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Im Zentrum der Milchstraße

18.03.2005

Die Neuauflage des Steirerecks mit seinen drei Lokalen wurde in sämtlichen Fach-, Lifestyle- und sonstigen Medien bereits zur Genüge beschrieben. Spektakulärer Hauptpunkt war dabei in der Regel das große Restaurant. Relativ wenig Beachtung hat man allerdings bisher der Meierei geschenkt, obwohl diese eigentlich das „neuere“ und erfrischendere Konzept darstellt.

„Die Meierei war immer schon – zu Zeiten mangelnder eigener Kühlmöglichkeiten – die Milchtrinkhalle der Wiener und wir wollten dieses Konzept einfach wieder revitalisieren“, erklärt Steirereck-Patron Heinz Reitbauer sen. „Alles dreht sich hier ums Thema ‚Milch‘, beginnend bei neun verschiedenen Milchsorten wie Ziegen-, Schaf-, Stuten- und natürlich auch Kuhmilch. Dann gibt es ständig über 120 verschiedene Käse aus aller Welt (betreut vom langjährigen Steirereck-Käsesommelier Herbert Schmid), es gibt ofenwarme Mehlspeisen, aber auch ganz einfache Dinge wie ein frisches Bauernbrot mit Butter und Schnittlauch. Und an warmen Speisen eine Rahmsuppe und ein Wiener Schnitzel.“ Was das mit Milch zu tun hat? Ok, manchmal muss man kreativ sein: Es kommt vom Milchkalb und wird in Butterschmalz herausgebacken.

Take Away
Das Käseangebot lässt sich in Einzelposten ordern, aber auch in fixen Variationen wie etwa das „Käse-Duell“ (Österreich 4:4 Frankreich), der „Käse-Test“ (Ziege, Schaf, Kuh – Who’s
who) oder „Blue Cheese“ (die besten Blauschimmelkäse von Stilton bis Roquefort). Besonderheit dabei: Bei jedem Käse liegt ein kleiner Zettel, auf dem die jeweilige Herkunft und Herstellung sowie der Mitnahmepreis (man kann jeden Käse auch für zu Hause erwerben) erklärt werden. Reitbauer: „Hand aufs Herz: Wenn der Kellner acht verschiedene unbekannte Käsesorten erklärt, merkt man sich vielleicht die erste und die letzte. So weiß der Gast immer, was er vor sich hat und wenn ihm etwas besonders schmeckt, dann kann er den Zettel mitnehmen und weiß, was er beim nächsten Mal irgendwo kaufen oder bestellen soll.“
Das Brot dazu kann man in beliebiger Menge (Fixpreis 1,10 Euro/ Person) selber schneiden und an den Tisch bringen. Und wer angesichts des weißen Baumwollhandschuhs auf jedem Tisch schon mit einem Spontanauftritt von Samy Molcho gerechnet hat: Mit dem Handschuh wird beim Schneiden der Brotlaib gehalten.
Generell sind die Preise hier deutlich niedriger kalkuliert als im „großen“ Steirereck. Es sei ein anderes Konzept, die Leute sollten hier ohne Reservierung einfach vorbeikommen, erklärt Reitbauer.

Vorbild Pogusch
Wem Preisgestaltung, die Form der Käseangebote und das Miteinbeziehen des Gastes in die Inszenierung – Stichwort „teilweise Selfservice“ – jetzt bekannt vorkommt, der liegt natürlich richtig. „Viele Ideen haben wir vom Pogusch importiert. Dort haben wir aber auch gesehen, wie gerne die Leute Käse essen“, zeigt sich Reitbauer erfreut. Was ihn dabei am meisten überrascht hätte, sei die Tatsache, dass auch Kinder ganz wild auf Käse seien. „Da isst dann ein achtjähriges Mädchen plötzlich einen Käse, der nur so läuft.“
Milch hin oder her, beim Getränkeangebot kommt man um Kompromisse nicht herum. Aber zu den Mehlspeisen passt etwa ein heimischer Winzersekt oder ein Süßwein und zu den Käsen werden verschiedenste offene Weine (Schwerpunkt Wien) angeboten. Das Preisspektrum reicht hier von einem bis zu zehn Euro pro Achterl. „Das 1-Euro-Glas ist ein klassischer Wiener Heuriger, der jedes Monat wechselt“, so Reitbauer. Weiters kann der Gast aus einer umfangreichen Tee- und Kaffeekarte sowie aus zahlreichen (teilweise frisch gepressten) Fruchtsäften wählen.
Dass der Milky Way ein erfolgreicher ist, ist offensichtlich. Schließlich verkaufen die Reitbauers alleine in der Meierei jetzt schon die dreifache Käsemenge des gesamten alten Lokals. Die angestrebten 20 Prozent Umsatzanteil am gesamten Steirereck dürften jedenfalls nicht zu hoch gegriffen sein.

Meierei im Stadtpark, 1030 Wien, Tel.: 01/713 31 68, Internet: www.steirereck.at, keine Reservierungen.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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