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Im Paradies der Paradeiser

13.09.2004

Als Kolumbus von seiner zweiten Reise in die Neue Welt 1498 Paradeiserpflanzen mit nach Europa brachte, muss ihm die Eignung ihrer Früchte als köstliche Nahrung wohl bewusst gewesen sein:

Schließlich kannten und kultivierten die Azteken und Maya das „Atamatl“ damals bereits seit Jahrtausenden. Dieses Wissen ging aber bald verloren, und man betrachtete die Staude lange Zeit nur mehr als Zierpflanze.
Möglicherweise hatte ja ein gärtnerischer „Gringo“ auch ein paar Blätter oder andere Pflanzenteile verspeist, und die sind ja tatsächlich giftig, was man auch von den Früchten in den folgenden Jahrhunderten glaubte. Tatsächlich ist Lycopersicum esculentum (was soviel heißt wie essbarer Wolfspfirsich) oder auch Solanum lycopersicum ein Mitglied der Familie der Nachtschattengewächse, von denen ja einige Vertreter ungesunde Alkaloide enthalten.

„Held der Paradeiser“
Als ein amerikanischer Oberst namens Robert G. Johnson im Jahr 1830 öffentlich und demonstrativ eine rohe Tomate verspeiste, tat er dies zum Entsetzen seiner Zeitgenossen – der Mann sollte als „Held der Paradeiser“ gefeiert werden. Allerdings dauerte es noch einmal gut ein halbes Jahrhundert, bis sich auch in Europa diese kulinarische Köstlichkeit durchsetzen konnte.

Gold- und Liebesapfel
Die verschiedenen, teils sehr poetischen Namen wie Pomodoro (Goldapfel) oder Pomme d´Amour (Liebesapfel) oder eben auch Paradiesapfel – Paradeiser – haben ebenfalls eine interessante Geschichte: Die Neue Welt wurde ja generell als „Goldenes Land“ oder Paradies betrachtet, und wer jemals einen vollreifen Paradeiser gepflückt hat, kennt den starken, fast erotischen und unverkennbaren Duft, der tatsächlich viel mit tierischen Sexual-Lockstoffen, Pheromonen, zu tun hat. Am lange befürchteten „Liebeswahnsinn“, den Tomaten angeblich auslösen sollten, ist sicher niemand erkrankt. Vielmehr wirken die Inhaltsstoffe anregend auf alle Systeme und haben eine prophylaktische Wirkung gegen Krebs, Herz- und Gefäßkrankheiten und Gehirnschlag. Mit 13 Vitaminen, darunter Ascorbinsäure und Karotin sowie dem Farbstoff Lycopen, ist der Paradeiser eine echte „Gesundheitsbombe“. Substanzen wie Histamine und Solanine, welche allergische Reize auslösen können, sind meist im Stielansatz vorhanden, welcher ja ohnehin meist entfernt wird.
Die Mutationsfreudigkeit des köstlichen Nachtschattens ist gewaltig: Die Zahl der Sorten beträgt mehrere Zehntausend, der burgenländische „Paradeiser-Papst“ Erich Stekovits etwa kultiviert ca. 3.000. Ob es sich nun um Garten-, Strauch-, Cocktail-, Fleisch-, Eier-, Ochsenherz-Tomaten; grüne, gelbe, violette oder gestreifte Paradeiser handelt: Vier Dinge sollte man immer beachten: nie Frost aussetzen, nie mit Fenchel zusammen pflanzen, nie mit Gemüsen wie Kohl zusammen lagern und zur Haupternte „kreativ konservieren“. Es muss ja nicht immer Ketchup sein. Walter Tucek

Die folgenden Rezepte stammen von Joachim Gradwohl, Küchenchef des Restaurant Meinl am Graben, 1010 Wien.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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