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Hans Kilger will seine 50 betroffenen Mitarbeiter nicht kündigen, denn "Es gibt ein Leben nach Corona, und da brauchen wir sie wieder!"

Improvisationstalente: Wenn Kellner und Stammgast das Essen ausliefern

19.03.2020

Wirtsleute und Gastronomen werden zu Essenszustellern. Das gibt es im ganzen Land. Manchmal führen die Kellner das Essen aus. Manchmal übernimmt das sogar ein Stammgast. Eine Facebook-Gruppe zeigt, dass die Nachfrage da ist.

Helmut und Susanne Narnhofer tauchen durch die Krise. Mit Zustellung.
Ingrid Marzari und Alfred Nikolai, die Wirtsleute des Gasthaus Burenwirt in Innsbruck schickten in der Krise den Burenwirt Express ins Rennen und haben damit zahlreiche neue Gäste ansprechen können.

Die aktuelle Krise habe sie aus dem Nichts getroffen, erzählt das Wirtepaar Susanne und Helmut Narnhofer. Ihren „Edlacherhof“ im obersteierischen Mürzzuschlag führen die beiden seit 2013 als kleinen Familienbetrieb. Jetzt ist alles anders. Keine Gäste, kein Umsatz. „Ich hatte die Idee, Essen auszuliefern“, erzählt Helmut Narnhofer der ÖGZ. Und wie es der Zufall wollte, hat nun auch einer seiner Stammgäste keine Arbeit mehr. Die Chance packte man am Schopf: So setzt man jetzt einfach ein Lieferservice um. Mittags wird Hausmannskost ausgeliefert. Das helfe ein bisschen, um den Umsatzrückgang auszugleichen, sagt der Wirt.

Helmut Narnhofer wird nun jeden Mittag in der Küche stehen, Schnitzel und Cordon Bleu in den Fritter werfen und Gulasch abschmecken - bislang machte er erst um 16 Uhr auf. 2,50 Euro verlangt er für die Lieferung im Gemeindegebiet. „Wir schauen, wie das ankommt. Wir machen das jedenfalls auch, dass Leute zu einen warmen Essen kommen können.“

Das Ehepaar sieht sich aber auch in einer glücklichen Lage. „Wir zahlen keine Pacht, und haben seit drei Jahren keine Angestellten mehr. Da  geht es anderen derzeit viel schlechter.“

Ein Innsbrucker Traditionsgasthaus meistert die Krise

Etwas anders ist die Lage beim Burenwirt in Innsbruck. „Für uns gab es eigentlich nur noch das Szenario zuzusperren“, erzählen die Wirtsleute Ingrid Marzari und Alfred Nikolai im Gespräch mit der ÖGZ. Der Burenwirt lebe aber nicht nur von seinen Gästen, sondern auch von seinen Mitarbeitern. Alfred Nikolai spricht von der „Buren-Familie“. Diese wollte er nicht sich selbst überlassen. „Zumachen und alle zum AMS zu schicken, wäre das einfachste aber nicht die Lösung für uns gewesen“, sagt Alfred Nikolai.

Je stärker der Druck eine ebensolche zu finden, graben Ingrid Marzari und Alfred Nikolai und eine schon länger gärende Idee aus. „Wir hatten schon früher mit dem Gedanken gespielt, Hauszustellung zu machen. Es dann aber wieder sein lassen. Das bindet im Tagesgeschäft ja auch Ressourcen“, erklärt Alfred Nikolai. Jetzt aber war die Zeit gekommen, die Not zur Tugend zu machen. Mit dem Einverständnis der Mitarbeiter – „das war uns wichtig, sonst hätten wir das nicht gemacht“ – zieht die Buren-Familie über Nacht den „Buren-Express“ und damit einen Lieferdienst hoch. Über das Wochenende werden Wirtschaftskammer, Steuerberater, Anwältin, etc. konsultiert. „Wir wollten das nicht in einer Grauzone machen. Das musste Hand und Fuß und einen rechtlichen Rahmen haben.“

Letztlich aber waren Improvisationstalent und motivierte Mitarbeiter die Quintessenz für die Auferstehung des Burenwirt Express. Von der Wucht, die den Burenwirt, wie tausende Gasthäuser auch, mit der Corona-Krise getroffen hat, wollte man sich nicht überwältigen lassen. Und so verstrich lediglich ein Wochenende, das mit Informieren und Organisieren gefüllt war. Bereits am Montagmittag startete die Hauszustellung und die ersten 50 Essen wurden ausgeliefert. Am Dienstag waren es bereits 80 Gerichte, die an die Kunden geliefert wurden. Auch für die Sicherheit der Mitarbeiter ist gesorgt. Geld und Essen werden berührungslos übergeben. Desinfektionsmittel ist immer dabei. Um die Idee des Burenwirt Express bekannt zu machen, hat die Buren-Familie ihre guten Kontakte zu den vielen Stammgästen aber auch soziale Netzwerke genutzt.

Facebook-Gruppe und andere Initiativen

Unterstützt von Markus Stegmayr, Gründer der Facebookgruppe Wirtshausgeschichten - Restaurantempfehlungen und Gastroerlebnisse gründeten die Wirtsleute noch die Facebookgruppe „Burenwirt Express“. Mit Stand Mittwoch 18. März 2020 bereits knapp 400 Mitglieder. Ein großer Erfolg also, der wenn sich die Situation nicht weiterhin drastisch verschärft, fürs erste das Überleben des Betriebes und hoffentlich die Jobs der neun Mitarbeiter sichert. „Jeder Tag ist ein ungewisser Tag mit neuer Lage-Beurteilung. Wir wollen aber auch positive Energie verbreiten“, sagt Alfred Nikolai. In Zeiten wie diesen eine wichtige Ansage.

Zahlreiche weiterere Liefer-Initiativen von Innsbrucker Restaurants und Gasthäusern, darunter der Futterkutter, Phil`s American Diner, Pizzeria Nematis, Restaurant Burkia, Wild West Burger, Restaurant Neuwirt, Inndrinks mit Kitchen Club Niederwieser, Woosabi und viele mehr gibt es bereits.

Der Kellner wird Zusteller

Sehr findig zeigt sich auch der steirische Unternehmer Hans Kilger, der mehr als 200 Angestellte beschäftigt, den Großteil davon in sechs Gastronomiebetrieben. Die Köche unter den Gastronomiemitarbeitern bereiten nun die Fleischteile von Bison, Wasserbüffel, Hirsch und Reh sowie von regionalem Rind und Schwein zu köstlichen Gerichten zu, die Servicemitarbeiter mutierten kurzerhand zu Fahrern – und fertig ist der Zustellbetrieb von A la Carte-Gerichten.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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