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Image könnte besser sein

04.04.2005

Der gastgewerbliche Arbeitsmarkt in Österreich wächst ständig und bietet vielen Arbeitnehmern hervorragende Entwicklungschancen. Dennoch leidet die Branche weiter unter einem schlechten Image.

Ein Blick auf den gastgewerblichen Arbeitsmarkt Österreichs zeigt, dass die heimische Gastronomie und Hotellerie samt ihren „nachgereihten“ touristischen Einrichtungen zu den wenigen echten Wachstumsmotoren unseres Landes zählen, die auch Arbeitsplätze schaffen.
So wurden alleine in den letzten fünf Jahren mehr als 12.000 neue Arbeitsplätze geschaffen (von 147.000 auf 159.000).
Mehr Jobs, mehr Arbeitslose
Gleichzeitig erreichte die Zahl der Arbeitslosen, die der Tourismusbranche zugerechnet werden, mit 50.839 im November 2004 einen neuen Höchststand.
Kein Problem also, aus den 50.000 Arbeitslosen die richtigen Mitarbeiter zu finden?
Leider Fehlanzeige, wie auch Spartenobmann KR Johann Schenner bestätigt: „Von einer Entspannung der Situation kann von Arbeitgeberseite leider keine Rede sein.“
Trotz der im Großen und Ganzen gleich gebliebenen Anzahl an Saisonniers (WS 2004/ 05: 8.895) helfen sich viele Betriebe in den westlichen Wintersportregionen zunehmend mit Mitarbeitern aus anderen EU-Ländern, und hier vor allem Deutschland. Diese Schere erklärt sich laut Schenner zum einen dadurch, dass viele dem Tourismus zugerechneten Arbeitslosen oft nur kurz im Tourismus beschäftigt waren und für zahlreiche angebotene Jobs nicht qualifiziert sind.
Stichtag-Analysen – also Ermittlungen, wie viele Arbeitslose zu einem bestimmten Datum tatsächlich verfügbar sind – erhärten den Verdacht, dass die rund 50.000 im Tourismus gemeldeten Arbeitslose nicht den Bedarf an qualifizierten Arbeitnehmern decken können.
Ein weiteres Problem ist, dass viele hoch qualifizierte Absolventen der heimischen Tourismusschulen in andere Branchen abwandern. Ein Mitgrund dafür ist auch das nach wie vor bescheidene Image der Branche.
Die ÖGZ veranstaltete daher gemeinsam mit den Salzburger Nachrichten auf der „Alles für den Gast Frühjahr“ in Salzburg drei hochkarätige Diskussionsrunden zu diesem Thema, die Lösungsansätze zu diesen Problemen aufzeigen.

Ein zentrales Thema der Diskussionsrunden war das nach wie vor mäßige Image der Tourismusberufe, das die Branche für zahlreiche Arbeitssuchende, die es in Österreich ja tatsächlich gibt, nur mittelmäßig attraktiv macht.
Schluss mit Krankjammern!
Johann Schenner, lobte zwar das sehr gute Arbeitsverhältnis mit der Gewerkschaft in Sachfragen, versteht jedoch nicht, wieso diese immer wieder ein derartig schlechtes Bild der Gastronomieberufe zeichnet: „Die Hotellerie und Gastronomie bietet jungen Menschen attraktive Berufe mit hervorragenden Aufstiegschancen. Man soll nicht immer über das unveränderliche Faktum der Wochenend-Arbeit reden. Das gilt in unserer heutigen Dienstleistungsgesellschaft schließlich für viele Branchen.“
In den Publikumsmedien werden seit einigen Jahren zwar die Erfolge von österreichischen Gastronomen, die im Ausland eine tolle Karriere geschafft haben (Wolfgang Puck!) schön dargestellt und auch der Beruf eines (Hauben)Kochs hat einen gewissen Glamour bekommen. Für Irmi Schüttelkopf, selbständige Ausbildnerin im Bereich Etagenservice, ist das Image des Gros der Jobs in der Hotellerie immer noch negativ besetzt.
Auch Sprache schafft Image
Am liebsten würde Schüttelkopf das Wort „Putzen“ aus dem Wörterbuch streichen: „Zur Motivation im Beruf gehört auch die Wertschätzung der eigenen Tätigkeit unverzichtbar dazu. Reinigen, Pflegen, den Wert der Dinge erhalten, sind alles positiv besetzte Tätigkeiten. Putzen ist es nicht.“
Alle Diskutanten waren sich einig, dass sich das Image einer ganzen Branche nur langsam verbessern kann.
Dass ein Teil der Abgänger von Tourismusschulen nicht dauerhaft in der Branche arbeitet, wurde von den meisten Diskutanten nicht als schwer wiegendes Problem erachtet. „Unsere Abgänger sind sehr begehrt, weil sie eine sehr breite Ausbildung haben, Fremdsprachen können und ein gewisses Auftreten gelernt haben“, meinte etwa Alexander Rieder von der Tourismusschule Bischofshofen.
Dass Tourismusjobs in Österreich durchaus attraktiv sind, zeigt unter anderem das spürbar gestiegene Interesse junger Arbeitssuchender aus Deutschland. Diese Tatsache wurde von fast allen Diskutanten als durchaus positive Erscheinung gewürdigt.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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