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Indische Urlauber haben Österreich als eines der europäischen Top-Reiseziele auserkoren.

Indien: Boommarkt mit besonderen Wünschen

06.04.2017

Immer mehr indische Touristen besuchen die Alpenrepublik. Auch 2016 gab es wieder ein sattes Plus. Sie suchen einen Mix aus Natur und Kultur und stellen manchmal besondere Ansprüche.

Quelle der Daten: ÖW
Dos und Don’ts 

+ Softdrinks beim Einchecken
+ Liste mit vegetarischen bzw. indischen Restaurants 
+ Kofferträger (wird erwartet)
+ Bad und Toilette getrennt
+ Toilette mit Waschbecken

- Aktives Anbieten von Rind- oder Schweinefleisch
- Händeschütteln mit indischen Damen (außer auf ­deren Initiative) 

Der indische Stardesigner Manish Arora zeigte vergangene Woche im Flagshipstore der Swarovski Kristallwelten in Wien sein Werk: unzählige funkelnde Kristalle inmitten einer knallbunten Menagerie an Orang-Utans und in Pink leuchtenden Eulen. Stefan Isser, der Geschäftsführer von Svarovski Tourism Services, strahlte nicht minder. Arora ist nicht irgendein Repräsentant seiner Marke. Er steht für den wichtigen Zukunftsmarkt Indien: 1,3 Milliarden Einwohner und eine wachsende obere Mittelschicht, die sich nach Reisen (auch ins ferne Europa) sehnt. 

Rund 147.000 indische Ankünfte verzeichnete die Österreich Werbung (ÖW) 2016 (+ 24 Prozent). Für indische Europareisende ist Österreich das siebentattraktivste Reiseziel. Typisch ist die kurze Aufenthaltsdauer von gerade einmal 1,8 Nächten im Schnitt. Indische Touristen würden versuchen, möglichst viel Europa in möglichst kurzer Zeit zu sehen, erklärt die indische Marktmanagerin der ÖW, Christine Mukharji, der ÖGZ. Reisezeit ist der Sommer. „Ein Hauptmotiv ist das Entkommen der Hitze“, sagt die seit mehr als zwanzig Jahren in Indien lebende Tourismusmanagerin. 

Die Tourismusmarke Österreich präsentiert sich daher mit Naturszenen wie Almwiesen und viel vom im trockenen Indien relativ raren Gut: klaren Wasser. Aber auch die Kultur und das imperiale Erbe spielen bei der Vermarktung eine wichtige Rolle, sagt Mukharji. Damit setzte sich Österreich zuletzt von der Schweiz ab, wo Ankünfte von Indern weitgehend stagnieren. 

Wie man indische Gäste erfolgreich anzieht, zeigen die von Stefan Isser verantworteten Swarovski Kristallwelten in Wattens. 73.000 Gäste aus Indien besuchten 2016 das vom Künstler André Heller konzipierte Kultur- und Besucherzentrum – das sind mehr, als Wien und Salzburg an indischen Ankünften verzeichnen. Damit sind die Kristallwelten die für Inder mit Abstand populärste österreichische Attraktion. 
Diese Popularität hat einen Grund: „Wir bearbeiten den Markt seit rund zwanzig Jahren. In den vergangenen fünf Jahren konnten wir eine Verdoppelung der Gästezahlen erzielen“, sagt Isser im Gespräch mit der ÖGZ. Kein anderes heimisches Unternehmen betreibt einen solchen Aufwand. Erfolgsgrundlage sind gute Verbindungen zu indischen Reiseveranstaltern, über die 95 Prozent der indischen Auslandsreisenden buchen. Mittlerweile wird ein Besuch der Kristallwelten als „Must-see“ empfohlen.  

Glamour und Bollywood

Die Affinität vieler Inder zu Glamour spielt dabei eine ebenso große Rolle wie die strategische Vermarktung. 2011 wurden Szenen des Bollywood-Film-Blockbusters „Chal Mere Bhai“ in den Kristallwelten gedreht. Eine Liebesszene vor dem „Riesen“ wanderte so in die Köpfe von hunderten Millio-nen Kino- und TV-Sehern. Der Werbewert ist kaum abschätzbar. Ebenso wie jener des Musicals „Sound of Music“, das sich nicht nur in den USA, sondern auch in Indien weit größerer Popularität erfreut als hierzulande. „Von den über 40-Jährigen kennt den Film fast jeder“, sagt Mukharji. Kein Wunder, dass Salzburg-Tourismus erst unlängst verkündete, sein Angebot noch stärker in den indischen Markt zu tragen.

Spezielle Gäste

Einzelne Regionen wie das mit arabischen Touristen erprobte Zell am See setzen bereits mit speziellen Angeboten auf die indischen Gäste. Aus Hote-lierkreisen hört man, dass die Betreuung der Inder durchaus einfacher sei als jene der arabischen Gäste. Für Gastronomen und Hoteliers gibt es dennoch einige Dinge zu beachten. Wer schon einmal selbst vor Ort war, weiß, dass der Umgang mit den (auch immer in Überzahl) vorhandenem Personal in Indien – gelinde gesagt – etwas ruppiger ist. „Ein häufiges Problem ist, dass indische Gäste das Personal in einem abfälligen Tonfall und mit wenig Respekt behandeln“, erklärt Indien-Expertin Mukharji. Um Irritationen zu vermeiden, gibt es daher spezielle Schulungen des österreichischen Personals. Ebenso erwarten Inder auch, nach 21 Uhr noch eine offene Küche mit – sehr wichtig – vegetarischen Speisen vorzufinden.   

Großes Potenzial 

Indien als Hoffnungsmarkt zu bezeichnen ist keineswegs übertrieben. Das zeigt ein Blick auf die demografische und ökonomische Entwicklung. Derzeit fallen etwa zehn Millionen Inder in die Zielgruppe der Europareisenden. Kerngeschäft sind Citypackages, kombiniert mit Tagesausflügen in die Berg- und Seelandschaften. Laut Studien wird sich das Potenzial in den kommenden zehn Jahren verdoppeln. Grund ist der wirtschaftliche Aufschwung der indischen Mittelschicht. Diese Klientel wird neue Angebote nachfragen. Derzeit spielt sich alles im Bereich der Vier- bis Fünf-Sterne-Kategorie ab. Künftig könnte es mehr indische Budget-Urlauber und Individualtouristen geben.

Autor/in:
Daniel Nutz
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