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Immer mehr Hotelbetten in Wien

24.11.2010

Wien. Die Österreichische Hoteliervereinigung (ÖHV) beauftragte Christie+Co mit der Analyse des Wiener Hotelmarktes. Aufgrund der starken Zunahme an Hotelbetten braucht es neue Tourismusstrategien. Wiens ÖHV-Landesvorsitzende Michaela Reitterer fordert Erleichterungen bei der Visavergabe und die 3. Landebahn am Flughafen Wien-Schwechat.

Wiens ÖHV-Landesvorsitzende Michaela Reitterer

Die Wiener Nächtigungszahlen haben sich nach der Krise besser entwickelt als in allen anderen Bundesländern, die Auslastung ist aber insbesondere im Jahr 2009 stark zurückgegangen. Mit ein Grund dafür, dass Wiener Hotels im europäischen Vergleich oft für Schnäppchenpreise zu haben sind. Diese Situation ist aber wenig rentabel für die Hoteliers. Trotzdem werden in den kommenden Jahren noch mehr Hotelbetten gebaut, was für einzelne Segmente zu steigendem Preisdruck führen kann, prognostiziert eine Studie im Auftrag der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV).

 

Budgethotels drücken den Preis

Schon von 2000 bis 2009 stieg der reale Nettozimmerpreis kaum. „Betriebe der 3-Sterne-Kategorie werden durch neue Budgethotels internationaler Ketten den Preisdruck besonders zu spüren bekommen, auch bei den 4-Sterne Hotels kann der steigende Wettbewerb den Preis leicht unter Druck setzen. Insgesamt stehen die verschiedenen Segmente in Konkurrenz zur jeweils höheren Kategorie, was sich auf Preis und Auslastung auswirken wird“, so Mag. Lukas Hochedlinger, Manager Business Development  Austria & CEE bei Christie + Co. Die Studie von Christie + Co geht zwar von einer Gesundung der Auslastung trotz neuer Kapazitäten bis 2013 aus, allerdings nur, wenn die Volkswirtschaft im prognostizierten Rahmen wieder anspringt. ÖHV-Landesvorsitzende Michaela Reitterer gibt dabei zu bedenken: „Wenn die europaweiten Steuererhöhungen 2011 schlagend werden, ist eine neue Zurückhaltung bei privaten und geschäftlichen Reiseausgaben zu befürchten.“

 

Geringe Auslastung, immer mehr Betten

In den vergangenen zehn Jahren stieg das Angebot an Hotelzimmern in Wien jährlich um 2,5%, von 21.300 auf 26.700. Kämen alle Projekte bis 2013 auf den Markt, würde sich das Wachstum auf 4% pro Jahr beschleunigen. Derzeit befinden sich 14 Projekte mit ca. 2.500 Zimmern in Bau, weitere 14 Projekte mit ca. 2.000 Zimmern in der Planungsphase. Die stärksten Zimmerzuwächse werden im Budget- (+36%) und im Luxussegment (+28%) erwartet. Die Zimmerauslastung der Wiener Hotels erreichte 2006 und 2007 mit rund 71% ihren Höhepunkt. 2009 sackte die Auslastung auf 64% ab.

Offensichtlicher Handlungsbedarf

Reitterer zieht daraus klare Schlüsse: „Standortagenturen, Berater und Investoren werden gut beraten sein, den Stellenwert der Nächtigungen als Kriterium für die Standortauswahl zu relativieren. Zunehmender Preiswettbewerb und steigende Kosten werden vernachlässigt. Wir müssen überprüfen, wie wir unsere Strategie an die neuen Rahmenbedingungen anpassen“. „Wie es derzeit aussieht, verschärft sich die Situation zunehmend. Wir werden die Situation und die Maßnahmen darauf in diesem neuen Kontext rasch neu bewerten müssen“, schlägt Reitterer das kommende Jahr für eine Evaluierung vor.

 

Visa gehören dringend vereinfacht

Reitterer setzt auf die Zusammenarbeit zwischen Betrieben, WienTourismus und Österreich Werbung: „Wiens Erfolg heißt Internationalisierung, darauf müssen wir setzen.“ Die Grundlagen dafür waren aus Sicht der Wiener Hotellerie schon besser: „Internationalen Gästen wird es derzeit unnötig schwer gemacht, nach Wien zu kommen: Unsere derzeitige Visapolitik führt dazu, dass Business-Gäste und Urlauber auf andere Destinationen ausweichen. Top-Gäste aus dem arabischen Raum, aus Russland, Indien und China lassen sich das nicht gefallen und wählen einfach andere Reiseziele. Wer doch kommt, wird via Flugabgabe zur Kasse gebeten. Nach der Ankunft verleidet das Baustellenchaos auf den Bahnhöfen die Anreise“, ortet Reitterer massiven Nachholbedarf. Ohne Alternative ist aus ihrer Sicht der Bau der dritten Piste: „Damit das nicht in ein paar Jahren schlagend wird, müssen wir jetzt rasch handeln!“ Im Vergleich zu anderen Metropolen hinke Wien auch beim Shopping-Erlebnis hinterher: „Gerade Städte- und Geschäftsreisende wissen genau, wo sie sonntags vor geschlossenen Geschäften stehen und wo man sie immer gerne empfängt.“ Absolut wichtig wäre für Reitterer aber auch die Budgetstabilität der Österreich Werbung und der Wegfall der Ticketgebühr.

 

 

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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