle: WKÖ).

Den Vorwurf der Gewerkschaft, dass der Tourismus seine Erfolgszuwächse nicht an die Mitarbeiter weitergebe, lässt Schellhorn nicht gelten: „Unser Marktanteil am internationalen europäischen Tourismus ist von 7,3 Prozent im Jahr 1994 auf 5 Prozent im Jahr 2005 zurückgegangen. Um konkurrenzfähig zu bleiben, muss sich bei den Lohnnebenkosten etwas tun. Unsere Mitarbeiter kosten zu viel und verdienen zu wenig.“ Die Lohnnebenkosten liegen in Österreich deutlich über dem EU-Durchschnitt. „Ein Küchenchef mit einem Bruttostundenlohn von 22,83 Euro erhält davon gerade einmal 11,67 Euro, also knapp mehr als die Hälfte. D.h. die Mitarbeiter arbeiten bis 30. Juni für den Finanzminister & Co. Durch eine Senkung der Lohnnebenkosten würden automatisch höhere Löhne möglich.“ Schellhorn weiter: „Ich verwehre mich gegen das Schwarzmalen der Gewerkschaft, die damit offensichtlich von den eigenen Problemen ablenken möchte.“

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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