Direkt zum Inhalt

Im Wandel zum Besseren

12.10.2010

Salzburg. Rund 400 Teilnehmer kamen zur 35. Generalversammlung der hogast und dem 16. hogast-Symposium ins nunmehrige Radisson Blu Hotel + Conference Center nach Salzburg. Auch die hogast-Internet-Awards wurden vergeben: Der erste Preis ging an das Kur- und Sporthotel Post in Bezau.

hogast-Geschäftsführerin Barbara Schenk, Kreativitätsberater Jens-Uwe Meyer, hogast-Aufsichtsratsvorsitzender Jakob Plat-zer

hogast rief zur bereits 35. Generalversammlung ins nunmehrige Radisson Blu Hotel + Conference Centre nach Salzburg. Die hochkarätigen Vortragenden Boris Grundl, Tim Cole, Jens-Uwe Meyer und Monika Langthaler boten rund 400 Teilnehmern abwechslungsreiche Ansichten und Ausblicke zum Thema Wandel. Im Rahmen der trachtig-zünftigen Abendveranstaltung wurden die begehrten hogast Internet Awards verliehen. Der erste Preis ging an das Kur- und Sporthotel Post in Bezau (www.hotelpostbezau.com), auf den Plätzen folgten Ebner’s Waldhof am See in Fuschl (www.ebners-waldhof.at) und das Boutiquehotel Stadthalle in Wien (www.hotelstadthalle.at

Tourismus auf dem Weg zur Nachhaltigkeit

Das bereits hogast-Symposium unter dem Titel „Die Welt des Wandels. Leben bedeutet Veränderung“ brachte einmal mehr vier Experten nach Salzburg, welche die versammelten Touristiker aus unterschiedlichen Perspektiven auf mögliche Zukünfte einstimmten. Am konfrontativsten verlief das im Falle von Monika Langthaler. 1990 als Mitarbeiterin des Ökologie-Instituts in die Politik gekommen, war sie ein Jahrzehnt Nationalratsabgeordnete der Grünen. Nun erarbeitet sie mit ihrem Mann als geschäftsführende Gesellschafterin von „brainbows“ Nachhaltigkeitskonzepte für Großkonzerne.

Sie konfrontierte die Zuhörerschaft nicht nur mit globalen Hardfacts. Etwa, dass zehn Prozent der Staaten 72,7 Prozent der Tourismuseinnahmen erzielen. Oder bis 2035 die Emissionen aus dem Tourismus um das 2,5-fache  steigen würden, wobei die Beherberger für rund ein Viertel dieser Schadstoffe verantwortlich seien. Langthaler schilderte in Folge genau, wie sich die Hoteliers auf die neuen Bedürfnisse der Bevölkerung nach zurückhaltendem Umgang mit der Natur einstellen sollen. Wobei in ihrem Referat nicht unbedingt konkrete Umweltmaßnahmen für Beherbergungsbetriebe im Mittelpunkt standen. Viel mehr die Dokumentation des so genannten ökologischen Fußabdrucks. Brainbows berät Großkonzerne wie Red Bull und Rewe („Billa“). Der Handel versuche bereits bei den Produkten den ökologischen Fußabdruck der Waren zu berücksichtigen. Was nicht sozial- und umweltverträglich produziert werde, fliege auf Perspektive aus den Regalen. Wobei Rewe als Reiseveranstalter (ITS) ebenfalls ein Big Player ist. „Auch Reiseveranstalter könnten in Zukunft diese Soustainability Scorecards einführen – und bei der Hotelauswahl berücksichtigen“, warnte Langthaler die Hoteliers. Häufig erhält der Tourist schon heute die Möglichkeit, seinen „ökologischen Fußabdruck“ im Internet zu errechnen – und durch Zahlungen an Umweltprojekte zu kompensieren.

 

Wobei Langthaler die drei Pfeiler der Nachhaltigkeit, Ökonomie, Ökologie und Soziales, hervorhob. Sie konnte beim Moderator, dem Ex-Chefredakteur der Salzburger Nachrichten Ronald Barazon, mit diesem Begriff keine nachhaltige Begeisterung auslösen. Er sieht darin die Abkehr vom Wirtschaftswachstum – und häufig den Wunsch, schwächer entwickelte Staaten unter dem ökologischen Titel die Chance zu nehmen, unseren Lebensstandard zu erreichen. „Schon vor 500 Jahren sah Thomas Morus das Ende aufgrund der Überbevölkerung nahen“, punktete er. Damals gab es etwa eine halbe Milliarde Menschen. Einigkeit herrschte zwischen Langthaler und Barazon immerhin im Optimismus, dass die Menschheit die Kraft habe, auch in größerer Zahl fortzubestehen.

 

Diese Optimismus teilten die anwesenden Tourismusfachleute durchaus. Von ökologisch handelnden Gästen“ haben sie aber noch relativ wenig bemerkt. Ob Handtücher in den Wellnessbereichen oder Strom am Zimmer, der Gast würde im Hotel den Luxus ohne nachzudenken voll ausleben. Und Gäste zu erziehen sei nicht ihre Aufgabe.

