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Im Jahr des Winzers

29.10.2007

Neben intensiver Weingartenarbeit kam es heuer vor allem auf die Wahl des richtigen Lesezeitpunkts an.

Die ersten weißen Jungweine sind bereits in Umlauf, für gute Rotweine des Jahrgangs 2007 sollte man sich noch gedulden

In einigen Weinbaugebieten Österreichs ist die Lese 2007 zum Großteil bereits abgeschlossen, in kühleren Regionen Niederösterreichs und der Steiermark ist sie hingegen noch voll im Gang.
Während im Vorjahr der sonnige Herbst den kühlen Sommer „wettmachte“, bescherte der verregnete September-Anfang den Winzern doch einiges Kopfzerbrechen.

Doch kein Hitzejahr
Bis August war der Vergleich mit dem Hitzejahr 2003 durchaus zutreffend. Der regnerische Septemberbeginn machte jedoch wieder einmal klar, dass Wein ein Naturprodukt und als solches von der Natur „natürlich“ abhängig ist.
Das ist auch gut so, denn nur Weine mit tatsächlichem Jahrgangscharakter sind auch wirklich interessant. Die hohen Niederschlagsmengen von bis zu 150 mm in wenigen Tagen (in manchen Regionen beträgt die Niederschlagsmenge eines ganzen Jahres nur 400 mm) erfoderte eine besonders akribische Auslese der Trauben. Oft waren mehrere Lesedurchgänge notwendig.
Weil auf den großen Regen jedoch eine kühle und windige Periode folgte, hielt sich die Fäulnis meist in Grenzen.

Regen war nicht so schlimm
„Wer eine gute Laubarbeit gemacht und nicht zu stark entblättert hat, hatte wenig Probleme“, so Winzer Ewald Gruber aus Röschitz im Weinviertel: „Vor allem in Lagen mit guter Durchlüftung und Drainage hat sich alles wieder von selbst eingependelt.“
Weinbauvereinspräsident Josef Pleil erklärt das so: „Der starke Regen hat sogar etwas Positives gebracht. Davor wirkten die Trauben zum Teil unharmonisch und säurearm. Die natürliche Umwandlung von Bernsteinsäure in Apfelsäure und schließlich in Weinsäure war durch die Trockenheit der Beeren zum Stillstand gekommen. Erst durch das Lösungsmittel Wasser kam dieser Prozess wieder in Gang, und so ist auch das Geheimnis des späten Säurezuwachses zu erklären. Ursprünglich wurde ja der Zusatz von Säure beim Jahrgang 2007 erlaubt. Das wird jetzt aber doch nicht nötig sein.“

Josef Pleil fährt fort: „Was die Menge betrifft, liegen die momentanen Schätzungen bei 2,5 Mio. Hektoliter (hl), entsprechen also einem Normaljahr. Ich glaube ja sogar, dass es 2,7 Mio. hl. werden. Tolle Chancen liegen 2007 auf jeden Fall im Prädikatsweinbereich.“

2007 mit großer Vielfalt
2007 wird auf jeden Fall ein Jahrgang mit großer Bandbreite: Auch leichtere Weine konnten mit physiologischer Reife gelesen werden und weisen somit keine „grünen“ Noten auf.
Bedingt durch die große Sommerhitze haben die Beeren dicke Häute entwickelt, was Aromatik, Extrakt und Farbausbeute zugute kommt. Somit haben die spätreifenden Rotweinsorten wie Blaufränkisch, Cabernet Sauvignon oder Merlot heuer eindeutig die Nase vorne. Anton Iby kommentiert die Lage im „Blaufränkischland“: „Bei uns ist die Lese seit Anfang Oktober im ganzen Gebiet abgeschlossen. Auf unseren schweren Böden hatten es die frühreifen Sorten doch sehr schwer – die einfachen Qualitäten vom Zweigelt sind, sagen wir einmal, gut genug. Einer der Wenigen, der im Mittelburgenland auch bei solchen Weinen großartige Qualitäten hat, ist Franz Weninger. Er hat am 3. September mit der Lese begonnen und hatte das richtige Gespür.“
Fritz Wieninger aus Wien erklärt: „Beim Weißwein ist alles sehr gut geworden, die Balance stimmt, die Weine haben genug Extrakt und Säure. Außerdem liegt die Menge 20 % über meinen persönlichen Erwartungen. Beim Rotwein war heuer auch die Kellertechnik gefragt. Wer – etwa mit Umkehrosmose – das überschüssige Regenwasser aus dem Most bekam, konnte auch beim Roten tolle Resultate erzielen. Dank der vielen Sonnenstunden und der dicken Beerenschalen war die Basis für kräftige, aussagekräftigen Rotweine ja gelegt.“

Ähnlich beurteilt Gerhard Wohlmuth aus der Südsteiermark die Situation: „Sowohl in Kitzeck als auch in Gamlitz bin ich mit den Qualitäten sehr zufrieden. In diesem ‚Goldenen Herbst‘ habe ich noch etwas Sauvignon blanc und Chardonnay in Kitzeck an den Stöcken belassen, das wird große Aromatik. Wir hatten eigentlich überhaupt keine Probleme mit zuviel Regen.“
In der Wachau wie aus den anderen niederösterreichischen Weinbaugebieten kommen durchaus positive Meldungen zum Verlauf der Ernte, obwohl gerade im Smaragbereich noch einiges am Stock hängt.
Schedelberger/Tucek

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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