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Immer mehr Fipronil im Flüssigei

17.08.2017

Fast täglich werden europaweit und auch in Österreich mit dem Insektengift Fipronil belastete Eier – genauer Eiprodukte wie Flüssigei – gefunden, die fast ausschließlich in der Gastronomie zum Einsatz kommen. Grund für Hysterie und Rufen nach einer verpflichtenden Herkunftsangabe in der Gastronomie?

Eines unser Lieblingsgerichte. In der Gastronomie auch mit Flüssigei.

Flüssigei wird wohl weniger in der Haubenküche, wie manche behaupten, eingesetzt als in Großküchen, zum Beispiel in Krankenhäusern oder Hotels, weil es sich in großen Mengen hygienischer verarbeiten lässt als frische Eier. Und weil man damit die wirklich lebensbedrohliche Gefahr zum Beispiel einer Salmonellenvergiftung wirksam verhindern kann.

Jetzt wird täglich über verseuchte Eier, die hauptsächlich in der Gastronomie eingesetzt werden, berichtet. Schlechte PR für die Gastronomie – mal wieder. Niemand möchte Eier mit Fipronil vorgesetzt bekommen. Auch wenn es wohl in den bisher in Österreich gefundenen Dosen für den Menschen harmlos ist, völlig legal zur Bekämpfung von Floh- und Zeckenschutz bei Haustieren eingesetzt wird und in den betroffenen Ställen wohl tatsächlich zur Bekämpfung von Vogelmilben eingesetzt wurde. In Lebensmitteln hat es trotzdem nichts zu suchen und ist dort auch verboten. Es wurde offenbar von den Hühnern aufgenommen und landete in ihren Eiern. Ob man das vorher hätte wissen können, wissen wir nicht.

Entrüstung ist groß, verständlich

Wie jeder Lebensmittelskandal, der aus dem Ausland über die österreichische Insel der Seligen hereinbricht, ist die Entrüstung groß und der Ruf nach einer verpflichtenden Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie naheliegend.

Hätte Letztere  in diesem Fall geholfen? Geholfen haben die Kontrollen in Österreich vor allem im Großhandel. Die Großhändler haben von sich aus Alarm geschlagen und teilweise Produkte zurückgerufen. Die AGES prüft jetzt landesweit Eiprodukte – nachdem sie reichlich spät Anfang August von der EU über die mögliche Belastung informiert wurde. Eier und Eiprodukte, die in Österreich hergestellt wurden, sind nach wie vor nicht betroffen. Das spräche für eine Herkunftsangabe bei Flüssigeiprodukten. Dann hätte der Gast die Gewissheit, dass er zum Beispiel keine Flüssigeiprodukte aus Deutschland isst, wo der Skandal immer größere Kreise zieht – die Rede ist von über 35 Millionen möglicherweise infizierten Eiern allein im Bundesland Niedersachsen.

Hätte eine Herkunftskennzeichnung geholfen?

Wie immer in solchen Fällen ist die Hysteriekurve steil und die Gefahr, das Kind mit dem Bade auszuschütten, groß. Mario Pulker, Obmann der Gastronomie in der Wirtschaftskammer, weist darauf hin, dass aufgrund der strengen Hygienevorschriften österreichische Großbetriebe gar keine Schaleneier einsetzen dürfen und auf Flüssigei angewiesen sind. Die Verwendung von Flüssigeiprodukten bringe keinen Preisvorteil in der Gastronomie. Und eine verpflichtende Herkunftsbezeichnung hätte auch nicht den Einsatz des Insektizids in belgischen oder niederländischen Ställen verhindert.

Wir sagen: Eine Herkunftsangabe würde vermutlich nur zu Pauschalisierungen führen. Und Gäste verunsichern. Nicht jedes Ei aus Deutschland ist per se böse. Auch nicht jedes Flüssigei. Und in vielen Fällen einfach notwendig.

Eine Lösung wäre sicher, wenn wir von der industriellen Großproduktion in der Landwirtschaft wegkämen, von der Massentierhaltung, vor allem bei Hühnern. Aber das wirft wieder ganz andere, vor allem ökonomische Probleme auf. Und ist in vielen Fällen wohl einfach nur Wunschdenken. Es kann in der heutigen Welt nicht mehr zugehen wie auf einer idyllischen Bergalm, wo der Bauer seine Produkte selbst herstellt und seiner überschaubaren Anzahl an Gäste anbietet. Leider.

Mehr Kontrollen, mehr Information

Helfen können ganz gewiss (noch) strengere Kontrollen. Die aber auch immer in mehr bürokratischen Aufwand münden. Vor allem noch mehr Aufklärung würde helfen. Auch in der Landwirtschaft. Eier von mit Milben befallenen Hühnern möchte ja auch niemand essen. Wenn die überhaupt noch Eier legen.

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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