 

Kreativität ist Aufmerksamkeit

In den weiteren Vorträgen ging es darum, mit neuen Ideen und Maßnahmen den Gast der Zukunft in den eigenen Betrieb zu schleusen – sowie diesen Betrieb erfolgreich zu führen. Jens-Uwe Meyer, der erst Polizeikommissar, dann TV- Auslandskorrespondent war, setzt nun als Vortragender auf das „Edison-Prinzip“. Dabei gehe es darum, neue Ideen aufzuspüren und umzusetzen. „Sie müssen sehen, was andere übersehen“. Kreativität sei kein Mirakel, sondern Aufmerksamkeit im Alltag. Es reiche mit wachen Augen durch den Alltag zu gehen und Lücken zu entdecken. Um dann neue Denkwege zu beschreiten. „Wir müssen das Risiko von Experimenten auf uns nehmen“, predigte Meyer. Einzelkämpfertum bringe hier selten etwas. Genie und Umsetzung seien nicht immer in einer Person vereint.

 

Klare Ziele setzen

Auch Boris Grundl setzte als typischer Erfolgstrainer bei den unterschiedlichen Mentalitäten an. Er selbst raste zeitweise in seinem Rollstuhl über die Bühne. Der nach einem Unfall gehandikapte Ex-Profisportler nannte sein Leben („Lieber Querschnitt als Durchschnitt“) ein Beispiel des Wandels. Manchmal erfordere das Leben Veränderung. Eine Führungspersönlichkeit zeichne aber aus, aktiv zu werden, bevor die Umstände dazu zwingen. „Fragen Sie sich: Was haben andere davon, von Ihnen geführt zu werden?“ provozierte Grundl. Führungsqualität habe mit Motivieren wenig zu tun. „Diese Motivationsleute machen gern den Kasperl“, machte Grundl auf Modewellen surfende Gurus aus. Die da meinen, der „innere Schweinehund“ sei zu killen. Oder, dass jede Firma eine Vision haben müsse. „Klare Ziele reichen schon“. Motivationstrainer würden rein auf die Emotion setzen. Doch auf die Verliebtheit des Anfangs müsse die Kompetenz folgen. Sonst gehe es von einem Kick zum nächsten, doch die Umsetzung fehle.

 

Vernetzung zu Ende bringen

Über die Phase des ersten Kicks hinaus, hin zu den Mühen der Ebenen, befinden sich auch längst die meisten Internetfirmen. Tim Cole, seit 1961 in Deutschland lebender „Wanderprediger des Internet“, hat nicht nur eine Tochter, die Dank hogast-Jobportal einen „tolle Stelle“ in Österreichs gefunden hat. Er hat nun auch viele Fans in der österreichischen Hotellerie und Gastronomie, die aufgrund seines schnörkellosen, nachvollziehbaren Referats wissen, wie sich das Internet bis 2020 wohl weiterentwickeln wird. Die Zeiten, wo die „Burn-Rate“ für die Bewertung von Internet-Firmen herhalten musste, seien mit der Dotcom-Blase vorbei. Längst gehe es ums konkrete Geschäft. Erste Aufgabe sei nun, die Vernetzung zu Ende zu bringen. Cole brachte ein geniales Beispiel. Eine mit dem Web kommunizierende Personenwaage sei ein Fortschritt, ebenso wie die existierenden Kühlschränke mit Internet-Anschluss. Wie intelligent wäre es erst, diese beiden Geräte zu vernetzen. Bisher sei noch vieles eine Insellösung, Vorteile aus der Vernetzung würden nicht genützt.

 

Nach den digitalen Nomaden müssen Hoteliers auf digitale Beduinen eingestellt sein. Der Nomade schleppe heute alles mit sich herum, in Zukunft wird erwartet, dass das meiste bereit steht. „Leider haben Hotels, vor allem die teuersten, die Angewohnheit sogar für WLAN Geld zu nehmen. Das ist schon jetzt so, wie für Strom extra zu kassieren“, beklagte Cole. Es gelte viel mehr für die Hotels die Chancen im World Wide Web noch besser zu nützen. Amazon habe bewiesen:  Jeder einzelne ist eine Zielgruppe. Das 1:1-Marketing wird in diesem Jahrzehnt auf jedem Gebiet gewinnen. Standardprogramme schaffen schon heute klare Kundenprofile. „Es geht in den gesättigten Märkten nun weniger um Marktanteile, als um Anteile am Kunden“, schrieb Cole den Teilnehmern ins Gästebuch.

 

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
Werbung

Weiterführende Themen

Tourismus
31.10.2019

Der „Lonely Planet“ empfiehlt Salzburg als Städtedestination 2020. So richtig freuen will das aber scheinbar niemanden. Die Stadt-SPÖ will jetzt die Ortstaxe erhöhen, um die Touristenströme zu ...

Tourismus
31.10.2019

Salzburg wurde von Lonely Planet als beste Städtedestination der Welt auserwählt. Wie es dazu kam. Eine Glosse

Tourismus
03.10.2019

Die Lehrlingsoffensive  „Hallo im Tourismus“ will  Schüler mit ihren zukünftigen Ausbildungsbetrieben im Tourismus zusammenführen.

Das Anton-Proksch-Haus (1.590 m) sucht einen neuen Pächter.
Gastronomie
13.08.2019

Der Ganzjahresbetrieb mit 70 Schlafplätzen und 50 Sitzplätzen in der Gaststube wird ab Ende September 2019 neu verpachtet.  

Gastronomie
07.08.2019

Die Hogast-Unternehmensgruppe verzeichnete im Geschäftsjahr 2018/2019 mit 1,297 Millionen Euro (+6,15 Prozent) einen neuen Umsatzrekord. Und verrät die Programmpunkt vom 25. Symposium am 15. und ...

Werbung