Direkt zum Inhalt

Im Zelt geht‘s rund

07.09.2006

In der Gastronomie häufen sich die Klagen über Zeltfeste, die Stimmung wird immer schlechter und auch schon aggressiver. Die Branche ruft nach einer dauerhaften und gerechten Lösung der Probleme.

Sommerzeit ist vor allem im ländlichen Raum auch zumeist Zeltfestzeit. Die Feuerwehr, die Musi, die Kirche, die Jugend und dann noch unzählige andere Institutionen oder Vereine nutzen das schöne Wetter und füllen ihre (Vereins-) Kassen.
Die Anzahl dieser Feste ist oft so groß, dass im Zeitraum von Mai bis September im Umkreis von 50 Kilometer an jedem Wochenende eine Veranstaltung stattfindet. Auf der Strecke bleiben dabei dann zumeist die eingesessenen Wirte. Sie sehen sich einerseits einer Wettbewerbsverzerrung gegenüber, da z. B. die steuerlichen Bestimmung, die – da gemeinnützig – andere sind, haben aber auch mit schwer überprüfbaren Vorgaben wie Hygienevorschriften zu kämpfen. Das alles ermöglicht niedrigere Verkaufspreise, die dem Wirt dann auch noch die letzten Stammgäste aus dem Lokal ziehen. Das Dilemma besteht darüberhinaus auch noch darin, dass er ja selbst im Gemeindeverband lebt, vielleicht Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr ist, seine Söhne bei der Musi blasen und die Mutter in der Betgruppe aktiv ist. Die Feste im eigenen Ort würde er ja finanziell noch verkraften können oder mögen, die große Anzahl in den Nachbarorten machen sich dann in Summe schon recht stark im Jahresumsatz bemerkbar. Vor allem deshalb, da man ja weiß, dass im Dorfwirtshaus eigentlich das Wochenendgeschäft der Umsatzbringer ist. Die Pendler sind zu Hause und treffen Freunde und Urlauber oder Ausflügler sind auch gute Speisengäste. Bei Zeltfesten spielt im wahren Sinne woanders die Musi.
Brauchbare Ansätze
Diese Probleme sind schon lange bekannt und auch deren Lösungsansätze. So vertritt der Fachverband Gastronomie, allen voran dessen Obmann Helmut Hinterleitner, die Forderung, dass Feste künftig nur in Kooperation mit einem regionalen Konzessionsinhaber (Motto: „Nicht ohne meinen Wirt!“) gefeiert werden dürfen. Im Mostviertel wird das schon seit Jahren bei manchen Wirten so betrieben. Der Wirt stellt die Konzession zur Verfügung, verdient an den Speisen, die Feuerwehr an den Getränken. So ist auch gewährleistet, dass die gesetzlichen Bestimmungen größtenteils eingehalten werden, denn der Wirt möchte ja seine Konzession nicht verlieren.
Alkohol und Jugendschutz
Eines der größten Probleme bei Zeltfesten ist die Einhaltung des Alkoholverbotes für Jugendliche. Exzesse von alkoholisierten Jugendlichen stehen auf der Tagesordnung. Ausweiskontrollen gibt es praktisch nicht. Die Argumente lauten zumeist unisono, dass es nur schwer zu kontrollieren sei und man die Dorfjugend ohnehin kenne. Dass ein Großteil von Zeltfestbesuchern jedoch nicht Ortsansässige, sondern Jugendliche aus der näheren und auch weiteren Umgebung sind, die dann sehr oft mit dem Auto nach Hause fahren, verschweigt man vorsichtshalber.
„Überprüfungen seitens der Behörden finden eher selten statt“, weiß der niederösterreichische Spartengeschäftsführer Mag. Rudolf Keindl: „Viele Events sind zum einen nicht gemeinnützig, zum andern oft nicht geneh­migt. Die Behörden wissen oft gar nichts von den Veranstaltungen und zum Wochenende wird ohnehin nur ungern überprüft.“
Ins gleiche Horn stößt der ober­österreichische Spartenobmann August Oberndorfer: „Die Polizei, die ja letztendlich die Gesetze exekutieren soll, ist überfordert. Bei uns geht es aber nicht nur um die Zeltfeste, sondern auch um die Mostheurigen. Hier gibt es eine klare Verordnung, die aber leider auch oft nicht eingehalten wird.“
Wien ist anders
Josef Bitzinger, der Wiener Spartenobmann, hat andere Sorgen: „Wir haben weniger Probleme mit Zeltfesten als mit dem Rathausplatz, der Summerstage und den Donauinselfesten, die im Sommer viele Gäste abziehen. In Wien kann praktisch jeder überall, wenn er die gesetzlichen Auflagen erfüllt, ein Fest veranstalten. Auf der Strecke bleibt dann oft der eingesessene Wirt.“ Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.

Die Hauptprobleme der Gastronomie mit Zeltfesten und Events

- Die oft fehlende Gemeinnützigkeit derartiger Veranstaltungen
- Das Nichteinhalten der Jugendschutzbestimmungen (Alkoholabgabe an Minderjährige)
- Missachtung der Sperrstundenregelung
- Steuerliche Begünstigungen
- Verstöße gegen die Hygienegesetze
- Zu wenig Kontrollen durch die Behörden
- Inflationäre Genehmigungsvergabe für diese Veranstaltungen
- Trotzdem werden viele Veranstaltungen ohne Genehmigung durchgeführt

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
Werbung

Weiterführende Themen

Gastronomie
17.09.2020

Ein Corona-Abstrich erst kurz vor Veranstaltungsbeginn und das Testergebnis schon innerhalb von 15 Minuten: Das Austria Center Vienna startet als erstes Veranstaltungshaus Europas ein großes ...

Die Innsbrucker Herbstmesse ,light‘ und der Fachbereich für Gastronomie und Hotellerie werden heuer nicht stattfinden.
Gastronomie
17.09.2020

Die Herbstmesse „light“ und der Fachbereich für Gastronomie und Hotellerie finden heuer nicht statt.

Gastronomie
17.09.2020

Das oberösterreichische Traditionsunternehmen ist covid-bedingt in Turbulenzen geraten. Es soll zu einem Sanierungsverfahren kommen.

Mathias Prugmaier, Andreas Knötzl, Johannes Fritz, SQ-GF Jürgen Geyer, Paul Retzl, Willi Bauer und Kathrin Brachmann (v. l.).
Wein
17.09.2020

Südsteiermark, Thermenregion, Weinviertel, Kamptal, Traisental, Wagram: Sechs junge Winzer aus sechs österreichischen Weinbaugebieten haben es ins Finale geschafft. 

Andrea Bottarel, Josef Bitzinger, Marina Rebora Walter Kutscher und Christian Bauer.
Szene
16.09.2020

Große Verkostung in Josef Bitzingers Vinothek.

Werbung