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Zimmerausstattung von gabarage  upcycling im Boutiquehotel Stadthalle.

Hotelmöbel aus Müll

23.05.2019

Upcycling-Design haucht gebrauchten Gegenständen neues Leben ein. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Der Trend hat auch schon die Hotellerie erreicht.

Möbel wie aus einem Film: Hotel Binder.

Rennskier, Regenschirme, Ruder oder Tennis-Rackets: Momentan macht Michaela Reitterer Jagd auf alles, was alt, aber noch gut ist. „Ich geh manchen Leuten sicher schon auf die Nerven“, befürchtet die Geschäftsführerin des Boutiquehotels Stadthalle in Wien. Aber „wir statten gerade 17 neue Upcycling-Zimmer aus“. Sieben dieser Art gibt es bereits im weltweit ersten Stadthotel mit Null-Energie-Bilanz. Ihr Engagement für den Umweltschutz hat der Hotelière schon zahlreiche Preise eingebracht, darunter zweimal das Europäische Umweltzeichen.

Upcycling ist da nur eine logische Fortsetzung: „Mir widerstrebt es einfach, Dinge zu entsorgen, die man noch brauchen kann“, sagt Reitterer. Billiger sei das zwar nicht, aber „für mich ist es ein wichtiges Statement gegen die Wegwerf-Gesellschaft“. Unterstützt wird sie dabei von „gabarage upcycling design.“ 

Die Handschrift dieses sozialökonomischen Betriebs trägt auch das Hotel Binder in der Buckligen Welt in Niederösterreich. Das ehemalige Kurhotel im Ortszentrum von Mönichkirchen war um die vorige Jahrhundertwende „erstes Haus am Platz“. 1992 wurde es vom Verein Grüner Kreis erworben, der sich seit 1983 um die Rehabilitation und Integration suchtkranker Menschen kümmert. Der Betrieb und die Gästebetreuung sind Aufgabenbereiche, die in das Behandlungsprogramm der Therapiestation „Hotel Binder“ integriert sind. 

Bowlingkegel zu Vasen

Beim Upcycling werden Materialien nicht einfach wiederverwertet, sondern aus ihrem ursprünglichen Kontext genommen und in neuer Form und Funktion wieder in einen aktiven Produktlebenszyklus zurückgeführt. So werden beispielsweise alte Bowlingkegel zu Vasen oder Straßenschilder zu Tischen. Die Tatsache, dass das verwendete Material in seinem alten Leben bereits benutzt wurde und dementsprechend Gebrauchsspuren aufweist, verleiht den so entstandenen Designprodukten einen ganz besonderen Charme. Diese spezielle Ästhetik findet man auch in den upgecyclten Zimmern im Hotel Binder. Die neu entstandenen Produkte sind übrigens alle Unikate, weil sich trotz gleicher Bauweise einer Serie die einzelnen Gegenstände in vielen Details voneinander unterscheiden. Um zusätzlich zu diesem Designansatz eine gewisse Vertrautheit mit einzubringen, wurden als Grundthemen der einzelnen Zimmer im Hotel Binder Filmklassiker der vergangenen 60 Jahre gewählt, darunter „Fahrenheit 451“, „Casablanca“ oder „Chocolat“. 

Social Business

Auch beim Hotelumbau des Hotel Magdas in Wien wurde von Anfang an auf Re- und Upcycling gesetzt. Mit Unterstützung des Wiener Architekturbüros Alleswirdgut und dem Künstler Daniel Büchel wurde in der neunmonatigen Umbauphase Bestehendes, wie beispielsweise die Einbauschränke des ehemaligen Senio-renheimes, zerlegt und zu Tischen, Lampen und Bänken umfunktioniert. Aus alten Türen wurden neue Spiegel, aus ausrangierten Kofferablagen Garderoben, aus halbierten Sesseln Nachtkästchen. Freiwillige Helfer strickten Lampenschirme, bearbeiteten den Garten und legten Hand an, wo immer es nötig war. Zahlreiche Sachspenden sowie Möbel aus dem Caritas-Lager Carla ergänzen die Hotel- und Zimmerausstattung und beweisen, dass Engagement, Flexibilität und gute Ideen, geringe finanzielle Mittel allemal wettmachen. 2015 wurde das Magdas Hotel dafür mit dem Österreichischen Staatspreis für Design belohnt.

Autor/in:
ute.fuith
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